Ausatmen

Ein und aus. Neu und verbraucht. Kohlendioxid und Sauerstoff. Es war einmal eine Geschichte, die fand zu keinem guten Ende. Die endete mit einem letzten Hauch.
Es atmet mich. Wie viele Dinge so gehen und fließen, durch mich hindurch und ich bin kaum beteiligt daran und gerade auf diese Art und Weise grenze ich sie ein, grenze sie ein durch meine Nichtbeteiligung. Grenze sie ein durch ihre Grenzenlosigkeit mit der sie sich vom Erkennen entfernen, wie die Brandung, die Wellen, der Mond. Nur Worte, Begriffe, Hohngelächter, Aufzählungen. Wie ich mich eingrenze, abgrenze, ausgrenze, klein grenze, weil ich dem Leben den großen, leuchtend echten, Atemzug abtrotzen will, statt ihn zu tun. Einatmen.
Aus.

Traum

Ich habe geträumt, als wäre es möglich mit den Träumen die Einsichten zu vertrieben. Ein Wort, das mir nie gefallen hat, die Worte mit „ein“ schmecken bitter. Einsam, einengend, eindeutig, Einfalt. Andererseits: Einfall. Obwohl auch das kein schönes Wort ist. Es klingt wie Überfall, Angriff. Es klingt nicht danach, dass sich ganz unversehens, wenn man endlich zu hoffen, kämpfen und grübeln aufgehört hat, etwas da ist. Eine Idee, etwas das einen auf einmal wieder mit Energie erfüllt, mit Freude, mit Möglichkeitssinn. Mit der Vielfalt, die man nun (endlich) der Einfalt entgegensetzen kann.

Worte

Ich nehme die Worte. Entnehme sie dem Zusammenhang und hänge sie in meine Hoffnung. Die Hoffnung macht sie fremd und schwer. Das ist der Grund warum sie auf taube Ohren fallen. Worte wollen unbeschwert sein, schweben, sich über die bodenlosen Tatsachen erheben. Sie wollen sich fangen lassen, nur mit den Augen, wie ein bunter Luftballon, der langsam am Horizont verschwindet.

07. Januar 2013

Beim Schreiben jedenfalls, ist es die Neigung zu verschwinden, der Schrift alles und mir selbst nichts zuzutrauen. Eine Hemmung, die Zeit zu verschwenden. Angst vor dem Scheitern, der ich mich nicht stelle. Also enge Grenzen, Zeitverlust, tatsächliches Scheitern. Aber immerhin die Hoffnung, es könnte ganz anders werden, sollte ich irgendwann die Kraft und den Mut aufbringen, die Umstände (mich?) wirklich zu ändern.

Ich bin weicher geworden (noch weicher), geduldiger, sogar ein wenig beharrlich. Nachsichtig (sogar mit mir selbst). Ehrgeizig. Aber auf eine neue Art, die besser zu mir zu passen scheint. Aber ich hasse es nach wie vor, die Worte zu streichen, mit ihnen zu kämpfen. Um sie werben, das ja, aber sie benutzen, anpassen, begradigen, in Form bringen – das missfällt mir nach wie vor.

Zu sprechen wie ein Gebet zur richtigen Stunde

Auf den Gemeinplätzen trifft man sich

Um einander die Pläne zu stutzen

Und Worte auszutauschen

Die das Leben in ein Kassengestell einfassen

Die vom Einklang der Welt erzählen

Mit dem Singsang kommunistischer Freudlosigkeit

Dort glaubt man an die Gültigkeit von Begriffen

Die die Sehnsucht mit Schuhen versehen

In denen sie tanzen kann

Aber niemals laufen lernt

Zu den aufgebahrten Worten

Zu sprechen wie ein Gebet

Zur richtigen Stunde

Scham

Es gibt diese Lakonie der Endlichkeit gegenüber, dem Alter, dem Tod, der Unumkehrbarkeit dieses Weges, der sich unweigerlich mit Verlusten füllt, die Melancholie, die schmerzhaft schön, oder pathetisch süß daherkommt.

Aber wie beschreibt man Scham? Wie kann man Worte finden für die Dinge, für die man sich dermaßen schämt, dass man sie am liebsten verdrängt, immer tiefer, immer weiter?