Wir sammeln Beweise

Wir sammeln Beweise. Die feinen Linien in den Gesichtern. Und was es bedeutete, wenn sie sich trafen. Jeder durfte eine Vermutung aufstellen, und derjenige, dessen These am stichhaltigsten war, oder der sie am überzeugensten vortragen konnte, gewann. Ich konnte das nie unterscheiden. Ich konnte nie entscheiden, was schließlich den Ausschlag gab. Die Form oder der Inhalt.

Möglicherweise ging es nur darum nicht nach der Wahrheit zu suchen, sondern möglichst schnell irgendwelche Schlüsse zu ziehen.

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Was wir aufgeben, wenn wir aufhören, mit Steinen zu sprechen, ist die Leichtigkeit, die Möglichkeit alles zu sein und zu tun, weil wir uns nicht von unserem Verstand auf dem Boden festhalten lassen. Weil wir den Gedanken nicht erlauben, dass sie uns die Flügel stutzen. Was wir immer noch haben, auch wenn wir nicht mehr mit Steinen sprechen können, ist unsere Liebe, die jeden Stein zu einem Lebewesen machen kann.

 

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Ich mag diesen Wind, M´s Unabhängigkeit, seine Sanftheit. Ich mag die Stimmen, die von der Straße zu mir hochwehen und die Vorstellung, dass das alles noch da sein wird, wenn ich längst tot bin.

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Ich kann nicht aufhören, mir Geschichten zu erzählen. Von früher. Nie von es wird einmal. Alle meine Geschichten beginnen mit „es war einmal und wird nie wieder“.

 

 

 

11. Mai

Barfuß in der Küche stehen, Frikadellen kneten. Das Vater-Mutter-Kind-Spiel von früher. Nur das es jetzt echt ist. Die Kinder echte Kinder, das Essen echtes Essen. Und das Spiel?

Zeit und Staub

Das Kind steht da. Nimmt die Hand der Mutter. Lässt die Hand der Mutter los. Spielt mit der Zeit. Wartet, dass die Zeit vergeht. Verschmilzt mit der Zeit. Wächst aus der Zeit heraus. Verliert sich. bindet sich und löst sich. Beginnt zu fliegen und versinkt im Boden. Vergisst sich. Wird zu „wahnsinnigem, glücklichen Staub“.