Schatten

Schatten - Isla volante
Schatten – Isla volante

Was sie niemals hinnehmen wollte, war die Unfähigkeit des Meeres, Schatten zu spenden.

Licht brechen, Licht schlucken, sich anziehen und abstoßen lassen vom Mond. Aber kein Schatten aus Wasser.

Um Schatten zu spenden, musst du Wurzeln haben, hatte ihre Mutter gesagt. Sie hatte ihre Asche im Meer versenkt. Ihre Worte wurde sie nicht los.

 

Fragen

Warum muss eigentlich immer alles so angewurzelt sein? Und woher kommen die Fragen? Kommt man mit denen auf die Welt? Oder ist es so, dass man alles weiß, bevor man auf die Welt kommt und dann sein Leben lang damit beschäftigt ist, immer mehr zu vergessen? Wie viel kann man überhaupt aussagen mit der Sprache? Mit diesen Worten, die doch andere lange vor mir erfunden haben? Die mich ja gar nicht kannten, nicht erahnen konnten? Und wie groß sind denn überhaupt die Schnittmengen, die uns dazu verleiten zu behaupten, wir würden einander verstehen? Warum brauchen wir dann so viele Worte, die letztendlich doch nur die Illusion sich zu verstehen zerstören? Wenn die Fragen die Wurzeln sind, was ist dann der Boden, in dem sie sich ausbreiten? Und wovor geben sie Halt? 

Abgetrieben

Abtgetrieben - Isla volante
Abtgetrieben – Isla volante

Schließlich wachsen die Gedanken aus dir heraus, treiben Knospen und beginnen zu blühen. Darum pflanzen wir Bäume für jedes neugeborene Kind. Sein Leben soll sich verzweigen, wie dieser Baum soll es Wurzeln treiben und wachsen.

Während du nur davon träumst, wegzugehen, den Baum zu fällen, aus seinem Holz ein Floss zu zimmern, und dich den Wellen zu überlassen. Darum hast du als Kind die Märchen mit den Wasserwesen am liebsten gehabt. Und um uns zu beruhigen, sagst du, dass es eben solche gibt, die ihre Wurzeln im Meer haben.