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Ich kann meine Gedanken nicht festhalten. Also halten sie mich fest.

Die Welt scheint immer größter und unübersichtlicher zu werden, je älter ich werde. Als würden wir mit unseren kleinen zerknitterten Greisengesichtern geboren und wüssten alles, verfügten über eine nahezu universelle Weisheit, die wir dann, nach und nach, Jahr für Jahr, verlieren.

Vertreibung

Die Veränderungen das sind irgendwann nur noch die Verluste. Es bedeutet, ohne jemanden auskommen zu müssen, ohne etwas, das früher selbstverständlich war. Die Treppen nach oben laufen, ohne Atemnot zu bekommen und Haare zu kämen, die ausnahmslos glänzend schwarz waren.

 

Man vertreibt sich die Zeit nicht länger, als jemand, der von der Zeit vertrieben wurde.

 

Hoffnungen (automatisch)

Wir sammeln Verluste, tragen sie auf Karten ein, die unsere Wege vorgezeichnen. Warm haben wir es unter den Decken unserer kurzsichtigen Denkungsart. Globalisierte Verlierer, die sich immer wieder antäuschen lassen, ein Eindruck, ein Abdruck, ein Glanzpapier. Das Engagement und die bessere Welt nur einen Klick entfernt, endlich sind wir dabei. Bewegen und lassen uns bewegen, empören uns und kämpfen für eine bessere Welt, ohne dass es uns mehr kostet als einen Knopfdruck und ein bisschen Zeit. Weit oben am Himmel fliegen Hummeln. Hornissen fliegen aus Frau Sextons Mund. Eva nimmt Adam an die Hand und sagt: heute abend essen wir Fisch. Obst sagt man, sei ungesund, wie die Erkenntnis. Wer bleibt, verliert die Übersicht, wer geht nur die Aussicht (d.h. die Vorstellung vom stillstehenden Verlauf). Hoffnungen sind ausverkauft.