Einsamkeit

Morgens, wenn ich noch völlig müde bin, und trotzdem nicht mehr einschlafen kann, herrscht vollkommenes Chaos der Gedanken im Kopf. Mein Versagen als Mutter, das immer wieder erneute Verlieren der Kinder, und der ganze Rest.

Was wir alle brauchen ist Vertrauen. Etwas, das uns niemand geben kann, wenn wir es uns nicht selbst schenken können. So schwierig (so einfach) bleibt es bis zuletzt. Das ist das Wesen der Einsamkeit.

17. Februar

Ich sitze hier, lese die Besprechungen der Kollegen, sehe wie neue Sterne am Rezensentenhimmel aufgehen, und komme nicht umhin zu bemerken, wie ich selbst immer mehr in den Hintergrund trete. Und obwohl ich es nicht will, spüre ich Aufregung und Angst. Auf einmal steht nicht mehr die Frage im Vordergrund, ob ich weiter Bücher besprechen will, wie ich die Freude daran zurück gewinnen kann, sondern da ist nur noch der Stress verursachende Aufruf: du musst etwas tun, damit du nicht ganz über den Rand fällst, an den du dich selbst gedrängt hast.

Und das Vertrauen, langsam wieder auf einen ureigenen Weg zurück zu finden, zu einer Art über Bücher zu sprechen, die meine ist, wird überlagert von der (eigentlich gesunden und vernünftigen) Verweigerung, mich diesem (selbstgemachten) Druck auszusetzen.

Bewegung

Auf einmal konnte sie wieder gehen. Einfach weil sie darauf vertraute, dass ihre Schritte gut genug sein würden für den Boden, der sie nicht nur ertrug, sondern trug. Und ihr Widerstand entgegen setzte, wo es notwendig war, und sie weich auffing, wenn sie stolperte und fiel. Denn das Gegenteil von Angst ist nicht Mut, sondern Vertrauen.

Vergänglichkeit

Bei den Eltern trauert man um die Vergangenheit, wenn der Partner oder ein Kind stirbt, wird einem Zukunft genommen. Die Trauer scheint nach dieser Logik in unterschiedliche Richtungen zu laufen. Macht das einen Unterschied? Für die Intensität der Trauer, den Schmerz an sich? Oder sind es nur unterschiedliche Erklärungen für das gleiche Gefühl?

Ich bin besessen von der Angst, der Vergänglichkeit. Und dem Scheitern beim unermüdlichen Versuch, eine Lösung zu finden. Dieser Angst mit Vertrauen zu begegnen, der Vergänglichkeit mit Annahme, Hingabe, Präsenz.

(33)

Jeden Morgen taucht die Sonne den Flur in ein goldenes Licht. Jeden Morgen sitzen die Kinder mit mir am Tisch. Und trotzdem ist da so viel Verzweiflung, Angst, Unmut. Woran liegt das?

Wenn ich mich frage, warum es nicht weh tut, mich an meine Kindheit zu erinnern, nicht einmal an meine Jugend, oder die erste Zeit des Verliebtseins, dann wird mir klar, das ist so, weil etwas, das viel größer, schöner und erfüllender ist, in mein Leben getreten ist. Und wenn mich jedes Mal aufs Neue der Schmerz überfällt, wenn ich Fotos von den Kindern sehe, als sie noch sehr klein waren, oder ihre Zeichnungen, dann wird mir bewusst, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass etwas kommt, das ebenso groß, schön und erfüllend sein kann. Andererseits ist mir durchaus bewusst, dass ich sie zwangsläufig sehr viel endgültiger verlieren muss, wenn ich nur sie zum Inhalt meines Lebens mache, dass das weder für sie noch für mich gut ist.

 

Angst, Unruhe, Trauer. Und die Unfähigkeit, darüber zu sprechen. Als würde ich hineinwachsen in Benns „Zwei Dinge“, mich immer mehr damit identifizieren.

 

Ich weiß nicht, worauf ich hinaus will. Wie soll ich unter diesen Voraussetzungen schreiben?

(12)

Mich aussöhnen mit mir, dem Verlauf des Lebens, das eben irgendwann in Verblühen übergeht.

Vielleicht ist das der große, der entscheidende Unterschied; Menschen, die Vertrauen haben, und die anderen, die es verloren haben.

Die Dinge entwickeln sich, und sie lassen nicht dich selbst zurück, nur das Bild, das du von dir hast, an dem du festhältst, obwohl du längst eine andere bist.

Vertrauen

Vertrauen - Isla volante
Vertrauen – Isla volante

Die Gischt, die ich Dir für Schnee verkauft habe, wenn Deine Sehnsucht nach Winter zu verbindlicher Einsamkeit gefror.

Das Licht bricht sich doch auch im Sommer und Möwen sind weiß.

Wenn Du auf die zarte Haut gewartet hast, die dem Wasser im Winter wächst, wusste ich, es gibt Vertrauen.