Planet Alter

Als wäre das Alter ein Planet, den niemand erobern will, und deshalb gibt er sich umso unwirtlicher, abweisender.

Werbeanzeigen

(10)

Ich verschwand in einer Nische voll Zeit, wo ich das Ende erwartete. Das Ausbluten der Worte. Wie Abschied nehmen, dieses Stück Schmerz, das nur für dich bestimmt ist, und dich niemals verlassen wird.

23. Dezember 2018

I

Mein Denken ist der Ausläufer eines Tiefdruckgebietes. Weil ich das nie gelernt habe: Alt werden, verschwinden.

Wir träumen uns aus den Zusammenhängen hinaus in Klischees. Wir suchen bedingungslos unser Recht Das Fohlen der Wahrheit.

II

Wir sind die Ausläufer eines seelischen Tiefdruckgebietes. Unfähig zu begreifen, was wir tun. Wir halten einander gefangen in Denkgebäuden, in denen es weder heiß noch kalt wird. Die uns zu schützen scheinen gegen die Unbill der Welt.

Vergänglichkeit

Die Zeit führt sich selbst im Kreis herum. Es könnte ein Tanz werden. Oder ein Stolpern. Noch ist alles offen.

Die Vergänglichkeit, die sich anfühlt wie ein hauchzarter Riss der Haut. Die Zeit, das ist meine Haut, die reisst, jedes Mal, wenn ich mir erneut der Vergänglichkeit bewusst werde.

Alter

Bei Menschen über 50 Jahren, besonders bei relativ mageren Frauen, schleicht sich das Greisenhafte in die Gesichtszüge. Eine Ahnung davon, wie das Gesicht aussehen wird, wenn die Betreffende sehr alt sein wird.

Falten

Falten, Entfalten. Es ist vermutlich kein Zufall, dass ich letzten Sonntag, in dieser Ausstellung gelandet bin. Einer Ausstellung, die nicht zuletzt von der Schönheit und den erstaunlichen Möglichkeiten des Faltens, der Falten, die Tiefe verleihen, erzählte.

Vielleicht ein weiterer Schritt, auf dem Weg zu begreifen, warum Alter und Scheitern bei mir in einem Text zusammen gefunden haben.: Ich glaube, ich habe unbewusst so ein vertracktes Denkmuster, das mir einredet, ab einem gewissen Alter darf man keine Fehler mehr machen, loslaufen, hinfallen, aufstehen gilt nur bis zu einem gewissen Alter. Dabei steckt in Wirklichkeit in den Falten vielleicht auch das Fallen, das sich fallen lassen.

Altern

Das beherrschte Suchen nach Hilfe. Möglichst zurückhaltend. Lautlos. Dieses Paradoxe, aus dem sich manche eine Decke weben können, die warm hält. Oder wenigstens eine Textur. Etwas, das Halt gibt. Vielleicht sogar eine Zeit lang der Verzweiflung standhält.

Seit einigen Monaten zeige ich niemandem mehr, was ich schreibe. Ich frage mich nicht warum. Oder ich suche jedenfalls nicht nach einer Antwort auf diese Frage.

Ich suche nach einer Möglichkeit, anständig, selbstbewusst, mit Würde, zu altern. Ich suche (immer noch!) nach Vorbildern. Ich bin müde von mir selbst und der Unmöglichkeit, mir mein Scheitern wirklich restlos einzugestehen. Ohne dieses Eingeständnis gibt es keine Entwicklung. Nur Stillstand. Und Bedauern. Weniger Erinnerungen als vielmehr Nostalgie. Keine Verzweiflung, nur diese alles vereitelnde Müdigkeit.