Das Ich als Lichtnerv…

In der neu gegründeten Lyrikkritikakademie durfte ich nun schon von drei Workshops profitieren und meinen zweiten Pecha Kucha Vortrag ,dieses Mal über den wunderbaren Gedichtband von Birgit Kreipe, halten.

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Zur Notwendigkeit eines reinen Frauenpreises

Literaturzeitschriften, Literaturpreise, Kritikerstimmen, überall dominieren Männer. Selbst in der neu gegründeten Lyrikkritik Akademie gibt es mehr männliche Dozenten als weibliche, die Grundlagentexte, die bislang behandelt wurden: Männer, die über Männer reden. Ganz klar: wir haben es mit einem strukturellen Problem zu tun.

Genau deshalb brauchen wir so etwas wie den von Fixpoetry ausgeschriebenen Gertrud Kolmar Preis. Um neue Strukturen zu schaffen. Einen großen Dank an Julietta Fix für ihren unermüdlichen Einsatz neue Räume und Strukturen zu schaffen, um das Reden über Literatur noch reichhaltiger und weiter zu machen.

 

Denken. Vor. Stellen

Rot gemusterte Stiefel und ein Kind, das seine eigene Kindheit versäumt hat. Meine Freundlichkeit, Fremdartigkeit, Gefühlsduseligkeit vor die Tür gebeten. Und vor dem Fenster steht der Schmerz und spielt (hässlich und schief) in der verkümmernden Hoffnung, endlich wahrgenommen zu werden.

Wir aber. Liegen am Rand der Verzweiflung. Und denken. Das genügt.

Spiel

Was, fragte sie mich[i], ist aus den drei Menschen geworden, die vor Jahren hier, in diesem alten Haus, Verstecken gespielt haben?

Die eine von ihnen, sagte ich, rückt immer näher an den absoluten Stillstand, während die zwei anderen sich in noch nicht absehbare Richtungen entfalten. Das war nicht, was sie meinte. Ich wusste es ja.

Vielleicht Narben, sagte ich. Hinweisschilder. Verbote. Vielleicht nur ab und zu ein zärtlich geborgenes Gefühl im Traum.

Aber das Spiel, sagte sie. Wo ist denn um Himmels willen das Spiel geblieben?

Das war zwei Tage vor ihrem Tod.

 

 

[i] Und sie meinte es ernst

Verstehen

„… Linné nimmt seine autoritäre

Erziehung selbst in die Hand“

(Markus R. Weber – Vor Augen)

So ein Satz springt mich an, begeistert mich. Ohne, dass ich verstehe, was er bedeutet und warum er mich begeistert.

Warum forsche ich dann nicht nach, frage: wie ist das gemacht? Was ist die Aussage, woher rührt die Wirkung? Bequemlichkeit? Angst zu scheitern? Fehlendes Zutrauen in meine geistigen Kapazitäten? All das ist möglich.

„Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne…“

Lange ist es hier sehr ruhig gewesen. Nicht, weil ich nichts zu sagen hatte, eher weil viel zu viel auf mich einströmte und ich mir nicht erlaubte, mir die Zeit zu nehmen, etwas davon schreibend zu verarbeiten und einzuordnen.

Fulminanter Auftakt der Symphoniekonzerte in der Oetkerhalle am Freitag. Herzstück war die Ekklesiastische Aktion für zwei Sprecher, Bass und Orchester von Bernd Alois Zimmermann. Von dem ich, musikalisch wenig gebildet, zuvor tatsächlich noch nie gehört hatte. Zum Glück war ich privat in diesem Konzert, und bin nicht gezwungen darüber zeitungstauglich zu berichten. Dazu war es viel zu überwältigend. Und ich darf erst einmal beim puren Eindruck verweilen. Irgendwann vielleicht, werde ich einmal über die Hintergründe schreiben und über das, was dieses großartige avangardistische Stück uns heute noch, gerade heute, zu sagen hat, lohnend wäre die Auseinandersetzung damit allemal. Eine gute Art der Überforderung.

Regers Tondichtungen nach A. Böcklin waren schön, bereiteten mich aber in keinster Weise auf das vor, was dann mit Zimmermann zur Aufführung kam. Eine verzweifelte Apokalypse. Teilweise kaum auszuhalten, wie intensiv das Orchester unter Leitung des großartigen Alexander Kalajdzic, das Toben und die verzweifelte Suche nach Sinn eines Menschen, dem jeglicher Halt verwehrt zu sein scheint, performte. Als Zuhörerin bin ich ganz nah an einem Menschen, der sich Widerstand wünscht, wenn er an Grenzen geht, weil das wenigstens eine Art Halt wäre, aber alles gibt nach, lässt sich geradezu bereitwillig niederreißen. Was bleibt ist ein letzter verzweifelter Aufschrei nach Erlösung. Und ein unbeschreiblich intensives Erlebnis für die Zuhörer, die zu großen Teilen in einen langanhaltenden tobenden Applaus einstimmten.

Brahms dritte Symphonie, wegen der ich eigentlich gekommen war, war dann notwendig, um die Gemüter, zumindest meines und das meiner Nachbarn, wieder zu beruhigen. Auch das war ein so überwältigend schönes Erlebnis, dass ich mich Menschen, deren Namen ich nicht kenne, durch diese gemeinsame Erfahrung nah fühlen durfte.

(14)

Unsere Spiele und Lächerlichkeiten. Und meine alles zerstörende Unsicherheit.

Man müsste sich Fragen stellen, ohne den Antworten hinterher zu laufen. Vielmehr warten bis sie sich von selbst einfinden. Ihnen den Weg bereiten, ohne sie zu drängen. Es aushalten, dass es keine einfachen Lösungen gibt, keine Patentrezepte, dass es eine Zeit dauert und unbequem ist, schwierig und man dennoch weitermachen muss. Beharrlich und mit Geduld.

 

(13)

Ich wache auf und salutiere vor der Angst. Die Schmerzen segeln fast behutsam durch den Körper.

Hände und Köpfe, die geschüttelt werden. Die fortwährende Beschäftigung mit sich selbst. Das ganze Leben ausgerichtet als Wettbewerb.