Alphabet

Vor einiger Zeit habe ich von jemandem gehört, der ein Wörterbuch las, Wort für Wort, und bei jedem Wort innehielt, um sich zu erinnern. Es war ein spanisches Wörterbuch und er beschrieb, wie das Wort aceitunas (Oliven) Erinnerungen an seine Heimat, seine Kindheit, hervorriefen.
Mir hat diese Geschichte sehr gefallen. Die Geschichte und die Vorstellung jedem einzelnen Wort Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken.

Noch vor dieser Geschichte, das war 2012, habe ich schon einmal ein Alphabet geschrieben. Wobei Inger Christensen und ihr Alphabet den Anstoß gab.
Vielleicht schließt der Versuch, den ich jetzt mache daran an, vielleicht entsteht etwas vollkommen anderes, etwas, das nichts mehr damit zu tun hat. Vielleicht ist es nur Werbung, Marguerite Duras hat einmal geschrieben: „Wenn das Schreiben nicht jedes Mal alle Dinge zu einem einzigem, seinem Wesen nach Unbestimmbaren vereint, so ist es nichts weiter als Werbung.“

Möglicherweise entsteht aber auch eine Verbindung. Eine Verbindung zwischen der Geschichte von dem Mann mit dem Wörterbuch und dem alten Alphabet, vielleicht kann dieser Versuch die Möglichkeit einlösen, die in jedem Schreiben steckt, nämlich Ausdruck von Zärtlichkeit zu sein.

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Kritik und Literatur

Im 21. Jahrhundert beschäftigt sich sowieso kaum noch jemand mit Literatur. Es gibt viele Schriftsteller, aber wenig Literatur. Die Schriftsteller sind zu Handwerkern geworden, und die Leser zu Käufern. Was gut verkauft wird, ist gesund. Was nicht verkauft wird, ist krank, bedrohlich und hat zu verschwinden.“ (Edo Popovic)

Möglicherweise lässt sich die Frage nie endgültig klären, für mich. Aber ich versuche mir stückweise mehr Klarheit darüber zu verschaffen, was ich eigentlich tue, wenn ich Besprechungen schreibe, was das für mich bedeutet.

Vor einiger Zeit gab es hier anlässlich eines Eintrags zu Kunst und Antikunst von Susan Sontag eine fruchtbare Diskussion, die nachgewirkt hat und weiter wirkt. Dazu kam kürzlich ein Essay von Harald Hartung, in dem er sich mit dem gegenwärtigen Stand der Literaturkritik auseinander setzt. Darin führt er z.B. an, dass Kritik einmal als Scheidekunst verstanden worden ist, als Instrument der kritischen Aufklärung. Er zitiert auch Benjamin:

Wer nicht Partei ergreifen kann, der hat zu schweigen.“

Und Hartung selbst konstatiert: „[…] das Problem ist die Kapitulation der Kritik vor dem Begriff der Qualiät.“

Wobei Qualität wieder so eine Wertung ist, die Hanna z.B. ablehnt, mit guten Argumenten und gutem Recht. Die ich aber beim Schreiben von Besprechungen nicht vernachlässigen will und kann. Allerdings eine „verantwortungsvolle“ Bewertung, so wie Susanne das definiert hat.

Für jede Position lassen sich schließlich sowohl Zitate als auch Argumente finden, und das ist nur ein weiterer Beleg dafür, dass Literaturkritik vornehmlich eins ist: subjektiv.

Nächsten Freitag schon was vor?

Wer die Geschichte „Regen“  zusammen mit anderen Geschichten die in Bielefeld spielen, hören möchte, unterbrochen von guter Livemusik vom Gitarrenduo Gitarrissiomo (Manfred Matulla und Mark Scheel), der ist herzlich eingeladen am 18. November um 20.oo h, in die Auto-Kultur- Werkstatt in der Teichstr. 32  zu kommen. Dort stellt die Bielefelder Autorengruppe ihr Buch: „Flüsse ausgraben – literarisches Treibgut aus Bielefeld“ vor. Das Buch ist illustriert mit Fotos von Oliver Meyer.

Mehr Informationen hier.