Eine Stärke der Weichheit zu entwickeln

Überwachen und Strafen, statt hinsehen und unterstützen. Bei Hartz IV, bei Depressionen. Warum gelingt es uns nicht, den Wohlstand zu teilen, den Neid zu überwinden? Das Bekenntnis zu unserer Bedürftigkeit, der Angst, abgelehnt zu werden, entgegen zu setzen. Eine Stärke der Weichheit zu entwickeln? Aufzuhören zu fragen warum, hinzunehmen, sich einzulassen? Den Selbstdarstellern keine Bühne zu geben. Aufhören durchzuhalten, auszuhalten. Lieber auszubrechen. Aus uns selbst? Unserer Angst? Keine Lösungen anzubieten, aber Begleitung. Aufhören ein anderer sein zu wollen. Anfangen sich selbst zu entwickeln.

 

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Die Lumpen meiner Erinnerung. Gehört einem die Erinnerung, oder eignet man sie sich an? Und was hat das Gehör mit Besitz zu tun?

Kann man irgendwann wieder so gedankenlos im Einklang mit sich selbst sein, wie damals als Kind? Oder ist auch (wieso auch?) das nur eine romantische Vorstellung?

Verwandlung

Die Sätze, die dort stehen. Seit Jahren unverändert. Aber plötzlich erhalten sie einen Sinn. Einen Sinn, den sie immer schon hatten, aber ich erkenne ihn erst jetzt. Nicht weil die Worte sich verändert haben, sondern weil Worte nie feststehen. Weil sie sich immer verwandeln, durch den, der sie liest.

Fehler

Was ist ein Fehler?

Ist es ein Mangel, zu wenig von etwas, wie der Wortstamm „fehlen“ nahelegt?

Oder ein „mistake“, ein Fehlgriff, eine falsche Entscheidung, eine Handlung, die nicht, oder anders hätte erfolgen sollen? Und was sagt es über die jeweiligen Völker aus, das die einen offenbar das eine in den Vordergrund stellen, während die anderen, das Gewicht auf einen anderen Aspekt legen?

26. 08. 2018

Manchmal muss irgendetwas mich daran erinnern, wie unglaublich wertvoll mir Literatur ist. Sätze, die nicht einfach etwas behaupten, die nicht vorgeben, Wahrheiten und Fakten auszubreiten, sondern sich in den Dienst des Zweifels und der Ambivalenz stellen. Die damit Leerstellen öffnen, Abgründe. Aber auch die Möglichkeit, zu träumen, selbst zu denken. Weil nichts feststeht, außer der Bewegung. Durch Denken und Lesen.

Solche Sätze, wie sie in Tristan Marquardts „parzival lexikon“ nachzulesen sind:

„nur gleiche möglichkeiten führen zu anderen ergebnissen.“

oder:

„was ich erfinde, sagt der erzähler, ist, wie ich das,was ich vorfinde, erzähle, eine geschichte, wie passiert, was passiert.“