Misstrauen

Louise Bourgeois sagt, Kunst macht man nicht aus einer Absicht, oder weil man es will, weil man es vielleicht kann. Man macht die Kunstwerke, weil man muss. Weil es schlicht keine Alternative (und kein Nachdenken) gibt, außer genau das zu tun.

Ich empfinde diesen Zwang nicht. Oder er ist sehr tief vergraben unter meiner Angst, unter meinem Misstrauen mir selbst gegenüber.

Erinnerung

 

Manchmal hat sie das Gefühl, verrückt zu werden. Sie wirft Rettungsanker ans Ufer, die niemand aufzufangen bereit ist. Und so muss sie ertrinken im Meer ihrer Erinnerungen, die keiner mit ihr teilt. Die sie verschlingen.

Anders Petersen – Retrospektive im Marta

Eine sehr schöne Ausstellung war das, die ich mir am Sonntag im Marta ansehen durfte. Die Fotos von Anders Petersen haben eine ganz besondere Aufrichtigkeit und Verletzlichkeit, jedes Bild erzählt Geschichten. Was er über die Serie, die er im „Café Lehmitz“ zwischen 1967 und 1970 aufgenommen hat, sagt, ist das, was seine Fotos für mich auszeichnet.

Das Café Lehmitz war ein besonderer Ort, der so nur in Hafenstädten existierte. Es war von Mitternacht bis acht Uhr morgens geöffnet. Heute gibt es solche Orte fast nicht mehr, außer vielleicht im Osten Europas. Hier begegnete man ganz besonderen Menschen: einem berühmten Schwertschlucker und einem Kleinwüchsigen namens „Zwerg“, einem Zuhälter und einer Bade, die gerade eine Pause einlegte, bevor sie ihren nächsten Überfall im Park plante. Sie trinken, kämpfen, küssen und tanzen oder schreien einander an. Ich war einer der ersten Fotografen, der in dieser Art von Bars gewesen ist. Die Leute im Lehmitz hatten eine Präsenz und eine Aufrichtigkeit, die mir selbst fehlte. Es war okay verzweifelt zu sein, zärtlich zu sein, ganz allein zu sitzen oder die Gesellschaft anderer zu teilen. Es herrschte große Wärme und Toleranz an diesem verarmten Ort.

Anders Petersen - Retrospektive
Anders Petersen – Retrospektive

Mutterbilder

Mutterbilder

Der im Sommer entstandene Tausend Mutterbilder Blog stagniert. Das liegt an mir und an der fehlenden Resonanz.

Was nicht heißen soll, dass ich nicht sehr sehr dankbar und erfreut bin über all die wundervollen Beiträge, die bisher eingegangen sind. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle, die Bilder, Gedanken, Gedichte und Geschichten beigesteuert haben!

Nichts desto trotz hatte ich mir das alles anders vorgestellt. Weniger arbeitsintensiv. Und mit einer größeren Beteiligung. Seit Wochen schon habe ich keine Beiträge mehr bekommen. Vielleicht lege ich jetzt eine Pause ein und warte ein, zwei Monate ab, wie sich alles entwickelt. Meine Motivation und die Bereitschaft von Töchtern und Söhnen, Vätern und Müttern, über dieses Thema zu reden, zu zeichnen, zu singen…