(65)

Was setze ich dem Alter entgegen? Kommt Zittern, Langsamkeit, Verfall. Was tut eine damit? Eine, die immer funktionieren wollte.

Der Körper als Verzeichnis. Oder überhaupt Mutmaßungen über den Körper (über die Zeitfenster, die er öffnet und schließt).

Ich hatte mir das vorgenommen, ganz fest. Ins Alter hineinzuwachsen. Aber plötzlich zwickt und kneift es überall.

(54)

Das Haus an der Haltestelle, das seit Jahren still vor sich hin verfällt. Unsere Angst, die uns nicht erst seit dieser vierten Welle der Pandemie zerfrisst. Die Frage, ob es mir möglich ist, etwas anderes in mir zu sehen als eine alte Frau. Die Frage was das ändern würde. Die Vermutung, dass es besser wäre mich zu sehen, statt Attribute, die mich beschreiben könnten, oder eben auch nicht.

I

Ich werde jetzt sehr deutlich (unübersehbar) alt. Man bemerkt es an den Fotos. Wie die Haut immer weniger Spannkraft hat, wie die Falten sich unaufhörlich vermehren. Läge in jeder dieser Falten ein wenig Weisheit, oder wenigstens Erkenntnis, das ganze Gesicht sähe anders aus.

Vom Verstehen gestreift

Die Reife aus der Luft reißen und sich in etwas längst ausradiertem verlieren. Die Ich-Bezogenheit vergessen und über Hecken springen, mit der Mutlosigkeit der Vernünftigen straucheln, und am Boden angekommen vom Verstehen gestreift werden: du bist die Fülle aus Nichts, der Inbegriff der Vergänglichkeit.

(10)

Ich verschwand in einer Nische voll Zeit, wo ich das Ende erwartete. Das Ausbluten der Worte. Wie Abschied nehmen, dieses Stück Schmerz, das nur für dich bestimmt ist, und dich niemals verlassen wird.

23. Dezember 2018

I

Mein Denken ist der Ausläufer eines Tiefdruckgebietes. Weil ich das nie gelernt habe: Alt werden, verschwinden.

Wir träumen uns aus den Zusammenhängen hinaus in Klischees. Wir suchen bedingungslos unser Recht Das Fohlen der Wahrheit.

II

Wir sind die Ausläufer eines seelischen Tiefdruckgebietes. Unfähig zu begreifen, was wir tun. Wir halten einander gefangen in Denkgebäuden, in denen es weder heiß noch kalt wird. Die uns zu schützen scheinen gegen die Unbill der Welt.

Vergänglichkeit

Die Zeit führt sich selbst im Kreis herum. Es könnte ein Tanz werden. Oder ein Stolpern. Noch ist alles offen.

Die Vergänglichkeit, die sich anfühlt wie ein hauchzarter Riss der Haut. Die Zeit, das ist meine Haut, die reisst, jedes Mal, wenn ich mir erneut der Vergänglichkeit bewusst werde.