(3)

Sie ist ein kleines, ebenso dünnes wie dummes Geschöpf. Überzeugt davon, dass man die Menschen in bessere und schlechtere einteilen kann. Eine, die zu schnell aufgibt. Eine, die Angst hat, vor den eigenen Worten. Die ständig ich sagt, weil keiner du sagt, zu ihr.

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(2)

Wie man sich immer wieder verläuft, zwischen geboren werden und sterben, weil man nichts besseres zu tun hat, als anderen hinterher zu laufen, ohne zu merken, man läuft immerzu nur weg von sich selbst. Das hat immer neue Sätze und Bilder und Farben und Töne. Aber es tut immer gleich weh.

(1)

Ich verbrannte meine Ahnungen auf dem Scheiterhaufen der Vernunft. Die Träume ragen reglos in den Tag. Dieser Tag, an dem ich mich weder auflöse, noch verschwinde.

Noch über mich hinauswachse.

Einsamkeit

Morgens, wenn ich noch völlig müde bin, und trotzdem nicht mehr einschlafen kann, herrscht vollkommenes Chaos der Gedanken im Kopf. Mein Versagen als Mutter, das immer wieder erneute Verlieren der Kinder, und der ganze Rest.

Was wir alle brauchen ist Vertrauen. Etwas, das uns niemand geben kann, wenn wir es uns nicht selbst schenken können. So schwierig (so einfach) bleibt es bis zuletzt. Das ist das Wesen der Einsamkeit.

Tod

Der Tod drängt sich gerade wieder in den Vordergrund. Die Nachricht vom plötzlichen Tod Oleg Jurjews, die Betrachtungen von Andreas Wolf, diese wohltuende Wut, die ich fast nie empfinde.

Ich selbst hatte mir im Juni notiert: Was, wenn der Tod aber wirklich die Vollendung des Lebens ist? Die Krönung, das Beste und Schönste, das einem Lebewesen widerfahren kann? Würde das nicht alles radikal ändern? Wir hätten keine Angst mehr vor dem eigenen Tod, und auch der Tod der anderen verlöre seinen Schrecken, er wäre nur noch deshalb schmerzhaft, weil uns dieser eine, unersetzliche Mensch fehlt. Aber was für ein Trost, wenn wir glauben könnten, er habe das größte Geschenk empfangen und eine bessere Stufe erreicht.

Würde die Gesellschaft unter diesen Bedingungen überhaupt noch funktionieren? Steht darum nichts über den Tod des ersten Menschen in der Bibel? Nur diese Sache mit der Auferstehung? Und über Lazarus, der von den Toten wieder auferweckt wird?

Freiheit und Schreiben

Sicher kein Zufall, dass ich nach den letzten Überlegungen und den wertvollen Kommentaren, gerade ausgerechnet auf dieses Zitat gestoßen bin:

„Man könnte sagen, Schreiben heißt, sich gegen die Oberfläche eines Spiegels zu werfen, den Körper am Glas zerschmettern und im Silber des Spiegels verschwinden zu lassen, ohne sichtbare Verletzungen davonzutragen. Ich würde sagen, diese Freiheit gleicht keiner anderen Freiheit.“

Sara Stridsberg

Grenzen

Seit wann habe ich eigentlich Angst vor Herausforderungen? Waren das diese Fälle bei fixpoetry und Signaturen, wo ich gescheitert bin? Habe ich mich davon nie richtig erholt? Einerseits ist es gut, dass ich kein Muster, kein erlerntes Schema habe, mit dem ich an die Kritiken herangehe, das ermöglicht mir eine gewisse Offenheit, und damit die Chance, im besten Fall andere, zusätzlich erhellende, Perspektiven anzulegen. Andererseits fehlt mir immer wieder der Halt, den das Handwerk mir verleihen könnte. Eine gewisse professionelle Sicherheit, die mich davon bewahren könnte, naive Fehler zu machen. Bedeutsames schlicht nicht zu erkennen.

Die Lösung kann wohl immer wieder nur sein, die eigenen Grenzen zu kennen und trotzdem an sich zu glauben, sich jedenfalls ernst zu nehmen in dieser Beschränktheit. Und dann den Mut zu haben, es zu zeigen. Wohlwissend, das wird nicht allen gefallen. Aber vielleicht gibt es einige wenige, denen es etwas bedeutet, die es vielleicht sogar ermutigt.