(22)

Und dann irrst du herum auf diesen Einbahnstraßen, die behaupten, es gäbe nur eine Richtung und kein Zurück. Die mit einer Entschiedenheit, nach der du dich immer gesehnt hast, behaupten, es gibt kein Zurück. Während du im Spiegel immerzu nur diesen Augenblick totfotografierst. Die Hoffnung auf früher, die viel langsamer als alles andere stirbt.

(21)

Die Unsicherheit bei uns allen, wenn jemand in der Bahn sitzt, der offensichtlich den Verstand verloren hat. Meine Hemmungen, darüber zu schreiben. Wie er an jeder Haltestelle aufsteht und zur Tür geht. Sobald die Bahn anfährt, setzt er sich wieder und singt bis zur nächsten Haltestelle. Wie er wohl vorher gewesen ist. Und was passiert ist, dass er verrückt geworden ist. Vielleicht hat er sich nicht erlaubt, Fehler zu machen und hat sich für jeden einzelnen Fehler, der ihm trotzdem unterlaufen ist, dermaßen verurteilt, dass es irgendwann nicht mehr auszuhalten war.

Und wir anderen, damit wir weiter funktionieren können, packen unser Leben handlich ein, in Träume und Angst. Eine stille, schüchterne Flucht. Vor dem Leben. Aber mehr noch vor sich selbst.

(20)

Die Lumpen meiner Erinnerung. Gehört einem die Erinnerung, oder eignet man sie sich an? Und was hat das Gehör mit Besitz zu tun?

Kann man irgendwann wieder so gedankenlos im Einklang mit sich selbst sein, wie damals als Kind? Oder ist auch (wieso auch?) das nur eine romantische Vorstellung?

(18)

Eine Widersprüchlichkeit, die nichts zulässt neben sich, die alle Klarheit und Gradlinigkeit vernichtet.

Diese Worte, die wir zu kennen glauben, aussprechen und niederschreiben, ohne sie auch nur annähernd zu begreifen.

 

(17)

Ich fresse. Süßes, Salziges. Hauptsache nicht gesund. Weil ich Angst habe? Um die Unruhe zu betäuben? Weil ich immer noch nicht akzeptieren kann, dass es diese einfache Trennung in richtig und falsch nicht gibt? Oder dass es kein Ankommen gibt, nur die unaufhörliche Bewegung. Die Suche nach Haltung und ein ständig gefährdetes Gleichgewicht.

Dieser seltsame Zwang, immerzu Vorräte anzulegen. Der Schimmel, den die Zeit ansetzt, wenn sie nicht bewegt wird. Die Hälfte der Zeit. Und die andere Hälfte der Zeit. Was wir von uns wissen können. Und was von der Welt. Und dass zum Wissen immer Zweifel gehören, zum Glauben aber Gewissheit. Und wie sich die Haltung zwischen diesen beiden Polen austariert. Ein Gleichgewicht sucht. Und manchmal auch findet.

(15)

Die Verletzungen, die ich mir selbst beibringe, (in der Schule der Verletzungen die Schulbank drücken). Die Gedanken, die abgeschnitten werden, und die anderen, die sich entfalten dürfen, und wer das entscheidet.

Der Tag welkt, und ich blühe auf.

Ein schwarzer Kanarienvogel und all die Dinge, die es sonst noch nicht gibt.

(14)

Die alleinerziehende Nacht.

Wir vertrauen uns unseren Ängsten an. Verbiegen (verbieten?) uns unter der Angst, die wir uns auferlegt haben. Unsere Angst machte dem Leben Angst. Es traute sich nicht an uns heran. Ich starb ihm unter den Händen weg, überwacht vom Schmerz, meinem ständigen Begleiter.