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Wo befindet sich die Zeit, wenn sie vergangen ist?

Ich meine, was passiert mit ihr?

Wo sind diese Momente, an die ich mich erinnern kann? Von denen du sagst (und alle stimmen dir zu), sie ließen sich niemals wiederholen?

Eitelkeit

„Es gibt Projekte, die ich schon seit Jahren vereitle. Und es ist nicht im geringsten ein Zufall, dass in diesem Begriff das Scheitern und die Eitelkeit sich vereinen. Was bedeutet, dass der Begriff „vereiteln“ mehr als alles andere (ein schönes Wort, ein treffender Ausdruck etc. pp.) eine Erklärung ist. Den Grund nennt, der ca. 90 Prozent allen Scheiterns zugrunde liegt. Die Eitelkeit. Die Leere eines Egos, das es nicht versteht, von sich abzusehen.“

Das habe ich vor mittlerweile zwei Jahren geschrieben. Es ist ungebrochen aktuell. Was nicht heißt, dass es zwei Jahre lang Stillstand gegeben hat. Es ist wohl vielmehr so, dass man sich kreisend um die Erkenntnisse, um die Lektionen, die man zu lernen hat, bewegt. Ich bleibe dran. Es zu erkennen, ist der erste Schritt, aber ein Ziel kann nicht erreicht werden, höchstens das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein. Dann kann man im besten Fall jeden einzelnen Schritt würdigen und sich am Weg erfreuen, sogar ab und zu vergessen, wohin er führt.

Narben und Verantwortung

Narbe heißt Schnitt. Und was das mit der Balance zu tun hat, die ständig und überall notwendig zu sein scheint.

Der Zettelkasten. Die Kunst des Fragens. Vom Unterschied zwischen Wertung und Gleichmacherei. Wie mir die Fragen am Kopf vorbei gehen. Ein kleiner abgelegener Freimut. Verwandlungslos eindeutig. Beschäftigung. Und diese Sucht, wahrgenommen zu werden und in Ruhe gelassen. Gleichzeitig. Das Gute im Schlechten entdecken. Argumentieren und sich angreifbar machen, ohne gleich die Fassung zu verlieren.

In unserem narbenreichen Körper vermischt sind wir, schreibt Rosemarie Waldrop. (von überall her kommt jetzt die Wiederholung und holt mich ein, eilt mir voraus, behauptet jeder einzelne Gedanke sei unwirksam. Das Wispern eines ahnungslosen Mannes, und dass man das heute gar nicht mehr so schreiben kann.) Die Verantwortung unserer Zeit.  Und wie man damit umgehen muss. Aller Unmöglichkeit zum Trotz.