Was wäre wenn Hänsel und Gretel statt der Kieselsteine die Zeit aufgelesen hätten

Was man alles so auflesen kann. Den Müll den andere im Wald liegen gelassen haben, die Blümelein am Wegesrand, das stoßweise Atmen aus dem Gebüsch, die Buchstaben aus der Suppe, um damit eine neue Geschichte zu legen etc. pp.
Der Regen legte sich stufenlos auf unser Gemüt. Auserlesen. Jetzt hatten wir die Abenteuer hinter uns gebracht und vor uns lag ein Leben das nichts Nennenswertes mit uns im Schilde führte.
Wir könnten einander Namen geben, aus der Geschichte austreten. Falschen Spuren folgen, oder die Hexe im letzten Moment aus dem Ofen ziehen. Aber wir tun nichts. Wir pflegen unsere dummen Namen und schauen stumm in die Luft. Als warteten wir darauf, dass das Leben uns aufliest.

Ein Mann (4)

Ein Mann

Es gibt einen Mann

Ich traf ihn im Wald.

Er hatte Hunger.

 

Du hast schöne Augen

sagte er.

Er meinte sein Spiegelbild.

Ich gab ihm mein Pausenbrot.

 

Lass uns Blumen pflücken

sagte er.

Ich fragte

Aber du bist nicht zufällig der böse Wolf?

Er lachte.

Das bildest du dir doch bloß ein

sagte er.

Das hier ist kein Wald

das ist der finnische Bahnhof.

Siehst du nicht Lenins Denkmal?

Aber ich sah nichts.

Nur einen Mann

der Hunger hatte.

23. Januar

Gestern, zwölf Jahre nachdem ich das winzige blutige Bündel zum ersten Mal im Arm halten konnte, am vereisten See mitten im Wald gewesen. Im Wald saftig grüne, moosähnliche Gewächse mit winzigen weißen Schnee- oder Eispartikelchen darauf.

 

Briefe gelesen, Briefe geschrieben. In Gedanken mehrere Seiten Eitelkeit verbrannt.

Novemberwald

Die Fragen führen uns hinter das Licht
(hinter dem Licht ist der Wald
dort ist es dunkel und ach so bitter kalt
Der Wald voll finsterer Fragen
und ich im Fadenkreuz der Kiefern
Aber dann
Doch kein Schuss
Von Treffern ganz zu schweigen)
Guck mal
Die Vögel machen Morgengymnastik
sagt mein Sohn
Seine Stimme
Mein Blick
Und die Vögel
die nur wegen uns
nicht in den Süden ziehn