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Die Nektarine. Rot mit einer Wunde. Zu schnell gereift. Der Wind, der an den nicht vorhandenen Fensterläden rüttelt. Die heftigsten Wunden habe ich mir selbst zugefügt. Zeit, die verstreicht. Dass dieses Verb manchmal zu harmlos klingt. Zu behutsam. Fast zärtlich. Dabei ist es ein so gewaltsames Übergehen und Zurücklassen, gegen das ich mich nicht wehren kann. Das Zittern, das jeden Tag erneut gegen die Hoffnung antritt, eines Tages wieder halbwegs flüssig schreiben zu können. Das Zittern, das Tag für Tag den Sieg davon trägt. Die Hoffnung, die sich von der Niederlage immer wieder erholt. Unbeeindruckt hofft. Die Fliege, die sämtliche Liegenschaften des Tisches erkundet.

Wie mich das einschüchtert: Keine Worte zu haben. Nur zitternde Zeichen, die sich winden wie Aale.

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Dass das Schreiben so schwierig, so voraussetzungsvoll geworden ist, seit sich das Zittern immer weniger bändigen lässt. Dass ich meine Träume zensiere, sobald ich wach bin, indem ich alles vergesse und nur unbedeutende Details behalte, bei denen ich mir sicher bin (mir vormachen kann), sie hätten absolut nichts mit mir zu tun.

Die Räume und Türen und Fenster. Was man braucht und was man zu brauchen glaubt. Wie viel man zurücklassen muss für einen Neuanfang, und ob es wirklich einen so großen Unterschied macht, ob die Dinge freiwillig zurück gelassen werden, oder ob das Leben, die Zeit, der Lauf der Dinge, sie mir entreißen. Ein Jegliches hat seine Zeit ist eben nicht nur ein Spruch, sondern die Essenz des Lebens. In guten wie in schlechten Tagen.

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Schließlich konnte sie rein gar nichts mehr festhalten, schon gar nicht den Gedanken an ein gelobtes Land. So sehr zitterten ihre Hände, dass alles verschwamm und verschwand. Jede Reihenfolge geriet durcheinander, ohne etwas zu berühren, geschweige denn zu durchdringen.