Tafelrunden

Wir reden nicht viel. Unter dem Loch in der Luft, einem Loch, das all unseren Ehrgeiz zurück wirft. Ich bin, du bist, er sie es ist. Tafelrunden. Jeder ist mit seinem Teller Unverständnis beschäftigt. Die stille Trauer, über all die leeren Stunden, die nicht länger geteilt werden wollen. Ein Abtreten und Aufwachen.

Ein verzweifeltes Festhalten an der Angst, an der Größe und Denkkraft der anderen. Alles billige Tricks, um nicht aufstehen zu müssen. Die Hand zu öffnen, wie Sterntaler mit einem zum Auffangen gefalteten Hemd unter diesem Loch in der Luft zu stehen, und aufzufangen, was es verschleudert. Freigiebig. Begriffslos.

11. September 2011

Den Baum vor meinem Fenster haben sie verkrüppelt und dann einfach stehen gelassen. Am zehnten Jahrestag des elften Septembers sind wir immer noch weit entfernt von so etwas wie Einsicht oder Verstehen. Vergeben vielleicht, oder einer angemessenen Art von Trauer und Gedenken.

Gestern habe ich in der SZ einen Augenzeugenbericht von Julie von Kessel gelesen und dann nicht weiterlesen können. Statt dessen abends einer Feier mit merkwürdigen Wiederbegegnungen beigewohnt. Als wäre nichts wirklich, als würde sich auch nichts ändern, nur die Falten werden tiefer und die Geräusche sind  immer weniger für einen selbst bestimmt. So schreitet das Leben voran und lässt uns zurück.