Automatisch

Es beschwert sich der Schnee über sein Gewicht und der Wirt schert aus. Zurück bleibt ein Wirtshaus, in der Tundra oder Taiga, oder vielleicht auch in Transsylvanien. Verlassen, öde und leer und an der Tür ein Zettel, auf dem steht: FLUCHT. Und weit und breit niemand, der auch nur annähernd weiß, was das bedeutet.

Verlorenheit (automatisch)

Eine seltsame Verlorenheit in der Luft. Unbeschwertheit. Ein schönes Wort und ein Schlüsselerlebnis. Ich spreche in Rätseln. Ich schweige mich aus. Der, die das. Artikel zur Bestimmung des Geschlechts, bevor die Stimme (weiblich) erwacht, oder der Verstand (männlich) sich ausbildet. Ich ließ mich auf meinem Lebensweg zurück. Schon immer habe ich das, was ich tue, als defizitär empfunden. Ich bin die lange Weile, die sich nicht aushält, aber auch keine Langeweile kennt.,

Zwei Falten gegen die Einfalt. Und festhalten an den Brüchen, ohne sie zwanghaft in eine Ganzes fügen zu müssen. Alltag und Mythos verwebend.

Verfangen

Irgendetwas bleibt immer hängen. Verfängt sich. Fängt an.

 

Keine Frage, wie du es los wirst. Du wirst es nicht los, bis es dich loswerden will. Diese Art Los. Überhaupt: jede Beschreibung ist falsch, schreibt Vvedenskij und ich schreibe nach. Schreibe fort. Beschreibe.

 

Aber keine Situationen, Dinge, Menschen oder Geräusche, sondern immer nur unschuldige Seiten mit Kram, mit überflüssigen Buchstaben. Mit dieser Art von Mangel, von der die Welt längst genug hat. (Und ich erst!)

 

Abwesend, aufhebend, sprachlos. Und immerzu bemüht, diese Sprachlosigkeit in Worte zu kleiden. Zunehmend belanglos.

 

Die Hoffnung, die sich immer wieder an irgendeiner Kleinigkeit verfängt.

 

 

Leuchten

Die Stimmen stemmen sich gegen die Struktur der Lügen. Die Wahrheit ist ein amorphes Gewebe, abhängig von den Zurufen der Singvögel. Spartanisch ausgestattet. Einsparungen aus Glück und ein Kamel mit blinkenden Augen. Rezensionen der Wirklichkeit. Und kein Wort zuviel. Wildwechsel und Wortwechsel. Beide ungedeckt. Die kleine Frau ist ausgewandert, oder ausgezogen. An mich hat sie dabei nicht gedacht. Das Licht wirft Schatten und trifft, wenn die kleine Frau lacht. Erst muss man sich unabhängig machen von der Größe, dann kann man sich messen mit der Wirklichkeit. (Die Zubereitung eines waidwunden Gerichts). Zweifel an einem Gesicht. Wenn ich Zwiebeln schäle, träumen meine Augen vom Wasser. Von Meerjungfrauen, Nixen und Neptun. Wenn ich den Mülleimer leere, beginnt der Untergang.

Eine bescheidene Warnung des Lebens an meine Vernunft, das Leuchten nicht zu übertreiben.

Erst muss man schwarz sehen, dann kann man die Grautöne zum Leuchten bringen.

Vom Zufall der Gedanken

Ein Gedanke taucht auf. Vielmehr kein Gedanke taucht auf. Tauchsieder. Tauchgang. Meine automatischen Texte. Meine automatischen Verluste. Wer verliert, erleidet eine Niederlage. Keine angenehme Lage.

Mein Kopf ist eine verwitterte Mülltonne. Ich versuche der Sinnlosigkeit Herr zu werden. Ich halte mich an Redewendungen und versuche den leichten Schwindel auszukosten, den sie erzeugen. Der Sommer ist doch noch entstanden. Eine lange Entstehungsgeschichte. Draußen auf der Straße hustet jemand. Unentwegt. Die Schallwellen schweben in mein Zimmer, branden an mein Ohr. Landen schließlich auf diesem Papier.

Erst wenn man alles verloren gibt, ist etwas zu gewinnen. Ich verstehe nichts von meinen Behauptungen. Dazu sind Behauptungen da. Die losen Bretter der Vernunft zusammennageln und durch die Lücken falle ich vom Fahrrad.

All die Schlösser der Sprache

Der Blinde schaut aus dem Fenster und spürt die Musik. Die Gebildeten modellieren die Leere zur formvollendeten Gestalt.

Der Schnee fällt aus allen Wolken. Die Wolken steigen dem lieben Gott zu Kopf. Er hat Knopfäuglein und einen langen Bart. Nicht für Kinder unter drei Jahren geeignet. Kleinteile können verschluckt werden.

