I

Sie tischten mir mehrere Mahlzeiten Unverdauliches auf. Und ich aß. Kaute. Würgte. Schluckte. Schlug die heiligen Hefte der Einfalt auf, um zu Ende zu führen, was vorzeitig abgebrochen worden war.

Ein Tropfen, der Sprachfaden, an dem alles hängt. Aufs Spiel setzen. Aufs Spiel aber setzen wir. Die Verschiebungen.

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Zur Notwendigkeit eines reinen Frauenpreises

Literaturzeitschriften, Literaturpreise, Kritikerstimmen, überall dominieren Männer. Selbst in der neu gegründeten Lyrikkritik Akademie gibt es mehr männliche Dozenten als weibliche, die Grundlagentexte, die bislang behandelt wurden: Männer, die über Männer reden. Ganz klar: wir haben es mit einem strukturellen Problem zu tun.

Genau deshalb brauchen wir so etwas wie den von Fixpoetry ausgeschriebenen Gertrud Kolmar Preis. Um neue Strukturen zu schaffen. Einen großen Dank an Julietta Fix für ihren unermüdlichen Einsatz neue Räume und Strukturen zu schaffen, um das Reden über Literatur noch reichhaltiger und weiter zu machen.

 

Denken. Vor. Stellen

Rot gemusterte Stiefel und ein Kind, das seine eigene Kindheit versäumt hat. Meine Freundlichkeit, Fremdartigkeit, Gefühlsduseligkeit vor die Tür gebeten. Und vor dem Fenster steht der Schmerz und spielt (hässlich und schief) in der verkümmernden Hoffnung, endlich wahrgenommen zu werden.

Wir aber. Liegen am Rand der Verzweiflung. Und denken. Das genügt.

Snapshot

Ein Mann trifft einen anderen in der Straßenbahn. Der jüngere, in Jeans und Sweatshirt, fragt den anderen, im grauen Anzug: Was ist mit dir passiert? Bist du Geschäftsmann geworden? Nein, sagt der Anzugträger. Ich bin Jehovas Zeuge. Komme gerade von der Taufe. Kurzer Moment der Irritation. Ich bin Moslem, Mensch, sagt der andere. Dann wechseln sie das Thema. Du sprichst Kurdisch?, fragt der Jüngere, erneut irritiert. Was bist du für ein Landsmann? Ich bin Deutscher, sagt der grau beanzugte Zeuge Jehovas, das ist meine Heimat geworden.