Traum

Der Traum als Geist, der in unser Bewusstsein reist, um uns aufzuwecken.

Wissen, wohin man gehört, auch bei der Sprache. Auch beim Schreiben spielt das eine große, eine erhebliche Rolle.

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II

Vermutungen, Feststellungen, Tatsachen. Einer redet, alle nicken, aber niemand hört ihm zu. Die Bedeutungen und dass sie nie mehr als Versuche sein können. Der Weg, der ohne Stolpern nicht beschritten werden kann.

Kampf

Die klugen Sätze, die ich von mir gebe, und die dummen Dinge, die ich tue. Während hinter mir, vor dem Fenster, die Sonne den Kampf mit den Wolken gewinnt, und Stimmen erklingen. Stimmen, die das Wort „Kampf“ niemals neutral, nebenbei und unbewusst von sich geben können, weil es jedes Mal schlimmste Erinnerungen auslösen wird. Alles ist gut, heißt nicht, dass diese Erinnerungen ausgelöscht werden, nur, dass es bestenfalls möglich sein wird, in Frieden mit ihnen leben zu können.

Ursprung

Ist es jetzt sogar mein Körper, der mich zurückweist? Der mir klar zu machen versucht, dass man sich selbst überleben muss. Das gläubige (naive) zuversichtliche Kind, die euphorische (und gleichzeitig überforderte) Mutter. Der Widerstand, wenn ich versuche zwei Fäden zu verknoten. Nicht darüber hinweg gehen, sondern versuchen, herauszufinden, woher dieser Widerstand kommt. Warum er da ist, den Ursprung suchen.

Hineinfallen in diese Welt, in der mir Wörter und Sätze ins letzte Hemd fallen, das ich dem Himmel erwartungsvoll entgegenstrecke, ohne zu wissen, ob das, was da vom Himmel fällt, mir Löcher ins Hemd reißt (das immerhin das letzte ist), oder Goldstücke herabregnen, die mich endlich frei von Sorgen existieren lassen. Ich: ein Fragezeichen mit einem ängstlich ausgestrecktem Hemd. Denn ohne die Angst scheint es nicht zu gehen, und die Frage ist müßig, ob zuerst der Schmerz da gewesen ist, oder die Angst. Hat die Angst den Schmerz geboren, oder ist der Schmerz der Grund für die Angst? Ein Schmerz, der verschwinden würde, sich in das Nichts der nachtblauen Luft auflösen würde, wenn die Angst nicht mehr wäre? Diese Frage ist vielleicht das Hemd, das ich mit beiden Händen umklammert halte, obwohl nichts vom Himmel fällt. Absolut nichts. Aber solange ich mich am Hemd festhalte, wird der Abgrund, der Ursprung, mich nicht verschlingen. Aber will ich nicht genau das; verschlungen werden? Das Hemd ist die Lüge, die das, was mir Angst macht, mich aber gleichzeitig (als einziges!) retten und heilen könnte, bedeckt. Unter dem Hemd ist die nackte Wahrheit.

Meine GEschichte liegt klar vor mir. Ich bin nur ein Leben lang zu schwach und zu feige gewesen, es zu entziffern. Die Umwege, Erinnerungen, Ausflüchte. Dieses seltsame Gefühl, wenn die Zeiten, die Toten und die Lebenden, das, was gewesen ist und das, was sein wird, zusammenfließen. Wenn es gelingt das zuzulassen, dass man selbst ausgelöscht wird, und zu einem Bild wird. Oder zu einem Satz. Geschrieben mit roter Tinte auf dünnem Papier. Bis die Angst wieder zupackt, und mich wegreißt von diesem Paradies, hinein in die Zweifel und Paradoxien eines ganz normalen menschlichen Lebens. Vergänglich. Im Gegensatz zur Schrift.

Abstrakt

Möglich, dass das, was vor uns liegt (auch die Einsamkeit, sogar der Tod) leicht ist. Kunststück, die Dinge, die vor uns liegen, sind abstrakt. Was kann uns das Abstrakte anhaben? Es wird vielleicht nie eintreffen, und selbst wenn es eintrifft, hat es vermutlich keine Bedeutung.

Wie ist das zu sterben? Der Moment, wenn du weißt, das war es jetzt. Im allernächsten Moment bist du tot? Und wie war das, als ich das erste Mal begriffen habe, Menschen sterben? Und kurz darauf, dass auch ich sterben werde, irgendwann?

Das war dieses Fallen, das einfach nicht aufhört (ich habe es irgendwann aus Mangel an Begriffen Angst genannt), dieses endlose abgrundtiefe Fallen, in dem sich ein Teil von mir löst und einfach nicht fassen kann, dass das wirklich ich bin, dieses kleine, ängstliche Stück Mensch, Adern und Sehnen und Knochen, von einer schützenden Schicht Haut umhüllt, die schwitzt, wenn es war ist, und friert, wenn es kalt ist, und kurz darauf ist der Moment auch schon wieder vorbei, und ich vergesse zwar nicht, dass ich sterblich bin, aber es bedeutet gerade nichts. Es ist wieder beruhigend abstrakt geworden.

Aufrichtigkeit

Es gelingt mir nicht, mir so lange selbst Fragen zu stellen, bis ich das Gefühl habe wenigstens in die Nähe von Aufrichtigkeit zu kommen. Es gelingt mir auch nicht, ehrlich und echt zu sein, ohne mich vorher zu fragen, wie dieses Verhalten bei meinen Mitmenschen ankommen wird. Es ist als würde mir das, was wir gemeinhin „ich“ nennen, nicht gelingen, während ich es andererseits nicht los werde. Es holt mich ein, stellt sich mir in den Weg, will ebenso beachtet wie überwunden werden, und eigentlich passiert alles mögliche mit diesem „ich“, außer dass es sich in meinen Dienst stellen lässt, mit mir zusammen arbeitet. Es verhindert, um es kurz zu machen, jegliche Absichtslosigkeit.

Wäre ich ein Roman, bestände ich aus unzähligen Anfängen, unzusammenhängenden Fragmenten, und gleichzeitig wäre in jedem Satz dieser Wille unüberhörbar, alles abzudecken, alles nicht nur richtig, sondern auch lückenlos vollständig zu machen.

Schreiben

Schreiben lernt man beim Schreiben, andererseits muss man etwas zu sagen haben oder wenigstens den Mut einzugestehen, dass man nichts zu sagen hat, oder, besser, die Fantasie, sich etwas auszudenken, oder einen scharfen Verstand, mit dem sich all das analysieren lässt, das eigene kleine Ich, die Gesellschaft, die Bedingungen, und wie das alles zusammenhängt.