(21)

Ich wasche mir die Haare gegen den Strich. Andächtig bleibe ich vor meinen sinnlosen Sätzen stehen, statt mich auf meine Zukunft (Zunft) zuzubewegen. Ich mache neue Erfahrungen, die ich nicht als solche erkenne, weil ich fixiert bin auf einen Berg von Vergangenheit, den ich neuerdings mein Leben nenne. Ich liebe dich längst nicht mehr, sage ich. Und mein Spiegelbild weiß genau, wen ich meine.

(20)

Es ist so, dass ich mich zum Verschwinden bringe. Man könnte es mein Talent nennen. Alles, was ich tue, denke oder fühle, ist gekoppelt mit einem tief empfundenen Selbstzweifel, der schnell in Selbsthass umschlagen kann. Dann kommt mir mein „Talent“ zugute. Dann ist es gut, sich zum Verschwinden bringen zu können. Die Gewissheit zu haben, dass einen niemand bemerkt.

Langsam. Alles an mir ist langsam. Und gleichzeitig unberechenbar. Das ist keine Kombination, die ich mir freiwillig ausgesucht hätte. Aber nun ist sie da, bestimmt mein Leben und ich muss versuchen, so gut wie möglich mit ihr zurecht zu kommen.

Der kleine Mann aber, manchmal ist das Sohn 1, ein anderes Mal Sohn 2, nie aber eine Tochter, der kleine Mann also (der rein körperlich und in Zentimetern gemessen, sehr viel größer ist als ich), ist immer hungrig. Ich sehe ihm beim Essen zu und überlege, wonach ich hungrig bin. Mein Hunger bleibt ein Geheimnis. Das passt zu einer, die sich zum Verschwinden bringen kann. Das fällt sogar mir auf, das leuchtet mir ein. Und für einen Moment bin ich ganz im Reinen mit mir und der Welt. Dann verschwindet das Leuchten im Nebel. Und ich folge ihm.

(19)

Die Zeit schillert und schimmelt. Die Zeit schwimmt mit kräftigen Zügen dem Horizont entgegen. Das sichere Ufer im Rücken holt sie Erinnerungen ein. Verwandelt sie in Schwimmzüge, in Entfernungen.

(18)

Inspiriert von Stephanie Jaeckel , habe ich mir 17 Kärtchen gebastelt. Auf einigen stehen Dinge, die ich gerne tue, die ich genießen werde, auf den anderen Sachen, bei denen ich mich zunächst überwinden muss, aber dann… Wer weiß, genieße ich sie vielleicht auch. Montags ziehe ich eine der Karten, und entnehme ihr den Leitsatz für die Woche. Sonntags ziehe ich ein kleines Resümee über die Zusammenarbeit zwischen Karte und mir, bevor ich am Montag einen neuen Versuch starte.

(16)

Dann kommt ein Gedicht daher mit einem unschuldigen Gesicht und verwebt alle Ahnung in Gewissheit.

Es gab eine Zeit da war noch alles gefangen im Ursprung. Dann verstrich Zeit. Dann strich sie aus. Legte mich in Falten zu der gebügelten Wäsche.

(14)

Der Blick aus dem Fenster. Vor dem unermüdlich Regen fällt. Seit meiner Kindheit habe ich nirgendwo so lange gewohnt wie hier. Immer mit der Aussicht von heute auf morgen die Kündigung zu bekommen. Eigenbedarf z.B., oder Verkauf. Und natürlich ändert das etwas, bestimmt das Verhältnis zum Wohnraum, lässt uns Jahr für Jahr nicht das Gefühl des Vorläufigen verlieren.

(13)

Wenn der Morgen enteignet wird von einem Kartell der Trauer. Was folgt daraus? Wohin geht so ein Tag? Wem geht er nach? Und wann gelingt es ihm abzubiegen? Die Biege zu machen. Über sich selbst zu lachen. Ein Gleichgewicht zu finden zwischen Zweifel und Zuversicht. Reihenfolgen etablieren, an denen man sich festhalten kann. Und sie dann umwerfen. Lachend. Aus Lebenslust.