30. Dezember

Der Nebel, der Schnee. Und in den Träumen, die Sehnsucht.

Die Frau mit dem regenbogenbunten Kragen an der Kaputze, und daneben eine junge Schönheit. Wie Frida Kahlo ohne Schmerzen.

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26. Dezember

Regen peitscht ans Fenster. Ich lese Knausgard und danach Eribon. Ich will verstehen, so als wäre Verstehen etwas, das aus losen Fäden, aus abgebrochenen Linien, ein Bild entstehen lässt. Und lerne stattdessen immer wieder, dass Verstehen in der entgegengesetzten Richtung funktioniert. Nämlich in der Zerlegung vermeintlich fester Bilder, sicherer Gedankengebäude, in ihre Einzelteile, lose Fäden, unterbrochene Linien.

Die feinsinnigen Eigenheiten der Luft.

Es geht darum, die Reihenfolge einzuhalten. Die Probleme zuerst wahrnehmen, dann erkennen, dann aussprechen, dann nach einer Lösung suchen. Und über all dem die Leichtigkeit nicht verlieren, die Lust am Spiel, das Spielerische. Sich selbst nicht zu ernst nehmen (das kann man von Camus lernen, behauptet Iris Radisch), aber deswegen nicht verantwortungslos werden.

I

Die Wahl, der Topf mit Gemüse, die Aufrichtigkeit. Es mangelt und fehlt. Am einen und am anderen. Ich bevorzuge kurze Sätze. Im Postkasten liegen Rechnungen und die Aufforderung, meine Organe zu spenden. Der Tod ist näher als ich glaube, und ich nicht im geringsten aufgebracht. Ich lese weniger als früher. Im Allgemeinen bin ich weniger gründlich.

Es gibt ein Schulamt und ein Aufsichtsamt. Und mich. Das Wasser läuft durch den Filter mit dem gemahlenen Kaffee. Rohmilch ist jetzt im Trend. Die Zeit vergeht. Alles ändert sich. Es gab Träume, aber ich erinnere mich nicht.

24. September

Ich lese zu wenig. Und je weniger ich lese, umso weniger verstehe ich.

Ich glaube nicht, dass man sich richtig verhalten kann, zu dem Unrecht, das ständig irgendwo auf der Welt geschieht. Aber das ist kein Grund, es nicht weiter zu versuchen.

Kampf

Die klugen Sätze, die ich von mir gebe, und die dummen Dinge, die ich tue. Während hinter mir, vor dem Fenster, die Sonne den Kampf mit den Wolken gewinnt, und Stimmen erklingen. Stimmen, die das Wort „Kampf“ niemals neutral, nebenbei und unbewusst von sich geben können, weil es jedes Mal schlimmste Erinnerungen auslösen wird. Alles ist gut, heißt nicht, dass diese Erinnerungen ausgelöscht werden, nur, dass es bestenfalls möglich sein wird, in Frieden mit ihnen leben zu können.