Fehler

Was ist ein Fehler?

Ist es ein Mangel, zu wenig von etwas, wie der Wortstamm „fehlen“ nahelegt?

Oder ein „mistake“, ein Fehlgriff, eine falsche Entscheidung, eine Handlung, die nicht, oder anders hätte erfolgen sollen? Und was sagt es über die jeweiligen Völker aus, das die einen offenbar das eine in den Vordergrund stellen, während die anderen, das Gewicht auf einen anderen Aspekt legen?

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26. 08. 2018

Manchmal muss irgendetwas mich daran erinnern, wie unglaublich wertvoll mir Literatur ist. Sätze, die nicht einfach etwas behaupten, die nicht vorgeben, Wahrheiten und Fakten auszubreiten, sondern sich in den Dienst des Zweifels und der Ambivalenz stellen. Die damit Leerstellen öffnen, Abgründe. Aber auch die Möglichkeit, zu träumen, selbst zu denken. Weil nichts feststeht, außer der Bewegung. Durch Denken und Lesen.

Solche Sätze, wie sie in Tristan Marquardts „parzival lexikon“ nachzulesen sind:

„nur gleiche möglichkeiten führen zu anderen ergebnissen.“

oder:

„was ich erfinde, sagt der erzähler, ist, wie ich das,was ich vorfinde, erzähle, eine geschichte, wie passiert, was passiert.“

 

Tod

Der Tod drängt sich gerade wieder in den Vordergrund. Die Nachricht vom plötzlichen Tod Oleg Jurjews, die Betrachtungen von Andreas Wolf, diese wohltuende Wut, die ich fast nie empfinde.

Ich selbst hatte mir im Juni notiert: Was, wenn der Tod aber wirklich die Vollendung des Lebens ist? Die Krönung, das Beste und Schönste, das einem Lebewesen widerfahren kann? Würde das nicht alles radikal ändern? Wir hätten keine Angst mehr vor dem eigenen Tod, und auch der Tod der anderen verlöre seinen Schrecken, er wäre nur noch deshalb schmerzhaft, weil uns dieser eine, unersetzliche Mensch fehlt. Aber was für ein Trost, wenn wir glauben könnten, er habe das größte Geschenk empfangen und eine bessere Stufe erreicht.

Würde die Gesellschaft unter diesen Bedingungen überhaupt noch funktionieren? Steht darum nichts über den Tod des ersten Menschen in der Bibel? Nur diese Sache mit der Auferstehung? Und über Lazarus, der von den Toten wieder auferweckt wird?

02

Was tun wir mit der Sprache? Legen wir uns hinein, und lassen uns forttragen ans andere Ufer der Fantasie? Oder werden wir so genau, dass in manchen kostbaren Momenten eine Wahrheit aufblitzt, die weit über uns hinausgeht?

01

Kerstin Eckstein
Kerstin Eckstein

Was, wenn die Sätze denken? Eigenständig und mit dieser Art von Unabhängigkeit, um die ich mich so lange schon erfolglos bemühe? Wenn die Sätze sowohl klug als auch unbeschwert sind? Und weitere Sätze mit einer fraglosen Selbstverständlichkeit nach sich ziehen, ungeachtet dessen, was derjenige, der sie schreibt, preisgeben möchte. Wenn sie ihm rücksichtslos die eigene Eitelkeit austreiben?

Und wenn niemand diese Sätze liest, verlieren sie dann ihre Gültigkeit? Oder ermöglichen sie überhaupt erst den Gedanken an Gleichgültigkeit? Was wenn die Sätze selbstbewusst denken und alles in Frage stellen, ohne sich um Antworten zu bemühen? Diese Art von Antworten, die beruhigen sollen und besänftigen.

Entsteht dann große Literatur?

II

Vermutungen, Feststellungen, Tatsachen. Einer redet, alle nicken, aber niemand hört ihm zu. Die Bedeutungen und dass sie nie mehr als Versuche sein können. Der Weg, der ohne Stolpern nicht beschritten werden kann.

Kampf

Die klugen Sätze, die ich von mir gebe, und die dummen Dinge, die ich tue. Während hinter mir, vor dem Fenster, die Sonne den Kampf mit den Wolken gewinnt, und Stimmen erklingen. Stimmen, die das Wort „Kampf“ niemals neutral, nebenbei und unbewusst von sich geben können, weil es jedes Mal schlimmste Erinnerungen auslösen wird. Alles ist gut, heißt nicht, dass diese Erinnerungen ausgelöscht werden, nur, dass es bestenfalls möglich sein wird, in Frieden mit ihnen leben zu können.