Wasser

Neue Puzzleteile auf der Suche nach der Antwort zur Frage, warum mich Wasser so sehr fasziniert

Christine Kappe schreibt: „Manchmal wusste ich nicht, ob eine Sache aus festem oder weichem Material bestand. Aber es war nicht so entscheidend, denn die weichen Dinge wurden auch hart mit der Zeit[…]“

Und dann sehe ich die Bilder von Nicole Tijoux, die ich bei Pagophila entdecken durfte, und lese bei der weiteren Recherche von ihr selbst folgende Erklärung zu diesen ihrer Bilder:

http://www.thejealouscurator.com/blog/wp-content/uploads/2016/03/nicoletijoux11.jpg
http://www.thejealouscurator.com/blog/wp-content/uploads/2016/03/nicoletijoux11.jpg

 

„So, my work studies visual transformations that a body has when interacting with water, how the figure actives the background with it. Also the way the shape vanishes in the vapor of the water, and the ghostly appearence of the body. I tried to explore different pictorial ways to solve the image, to splash paint, or dripping it, or many watercolur effects.“

Die Bilder stellen übrigens, das schreibt sie auch, Menschen dar, die mit Wasserwerfern der Polizei konfrontiert sind.

Karin Kneffel

Karin Kneffel, 2012
Karin Kneffel, 2012

Dieses Bild war sozusagen das, was mich letzten Sonntag in der Ausstellung „Einfühlung und Abstraktion. Die Moderne der Frauen“ in der Kunsthalle Bielefeld in Empfang genommen hat. Ich war so fasziniert von Karin Kneffel und ihrem Werk, dass ich kaum dazu gekommen bin, mich auf die anderen Künstlerinnen einzulassen. Werde das aber sicher nachholen.

Und wieder einmal würde ich mir wünschen, jemand könnte mir erklären, was mich eigentlich so fasziniert an diesen Bildern, die mit Wasser spielen, mit filigranen Tropfen, mit der Brechung von Wahrnehmung und Perspektiven, die märchenhaft schön und dennoch verstörend sind.

Karin Kneffel studierte zunächst Germanistik und Philosophie. Seit 1981 besuchte sie die staatliche Kunstakademie Düsseldorf, wo sie Gerhard Richters Meisterschülerin wurde. Von 1998 bis 2000 hatte sie eine Gastprofessur an der Hochschule für Künste in Berlin inne. Von 2000 bis 2008 war sie dort als Professorin tätig, 2008 wurde sie von der Akademie der bildenden Künste in München zur Professorin ernannt.

Begonnen hat ihre Karriere mit kleinformatigen Tierbildern, Kopfporträts von Hühnern, Ziegen und Schafen. Später wurden die Formate größer und das weitgehende Unverständnis der Kunstwelt wich mehr und mehr wachsender Beachtung.

Kneffels Art zu malen ähnelt der der alten Meister. Sie trägt bis zu vier Schichten Ölfarbe auf die vierfach vorgrundierte Leinwand auf. Unglaublich ist ihre Beherrschung der Technik, wenn es darum geht Oberflächen, spiegelnde Flächen und Wasser in feinster Auflösung darzustellen.

Während die abgebildeten Gegenstände fast schon aufdringlich real sind, spielt Kneffel mit der Perspektive. Susanne Wedewer schreibt über Kneffels Ansatz: „Ihr Thema, das das gesamte Oeuvre durchzieht, ist das der Entfremdung, variationsreich formuliert durch das perfekt kalkulierte Spiel mit der Maßstäblichkeit, dem Verhältnis von Innen und Außen, vor allem mit dem Licht, dessen Quellle sie nie preisgibt, den Spiegelungen, die jede Verortung unmöglich machen, mit dem Fragmentarischen der Genres, die sie zitiert.” (Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, 2008)

 

 

 

 

Transformation (1)

Transformation 1
Transformation 1

Alles im Leben ist einem ständigen Änderungsprozess unterworfen. Wie das Wasser ist alles im Fluss, selbst im vermeintlichen Stillstand findet Veränderung statt. Man kann sie leugnen, aufhalten kann man sie nicht. Nachdem ich eine Zeitlang unter der Thematik des Alters theoretisch und manchmal schmerzhaft ernsthaft, über dieses Phänomen nachgedacht habe, starte ich jetzt eine kleine Folge, in der ich mit den Umformungen spiele, Transformationen, die aus unscheinbaren alltäglichen Bildern etwas anderes machen, vielleicht geheimnisvoll, vielleicht schön, vielleicht absurd. Wie das Leben.

V

Nicht nach den Antworten suchen, aber eine Ordnung der Fragen entwickeln.

Oder einfach genau hinsehen. Diese Form von Widerstand.

 

Stattdessen lassen wir den Schlaf jubilieren, während wir einander beim Sterben zusehen. Wohin uns das führt, wie es uns verändert, das Wasser der Zeit, das Schicht um Schicht eine oberflächliche Schönheit abträgt, bis der Kern sichtbar wird. Das zerstörte Gesicht. Bis eine sagt: Ich habe ein zerstörtes Gesicht. Sich weniger damit abfindet, als dass sie sich vielmehr selbst findet in dieser Behauptung, diesem Satz. So wahrhaftig findet, dass es nicht mehr notwendig ist, sich zu erfinden.

 

(8)

Woher kommt diese Faszination für Rembrandt, für die alten Meister? Das Licht und die Feinheit der Züge. Der Eindruck, dass es beständig dunkel ist auf diesen Bildern, el Greco, Rembrandt, der Hintergrund, die Kleidung. Ganz anders als bei Bosch mit seinen albtraumhaften Gestalten, die sich im Licht baden, in Helligkeit ausbreiten. Was liegt bei den einen im Dunklen, was wird bei den anderen ins Licht gesetzt?

Licht und Wasser. Die Unfähigkeit meines Denkens so leuchtend und durchsichtig zu werden.

 

09. Dezember

Gekränkt von der Art und Weise, wie E. gestern reagiert hat, als ich sie freudig überrascht begrüßte, verunsichert, weil auch S. sich nicht, wie vereinbart, meldet. Aber andererseits auf einmal Aufsätze, Berichte, Essays zum Wasser finden, einfach so, ohne gesucht zu haben, merken, wo viele Fäden schon lange mitlaufen und dass sie jetzt vielleicht, wenn es mir gelingt dran zu bleiben, zusammenlaufen können, ein Muster ergeben.

Wie sich das lebenslänglich wiederholt, der Vorgang der Geburt, das schmerzhafte Ausbrechen aus Orten, die zu eng geworden sind.

Die Notwendigkeit, mit dem Bloggen aufzuhören, um mich endlich wieder langfristig auf etwas konzentrieren zu können, und die Unmöglichkeit, so ganz ohne Austausch (auch ohne Bestätigung) zu bleiben.

Aber alles soll gewagt sein… Die Frage ist nur, wie fange ich es an. Viel leichter vermutlich, als ich mir weismachen will.