Aufwachen

Die Erinnerung an meine über das Papier schwebende Hand. Das Gesicht des Dichters, alt und gleichzeitig jung, unendlich desillusioniert und gleichzeitig kämpferisch. Die Angst, die Macht, die Kapitulation. Und dass es welche gibt, die die Kraft haben, dagegen anzuschreiben und andere, die sich (wie ich) mit Gefühlen und Nabelschau zufrieden geben. Geben müssen? In meiner Jugend war ich ein politisch interessierter Mensch. Gestern ist in meinem Bundesland gewählt worden und obwohl ich pflichtschuldig zur Urne gegangen bin, hat mich das Ergebnis nicht interessiert. Ich muss (und möchte!) heraus aus dieser Gleichgültigkeit, dieser bequemen, viel zu bequemen Haltung des: es nützt ja doch alles nicht. Alles ist an die Wand gefahren und nicht mehr zu retten. Ich bin so müde. Unendlich müde. Müde von all der Sinnlosigkeit. Müde von dem Leid. Der Ohnmacht. Aber dann lese ich „Gleichnis in allen Sprachen“ und will wieder aufwachen, will stark sein und sogar kämpfen, für den Frieden, für das Wort. Es ist überhaupt nicht wichtig, dass ich nicht die richtigen Worte finde, die richtigen Worte der anderen zu lesen und zu preisen ist ebenso schön. Weniger schön, sogar schrecklich, ist es, sich Sorgen zu machen zu müssen, um Menschen, die uns so klare Worte schenken.

Ein Gedanke zu “Aufwachen

  1. Ich denke, seit Jahrhunderten war immer wieder etwas kolossal gegen die Wand gefahren. Wo Menschen sind, da geht ziemlich viel zu Bruch. Ist erst mal so. Als Menschen können wir da wohl nicht wirklich was machen. Aber es stimmt: Bequemlichkeit und Nabelschau sind einfach keine so guten Lösungen. Wer daran denkt, nur ein Leben zu haben, oder zumindest den Augenblick hoch einschätzt, kann anders. Auch bei grausamer Müdigkeit (die mich übrigens zur Zeit auch fürchterlich lahm legt).

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