Espedal „Biografie“

Was Espedal teilweise macht in Biografie (was auch Enquist macht in Blanche und Marie…) ist eine Überlagerung der Geschichten, Mutter, Tochter, Geliebte, die Bilder und Geschichten fließen ineinander.

Über seine verstorbene Frau schreibt er:

„Wo ist sie geblieben. Ich stehe in der Tür und sehe sie wie immer dort liegen, zwischen den Büchern und den Kissen, im Bett, im Schlafzimmer. Sie wirkt stiller, ruhiger, vielleicht – es ist immer noch möglich, das zu denken – schläft sie, sie schläft still heute Nacht, sie schläft ruhig heute Nacht, vielleicht schläft sie traumlos heute Nacht, eine sorgenfreie Nacht, eine kinderlose Nacht, eine Nacht ohne Träume davon, zu verschwinden, ein anderes Leben zu leben, ein reicheres, wilderes und kompromissloseres Leben. Aus dem Schlaf kann sie immer zurückkommen, aber sie schläft nicht, der Schlaf hat sie verlassen, und sie kommt nicht zurück, endlich ist sie davongekommen, sie vermisst uns nicht einmal.“

Ein unerhörter Gedanke (und dabei so nahe liegend, wenn er erst einmal dort steht), der Gedanke, dass die Toten entkommen sind, und uns nicht einmal vermissen.

25. Dezember

Ohne Zweifel bin in unserer Familie ich diejenige, die am wenigsten äußeren Zwängen ausgesetzt ist. Ob ich mich deshalb freier fühle?

Die Bilder im Flur ansehen (meine tote Mutter, die Kinder vor vielen Jahren) und das Gefühl haben; ich selbst bin der Schwindel.

Natürlich wünsche ich mir häufig die Zeit zurück, als ich noch das Zentrum ihres Lebens war, ihre leuchtenden Augen, während sie die Welt entdeckten, als noch alles ein Abenteuer war. Aber es ist ja nicht so, als wäre nichts Neues an diese Stelle getreten. Etwas, das ich in fünf Jahren wiederum vermissen werde.