Fragen

Was ist eine Anschauung und was unterscheidet sie vom Zweifel? Wer kleidet die Gedanken in Worte und wer zieht sie wieder aus? Was geschieht mit der Zeit, die vergangen ist? Wer bewahrt sie auf? Und wo? Oder ist sie restlos verbraucht und kommt doch immerzu als ruheloser Geist auf die Erde nieder, wo wir Menschen sind?

Wie ging das erste Lied, und wer hat es gesungen? Was geschieht, wenn wir hörten könnten, wie es verklungen ist?

Was, wenn alle Lösungen von der Erlösung wegführen? Wie nimmt man den Schmerz an, und hat einander doch lieb?

Es gibt keine Weisheit, nur diejenigen, die den Zweifel aushalten, und einige begnadete andere, die von ihm verschont bleiben, ein seltsam unvollständiges Leben lang.

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15. Dezember

Es ist alles bereits gesagt. Und genau darin besteht die Aufgabe; dennoch eigene Worte zu finden.

Schatten

Schatten - Isla volante
Schatten – Isla volante

Was sie niemals hinnehmen wollte, war die Unfähigkeit des Meeres, Schatten zu spenden.

Licht brechen, Licht schlucken, sich anziehen und abstoßen lassen vom Mond. Aber kein Schatten aus Wasser.

Um Schatten zu spenden, musst du Wurzeln haben, hatte ihre Mutter gesagt. Sie hatte ihre Asche im Meer versenkt. Ihre Worte wurde sie nicht los.

 

Schweigen

Nach und nach verlernte sie zu sprechen. Erst gewannen die Worte eine eigene, mit anderen nicht länger zu teilende Bedeutung, dann verlernte sie die Laute.

 

Das Schlimmste war, dass es in diesem Zustand kein Schweigen gab, nur Leere, die sich immerzu aussprach. Durch sie.

 

Ausatmen

Ein und aus. Neu und verbraucht. Kohlendioxid und Sauerstoff. Es war einmal eine Geschichte, die fand zu keinem guten Ende. Die endete mit einem letzten Hauch.
Es atmet mich. Wie viele Dinge so gehen und fließen, durch mich hindurch und ich bin kaum beteiligt daran und gerade auf diese Art und Weise grenze ich sie ein, grenze sie ein durch meine Nichtbeteiligung. Grenze sie ein durch ihre Grenzenlosigkeit mit der sie sich vom Erkennen entfernen, wie die Brandung, die Wellen, der Mond. Nur Worte, Begriffe, Hohngelächter, Aufzählungen. Wie ich mich eingrenze, abgrenze, ausgrenze, klein grenze, weil ich dem Leben den großen, leuchtend echten, Atemzug abtrotzen will, statt ihn zu tun. Einatmen.
Aus.

Traum

Ich habe geträumt, als wäre es möglich mit den Träumen die Einsichten zu vertrieben. Ein Wort, das mir nie gefallen hat, die Worte mit „ein“ schmecken bitter. Einsam, einengend, eindeutig, Einfalt. Andererseits: Einfall. Obwohl auch das kein schönes Wort ist. Es klingt wie Überfall, Angriff. Es klingt nicht danach, dass sich ganz unversehens, wenn man endlich zu hoffen, kämpfen und grübeln aufgehört hat, etwas da ist. Eine Idee, etwas das einen auf einmal wieder mit Energie erfüllt, mit Freude, mit Möglichkeitssinn. Mit der Vielfalt, die man nun (endlich) der Einfalt entgegensetzen kann.

Worte

Ich nehme die Worte. Entnehme sie dem Zusammenhang und hänge sie in meine Hoffnung. Die Hoffnung macht sie fremd und schwer. Das ist der Grund warum sie auf taube Ohren fallen. Worte wollen unbeschwert sein, schweben, sich über die bodenlosen Tatsachen erheben. Sie wollen sich fangen lassen, nur mit den Augen, wie ein bunter Luftballon, der langsam am Horizont verschwindet.