Die Zeit hat Schluckauf. Das Gestern bekommt uns nicht, das Morgen haben wir über. Im Heute kennen wir uns nicht aus. Wie Schneewittchens böse Stiefmutter fragen wir unablässig den Spiegel, wer der Klügste im Land ist, der Schönste, oder der mit der besten Stimme. (wer am besten lügt, behalten wir für uns, unter Vorbehalt. Umtausch ausgeschlossen).

Als Kind fühlte ich mich oft ausgeschlossen (ich war nicht besonders aufgeschlossen). All die Schlösser der Sprache und niemand, der sie öffnet, nein schließt.

Penelope wartet noch immer (ohne das jemand merkt, dass es längst das Warten ist, das ihr ans Herz gewachsen ist. Ein unmerkliches Muster, das sich beim nächtlichen Auflösen der Stoffe, tief in ihre Finger gegraben hat).

Den Unglücklichen und Ahnungslosen gehört das Reich der verlorenen Fäden.

Die Nachrichten, die alles im Nachhinein richten. Und alles Wichtige steht ohnehin in dem, was man ausläßt.

Begraben wir die flüchtigen Erfinder mit unserer Dankbarkeit.

 

 

Eine alte Geschichte

Ich frage mich. Was stelle ich in Frage, wenn ich Fragen stelle?

Immer soll alles sehr schnell gehen. Das nennt man Ungeduld. Oder Flüchtigkeit.

Ich flüchte. Ich flüchte vor meinem Leben. Verstecke mich im Schmerz. Heute ist er heiß und brennend. Früher schrieb ich Gedichte. Ich wusste nicht, was das heißt. Es geschah und ich ließ es zu. Jetzt ist der Himmel grau, der Krieg wieder nicht nur überall, sondern auch in den Medien.

Der Tag wird kommen und wieder gehen. Ich schreibe, aber ich meine es nicht so. Immer trauere ich der Vergangenheit hinterher. Die vielen ersten Male. Und wie weh es tut, sich daran zu erinnern.

Es ist immer das erste Mal, schreibt Pessoa und daran glauben zu können, müsste die wirkliche Heilung sein. Heilung von den Gebrechen der Zeit.

Dann reißt der Faden.

Auswahl

Ich fand mich ein. Das heißt ich ging verloren in einer Betrachtung. Die Offenheit einer Ruine. Mein mangelnder Verstand. Ich bin ein Betrachter. Das ist die Verwertung der Dinge. Man wählt mich aus. Etwas sieht mich an und ich blicke zurück. Das ist Vorausschau. Das ist ein falscher Satz. Hier greift die Zensur. Greifen Sie zu, oder warten Sie auf den Sommerschlussverkauf. Auch wenn die Sonne sich weigert zu strahlen, werden wir uns die Sicht mit bunten Luftballons verhängen. Verhageln. Bitte wählen Sie aus. Wir haben keine Wahl. Wer sich nicht entscheidet, bleibt auf der Strecke, das heißt stehen. Stillstand ist der Fortschritt der Vorsichtigen. Die Übersicht verhindert den Schritt und wer zurück sieht, der stolpert. Wir legen uns Steine in den Weg und nennen sie Brücken. Auf die Benennung kommt es an. Das Folgende ist ein Schritt. Die Richtung gibt an. Einer legt vor. Wir folgen. Ohne zu wissen. Wissen heißt Auswahl. Ent-Scheidung. Das ist endgültig und zu wenig schnell. Wir haben keine Zeit, zu wählen. Das ist das Wesen der Oberflächlichkeit. Sie ernährt sich von der Zeit, die niemand hat. So errichtet man Denkgebäude, hinter denen sich die Leere verbirgt.

Ich war im fraglosen Zustand

Ich schreibe während ich anfange. Während ich aufhöre, während ich wäre. Gerne. Oder nur ein Stern. Niemand aber. Ich will nicht, dass dieser Satz weitergeht, wie schon so viele vor ihm weiter gegangen sind. Man muss die Dinge trennen, um sie wieder zusammenführen zu können. Was ist eine Trennung? Was will ich und wer bin ich. Ohne Erfolg, ohne die Macht meiner Gedanken. Nur Hingabe, die später gestrichen werden kann. Nichts anderes ist polieren. Was macht eine Überlegung kühn? Also überlegen.

Etwas bäumt sich auf. Die Bäume grünen im Wald. Voller Affen. Volle Taschen. Also nichts. Für den Papierkorb schreiben und trotzdem erwarten, es möge brilliant sein. Ein brillianter Papierkorb. Ich war sechs als ich begann mir ein Leben vorzustellen, in dem ich eine Rolle spielte (der dünne Boden der doppelten Bedeutung. Beleuchtung.) Ich wusste nicht, woher meine Einfälle kamen. Ich war im fraglosen Zustand.