Ich, wie immer, nicht da

4. Tag

In TROTZ IHRER SCHMERZEN; NOCH EIN TAG die Schlusszeilen:

 

„Sie auf dem Bett wie gekrümmte Zweige.

Ich, wie immer, nicht da.“

 

Diese schonungslosen Beobachtungen eines Abschieds, der längst stattgefunden hat.

 

Bewegend sagen wir, wenn wir meinen, dass man über dieses Gedicht, dieses Bild nicht einfach hinweggehen kann. Dass es etwas bewirkt. Vielleicht verändert. Das Gleichförmige durchbricht. Anstoß gibt. Möglichkeit zum Aufbruch.

(Man beachte, dass es das „ich“ ist, dass sich hier immerzu einmischt, um von der Überflüssigkeit dieser Zeilen zu sprechen. Welche Bedeutung haben „die anderen“ (besser, schöner, jünger. Gescheiter sowieso), wenn es um die Suche nach Wahrheit geht? Nach einer Möglichkeit, aufrecht zu leben.)

 

Jedenfalls habe ich eine Biografie über Simone Weil gelesen, nachdem Carson so von ihr geschrieben hat, wie sie von ihr geschrieben hat. Ihre, Weils, Überzeugung, dass der Mensch sich wieder in Gott zurückbilden muss.

Wobei Weil der Überzeugung war, dass Gott wesentlich wesenlos ist:

„Mit Liebe zustimmen, nicht mehr zu sein [das Ego, das Selbst ist für Weil die Sünde schlechthin], wie wir es tun sollen, ist keine Vernichtung, sondern vertikaler Überstieg in die höhere Realität des Seins.“

 

Leben und Essen. Der Sündenfalls ist das Wissen, aber auch die Tatsache, die Grenzen des Wissens nicht zu akzeptieren, unersättlich zu sein. Und eben zu allem anderen, auch noch diesen Apfel essen zu wollen.

 

Wenn eine Kultur an ein Ich-freies Handeln glaubt, ist Wiedergeburt logisch möglich. Als ein allumfassender, nicht individueller Geist, der wiedergeboren wird, der sich also lediglich in unterschiedlichen sterblichen Körperhüllen reinkarniert.

 

Wir aber dümpeln in unserer Dummheit dahin.