automatische Geister

Der Tag erhebt sich über die Schreibenden. Die Schreibenden aber verstummen. Versinken in Gerüchten. Im Richten. Das Angereicherte verdirbt. Die Sonne verzieht sich in den Finsterwald. Es kommt die Stunde der Geister. Die Geister geistern herum. Versuchen Kontakt aufzunehmen. Aber die Menschen sind von allen guten Geistern verlassen und die Menschlein zu klein. Was bleibt den Geistern übrig? Böse zu werden, oder zu verschwinden. Das ist nicht viel. Das ist nicht nichts. Und die Geister werden schon etwas daraus machen. Schließlich sind sie wie die Gedanken so frei und geistern einfach herum. Als ihre eigenen Herren und Damen. Ketten mit denen sie rasseln gehören ganz entschieden und unzweifelhaft in die Menschenwelt. In die Welt der geistlosen Menschen. Die – fällt der Begriff Geist – an Alkohol denken. Und fällt der Begriff „Begriff“ daran, dass sie alles im Griff haben. Klammergriff. Würgegriff.

(32)

Immer das Gleiche, denke ich und der Hund bellt innere Monologe. Es ist viel schlimmer wenn die Stimmen im Kopf schweigen, wenn eine alles von ihnen erwartet und nichts von sich selbst.

Schlimmer als was?

Antworte nicht.

Und die Märchen. Mit denen wir nicht fertig werden. Die wir immer weiter spinnen.

Märchen als autopoeitische Spinnenbeine.

Du sollst dir kein Bildnis machen und nicht zögern.

Ich stelle mir Aufgaben um nicht aufzugeben.

(8)

Es gibt nichts zu sagen. Die Hand zittert. Der Regen fällt. Beide zusammen gehalten von der Zeit, die wie ein weißes Laken über allem liegt, was viel später mit bedrohlicher (erschreckender) Klarheit zu Tage treten wird. Ein Schritt ins Leere. Und dass das Freiheit bedeuten kann, oder Angst. Nein, dass diese Freiheit (weil nichts vorgeschrieben ist) Angst machen kann, aber auch (und eigentlich!) eine Einladung ist, die Freiheit zu nutzen (und auf den Rest zu pfeifen). Zu straucheln und zu scheitern, und weiter zu machen. Wie der Regen. Tropfen für Tropfen der Versuch, sich auszuzeichnen und die Erleichterung, dass alle (Tropfen und Menschen?) vereint sind im Scheitern beim Versuch, sich abzuheben von der Masse, etwas wie Einzigartigkeit zu behaupten. Und kann dieses Scheitern nicht auch sehr erleichternd sein?

Der Kern

Als wäre es eine Lösung, sich mit du anzusprechen, wenn man das ich vermeiden will. Jeder Mensch ist eine Zwiebel. Mehrere Schichten Haut und darunter noch mehr Haut, immer verletzlicher, aber standhaft im Versuch irgendeine Art von Schutz zu bieten. Und darunter, in unendlicher, unerkannter Einsamkeit, der Kern.

Ich weiß nicht, was ein Kern ist. Ich verliere mit jedem Tag die Eindeutigkeiten. Verliere mich? Wer bin ich? Wer bist du denn? Die Frage der selbsternannten, sogenannten Autoritätspersonen. Vielleicht wissen sie selbst nicht, was das bedeuten soll.

(1)

Ich bestand die Prüfung, die gar keine war. Und so ging es weiter. Und voran und vorwärts. Das war die Zeitschrift der Sozialdemokratie, und mein Großvater ließ sie mich manchmal lesen. Sein Arbeitszimmer, obwohl er gar nicht arbeitete, war voller Regale, in denen Stern Zeitschriften lagerten, die ich durchblätterte, lange bevor ich lesen konnte. Im Wohnzimmer gab es ein großes Regal voller Bücher. Mein Großvater lieh mir ab und zu eines der Bücher, er schenkte mir Bücher über den Eichmann Prozess oder über das Godesberger Programm, etwas anderes als die Liebesromane und Tierbücher, mit denen ich sonst versorgt wurde. Und dann hängte er sich auf. Das hatte nichts damit zu tun. Nie hat etwas mit etwas anderem zu tun, und trotzdem hängt alles zusammen. Das kann einem den Verstand rauben, oder zu intellektuellen Höchstleistungen antreiben, eine Quelle der Hoffnung sein, oder der Verzweiflung. Ich habe einen Vertrag unterschrieben, der mich bis an mein Lebensende knebel und unterjocht.

