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Natürlich könnte ich noch mehr über Väter schreiben, über Familie, über meine fehlende und meine vorhandene Familie, über Familien allgemein. Aber das wäre Arbeit. Ich müsste aussortieren und konzipieren und nachdenken, mich erinnern und verwerfen. Mich neu erinnern und die Fantasie hinzubitten, damit etwas wie eine Geschichte entstehen könnte. Ich würde das gar nicht ungern tun. Aber in diesem Fall fällt mir sogar die Entscheidung gegen das eine schreiben für das andere vielleicht nicht leicht, aber sie fällt.

Manchmal juckt das Nesselfieber, manchmal brennt es nur. Draußen reden Menschen, ein Auto fährt los. Ich lese alles durcheinander. Marlene Streeruwitz Poetikvorlesungen, die mich nach und nach verlieren, seit sie von diesem Weg der geöffneten Bauchdecke abgekommen ist und sich immer mehr auf die eigenen Theaterstücke konzentriert. Und ganz sicher, weil ich ungeduldig bin. Schließlich will ich etwas brauchbares liefern und sagen beim Workshop am 18. Juni. Also angefangen Hartmut Kasper zu lesen: Schule der Autoren. Ein Handbuch der Dicht- und Schreibkunst. Und in Rot. Hunger reingelesen und ab und an mit Constanze und der Erzählerin durch Heike Geißlers „Die Woche“ gestreift. Immer das Gefühl, ich tue zu wenig und selbst dieses zu wenig ist meinem Körper häufig zu viel.