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Die Vielzahl an Menschen, Gedanken. Die Geringfügigkeit der Welt. Die Überheblichkeit der Gedanken. wir überheben uns an unseren Gedanken. Und dann halten wir fest an einem Standpunkt. Verharren, während die Welt an uns reißt. Die Gegenwart wird zu etwas, gegen das wir uns wehren, dem wir uns entgegen stemmen.

Die Zeit, und wie sie in die Wunden eindringt, sie infiziert und aufreißt.

Fliessen

Ich verlerne zu sprechen. Aber ich beobachte. Ich sehe:

 

Auf diesem Bild: der Rücken noch gesund, die Haare lang, schwarz, aber hinter der Stirn schon der Kummer um all die gerade noch Lebendigen. Das Auswachsen der Kindheit, in einem langen stetigen Fluss des für immer Unbegreifbaren.

 

Wir schlagen Brücken, oder wir brechen ab. Einige von uns ertrinken: In ihrem Gewissen. In ihrem Überfluss. In ihrer unerwiderten Liebe.

 

Die Zeit heilt Wunden, indem sie neue reißt.

 

Dreh dich nicht um

Alles ändert sich. Selbst du. Selbst dein Denken, dem an allen möglichen Stellen die Enden abgeschnitten werden. Etwas richtet sich auf, du selbst aber bleibst liegen. Tödlich getroffen, weil dir keiner schenkt, was du dir selbst nicht geben kannst.
Die Zeit, hat man dir früher erzählt, heilt alle Wunden. Dass sie es tut, indem sie neue reißt, macht den Satz nicht zu einer Lüge. Dreh dich nicht um. Was hinter dir liegt, holst du nie mehr ein.

 

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Die Zeichen sind falsch gewählt und minütlich kommen neue hinzu.

Der Graben, der sich auf seine Tiefe beruft, auf die Ferne von etwas, das hinter mir liegt. Eingeschlossen in Wunden, die durch einen einzigen Buchstaben zu Wundern werden. Aber es ist ein Buchstabe, der sich wie der Stein, den Sisyphos immer wieder den Berg hinaufrollt, widersetzt, d.h. eigenen Gesetzen folgt und du, mit deiner Unfähigkeit, deine eigene Stimme zu lieben, egal, ob sie schreit oder schreibt, machst immerzu alles zu einer Lüge.