Schwankungen, Einsichten

Ich kann nicht witzig schreiben über die Tage, wie sie gerade sind, über diese Lage, in der sich täglich, manchmal stündlich etwas ändert. In der ich selbst ständig zwischen Gelassenheit und Beunruhigung schwanke. Diese Zeit ist schon eine sehr besondere. Gab es das jemals zuvor, dass die Wissenschaft eine derart führende Rolle eingenommen hat? Brauchten wir wirklich dieses Virus, um zu erkennen, welche Berufe absolut überlebensnotwendig sind? Können wir tatsächlich lernen aus den Erfahrungen, die wir jetzt machen?

Und draußen blauer Himmel. Frühling.

Fortschritt

Sie dachte zu viel, zu vorsichtig (nicht nachsichtig, das wäre gut gewesen), zu ängstlich und auf eine Art misstrauisch, die niemandem zu Gute kam, nur gegen sie selbst arbeitete.

Sie dachte an einen kleinen Mann in ausgefallenen Kleidern, der an einer Straßenkreuzung stand, den Schirm aufgespannt, weil beharrlich Enttäuschungen auf ihn herab regneten. Alle anderen, dachte der Mann, bleiben trocken und er weinte nur deshalb nicht, weil er ein Mann war und sich Tränen für Männer nicht gehören.

Ein anderes Mal (er stand immer noch an dieser Ampel), dachte der kleine Mann über die Wissenschaften nach. Über Kopernikus und Keppler, über das Mechanische der Welt und dass diese Mechanik auch mit Elektrizität nicht zu durchbrechen sei. An den kleinen Gauß dachte er, und an die mathematischen Gesetze, an all das Wissen und dann fragte er sich, wem es nützt. Die einen würden antworten: der Aufklärung, die andere: der Aufrechterhaltung der Zustände und wieder andere würden sagen, dass in der Wissenschaft und ihren Erkenntnissen der Fortschritt liegt und das glaubte der kleine Mann auch. Nur manchmal fürchtet er eine Antwort darauf zu finden, wovon wir beständig fortschreiten.