Es gibt Geräusche und den Schatten von Geräuschen. Es gibt Frohsinn, Heiterkeit und tiefen Kummer. Es gibt Aprikosenbäume.

Automatisch

Es beschwert sich der Schnee über sein Gewicht und der Wirt schert aus. Zurück bleibt ein Wirtshaus, in der Tundra oder Taiga, oder vielleicht auch in Transsylvanien. Verlassen, öde und leer und an der Tür ein Zettel, auf dem steht: FLUCHT. Und weit und breit niemand, der auch nur annähernd weiß, was das bedeutet.

Verlorenheit (automatisch)

Eine seltsame Verlorenheit in der Luft. Unbeschwertheit. Ein schönes Wort und ein Schlüsselerlebnis. Ich spreche in Rätseln. Ich schweige mich aus. Der, die das. Artikel zur Bestimmung des Geschlechts, bevor die Stimme (weiblich) erwacht, oder der Verstand (männlich) sich ausbildet. Ich ließ mich auf meinem Lebensweg zurück. Schon immer habe ich das, was ich tue, als defizitär empfunden. Ich bin die lange Weile, die sich nicht aushält, aber auch keine Langeweile kennt.,

Zwei Falten gegen die Einfalt. Und festhalten an den Brüchen, ohne sie zwanghaft in eine Ganzes fügen zu müssen. Alltag und Mythos verwebend.

Verfangen

Irgendetwas bleibt immer hängen. Verfängt sich. Fängt an.

 

Keine Frage, wie du es los wirst. Du wirst es nicht los, bis es dich loswerden will. Diese Art Los. Überhaupt: jede Beschreibung ist falsch, schreibt Vvedenskij und ich schreibe nach. Schreibe fort. Beschreibe.

 

Aber keine Situationen, Dinge, Menschen oder Geräusche, sondern immer nur unschuldige Seiten mit Kram, mit überflüssigen Buchstaben. Mit dieser Art von Mangel, von der die Welt längst genug hat. (Und ich erst!)

 

Abwesend, aufhebend, sprachlos. Und immerzu bemüht, diese Sprachlosigkeit in Worte zu kleiden. Zunehmend belanglos.

 

Die Hoffnung, die sich immer wieder an irgendeiner Kleinigkeit verfängt.

 

 

Leuchten

Die Stimmen stemmen sich gegen die Struktur der Lügen. Die Wahrheit ist ein amorphes Gewebe, abhängig von den Zurufen der Singvögel. Spartanisch ausgestattet. Einsparungen aus Glück und ein Kamel mit blinkenden Augen. Rezensionen der Wirklichkeit. Und kein Wort zuviel. Wildwechsel und Wortwechsel. Beide ungedeckt. Die kleine Frau ist ausgewandert, oder ausgezogen. An mich hat sie dabei nicht gedacht. Das Licht wirft Schatten und trifft, wenn die kleine Frau lacht. Erst muss man sich unabhängig machen von der Größe, dann kann man sich messen mit der Wirklichkeit. (Die Zubereitung eines waidwunden Gerichts). Zweifel an einem Gesicht. Wenn ich Zwiebeln schäle, träumen meine Augen vom Wasser. Von Meerjungfrauen, Nixen und Neptun. Wenn ich den Mülleimer leere, beginnt der Untergang.

Eine bescheidene Warnung des Lebens an meine Vernunft, das Leuchten nicht zu übertreiben.

Erst muss man schwarz sehen, dann kann man die Grautöne zum Leuchten bringen.