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Das gestrige Wunder des fast mühelos schreiben könnens hat sich mittlerweile vollkommen verflüchtigt. Es ist alles beim Alten. Das Wunder hat nur eine kleine Stippvisite gemacht. Mich hemmt das Schreiben auf der Tastatur. Vermutlich weil es früher diese Zweischrittigkeit gab. Erst notierte ich ganz unzensiert alle Gedanken, die mir unter den Bleistift kamen in mein Notizbuch, später dann übertrug ich nur diejenigen von ihnen, die ich für wertvoll genug hielt in die Dateien. Also soll alles, was ich jetzt und hier tippe bereits wertvoll sein. Es ist als dürfte ich nicht mehr zusammenhanglos schreiben. Als hätte ich mir die Erlaubnis zum fragmentarischen und ebenso zum Überflüssigen entzogen.

Lese Marlene Streeruwitz Poetikvorlesungen. Das Buch habe ich vor längerer Zeit bereits einmal angefangen, an einige Gedanken erinnere ich mich beim Wiederlesen. Manche Bücher brauchen ja einfach auch die richtige Zeit, um gelesen zu werden. Jedenfalls finde ich die Gedanken ungeheuerlich und gleichzeitig sehr einleuchtend. Sie bringen mich weiter, lassen mich eigene Fragen stellen und unterstützen mich, nicht sofort Antworten darüber zu legen.