(39)

Die Nektarine. Rot mit einer Wunde. Zu schnell gereift. Der Wind, der an den nicht vorhandenen Fensterläden rüttelt. Die heftigsten Wunden habe ich mir selbst zugefügt. Zeit, die verstreicht. Dass dieses Verb manchmal zu harmlos klingt. Zu behutsam. Fast zärtlich. Dabei ist es ein so gewaltsames Übergehen und Zurücklassen, gegen das ich mich nicht wehren kann. Das Zittern, das jeden Tag erneut gegen die Hoffnung antritt, eines Tages wieder halbwegs flüssig schreiben zu können. Das Zittern, das Tag für Tag den Sieg davon trägt. Die Hoffnung, die sich von der Niederlage immer wieder erholt. Unbeeindruckt hofft. Die Fliege, die sämtliche Liegenschaften des Tisches erkundet.

Wie mich das einschüchtert: Keine Worte zu haben. Nur zitternde Zeichen, die sich winden wie Aale.

(35)

Gesungen. Verstummen.

Und dann am immer dünner (fadenscheiniger) werdenden roten Faden der Unsicherheit folgen, an jeder Kreuzung ein Fragezeichen. Das Fragezeichen als Tür.

(34)

Beeindruckend wie Frank Witzel seinen Zweifeln nachgeht, Gedankengänge ausformuliert, die ich selbst nur im Ansatz kenne, weil ich sie vorschnell abbreche, aus Angst an ihnen verrückt zu werden.

Und wie er für Dinge, die ich nur ahne und fühle eine glasklare Formulierung findet, das Unbehagen, etwas aufzuschreiben z.B., über das er schreibt:

„Kaum aufgeschrieben, überfällt mich eine Scham gegenüber dem Notierten. Ich kann und will nichts notieren, will überhaupt nicht über mich und mein Leben nachdenken, geschweige denn etwas hinterlassen, das daran erinnert. Die Arbeit des Schreibens besteht bei mir vor allem darin, diese ganzen Widerstände zu überwinden. Ich habe nicht schreiben gelernt, sondern mir mühselig beigebracht, das Geschriebene stehen zu lassen.“

(30)

Manchmal ist es zu viel. Zu viel Leere, die mit intellektuellen Phrasen gefüllt wird. Mit Farben und Bildern und Klängen. Was dann entsteht sind Räume, in denen ein zu viel gegen ein anderes antritt.

(29)

Eine sehr disziplinierte Kindergartengruppe. Die Kinder sitzen um einen Tisch herum und malen eifrig. Sie verkörpern mit Leib und Seele den Satz, der ihnen vorgegeben wurde: ich bin da. Dieser Satz findet jetzt in ihren Bildern Gestalt. Bildern, die sie abends ihren Eltern überreichen werden, die erschrecken, bevor die Zeichnung unter einem Stapel anderer Papiere ganz unten in einer Schublade landet und schnell und gründlich vergessen wird.

(28)

Das Licht leuchtet in der Finsternis. Doch die Finsternis hats nicht begriffen. Das ist vielleicht der wahrste und allumfassendste Satz über die Depression.

II

Vielleicht könnte es heilsam sein, Tag für Tag etwas mehr zu hinterfragen. Sich zurück zu lassen mit den Antworten. Und dann auszutreiben wie ein Fragezeichen im Frühling.