Hélène Cixous

„[…] die Spur dessen, was uns entgeht“, schreibt Cixous. Und vielleicht ist auch das eine Definition für den unfassbaren Kern, um den alle Kunst kreist. Kunst als Ort des Übergangs, der Transformation. Der (manchmal sehr subtilen) Überschreitung der Grenzen, die wir uns setzen, die uns gesetzt werden.

 

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(38)

Ein riesiges Rotkehlchen nimmt mich in den Blick, bevor mich die Winzigkeit meines Spiegelbildes verschluckt.

(37)

Die wenig geöffneten Augen, und wie das Licht hinein fällt. Fällt und fällt, ohne jemals anzukommen, bevor es dumpf aufschlägt auf einem Boden, der alles schluckt und nichts reflektiert

(36)

Die Wege, die verloren gehen. Egal, ob wir sie betreten oder nicht. Alle Wege, alle Schritte, tragen bereits diesen Verlust in sich. Und das die Zukunft immer das Alter ist. Verfall, Krankheit, Tod. Was die Wahrheit ist, und gleichzeitig ein grundverkehrter Gedanke.

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Im ersten Band von „Min Kamp“ schreibt Knausgard, dass es für das Herz einfach sei, erst schlage es, und dann höre es eben zu schlagen auf. Als sei es einfach ein Menschenleben lang unaufhörlich zu schlagen, ohne Pause. Als sei es einfach, der Knotenpunkt von allem zu sein, das, wovon alles abhängt. Überhaupt das Herz; das gebrochene Herz, die Herzchen, die wir malen. Überfrachtet mit Bedeutungen.

Während draußen der Wind am Haus reißt, und ganze Sätze des Geschriebenen löscht.

Wie sollen wir schreiben? Nur über das, was wir bis in den letzten Winkel erforscht haben? Oder über Dinge, von denen wir letztendlich nichts verstehen? Voller Wut, oder voller Liebe? Verbindend, oder indem wir Löcher ins Netz reißen? Absichtslos, oder um der Welt immer wieder zu erklären, was sie nicht verstehen will?

 

Nie ist es genug. Immer entweder zu viel oder zu wenig. Diese alles stürzende Sache mit der Sterblichkeit. Dabei könnte man es als Erlösung sehen. Als Spiel, das man ohnehin nicht gewinnen kann.

(31)

Was ist mit Grausamkeit? Es gibt sie zweifellos. Und sie ist eines dieser Phänomene, die mich fast reflexartig dazu bringen, zu denken: das sollte es nicht geben, so sollte es nicht sein. Mein Schutzmechanismus, um mich nicht damit auseinander setzen zu müssen. Im „wahren“ Leben.

Andererseits die Faszination für Bosch, Rembrandt, Goya, Frida Kahlo, Louise Bourgeois. Eine Faszination, die die sehr deutlich vorhandenen Grausamkeiten in ihren Werken nicht ausklammert, gar nicht ausklammern kann.