Vom Verstehen gestreift

Die Reife aus der Luft reißen und sich in etwas längst ausradiertem verlieren. Die Ich-Bezogenheit vergessen und über Hecken springen, mit der Mutlosigkeit der Vernünftigen straucheln, und am Boden angekommen vom Verstehen gestreift werden: du bist die Fülle aus Nichts, der Inbegriff der Vergänglichkeit.

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Das Gefühl der Unzulänglichkeit geht immer mit. Außer diesem Gefühl (und der Erkenntnis alt zu sein; im Kopf und in den Gliedern) lasse ich niemanden an mich heran.

Vergänglichkeit. Und ob die Vergänglichkeit Grenzen hat.

Vergänglichkeit

Die Zeit führt sich selbst im Kreis herum. Es könnte ein Tanz werden. Oder ein Stolpern. Noch ist alles offen.

Die Vergänglichkeit, die sich anfühlt wie ein hauchzarter Riss der Haut. Die Zeit, das ist meine Haut, die reisst, jedes Mal, wenn ich mir erneut der Vergänglichkeit bewusst werde.

Vergänglichkeit

Bei den Eltern trauert man um die Vergangenheit, wenn der Partner oder ein Kind stirbt, wird einem Zukunft genommen. Die Trauer scheint nach dieser Logik in unterschiedliche Richtungen zu laufen. Macht das einen Unterschied? Für die Intensität der Trauer, den Schmerz an sich? Oder sind es nur unterschiedliche Erklärungen für das gleiche Gefühl?

Ich bin besessen von der Angst, der Vergänglichkeit. Und dem Scheitern beim unermüdlichen Versuch, eine Lösung zu finden. Dieser Angst mit Vertrauen zu begegnen, der Vergänglichkeit mit Annahme, Hingabe, Präsenz.

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Der Angriff auf die Ungenauigkeiten. Immer wieder. Selbst auf die Ungenauigkeiten meines Schmerzes.

Der Glaube, dass mich alles verlassen hat. Dass es Zusammenhänge gab, in denen ich nicht nur geborgen, sondern aufgehoben gewesen bin, die nun zerstört sind, nicht wiederholbar. Nie wieder werde ich mich so vollständig, so ganz, so glücklich fühlen, wie während der Schwangerschaft. Als wäre damals nicht auch die Angst um das Kind gewesen, die Sehnsucht, es endlich zu sehen, in den Armen zu halten. Als wäre nicht alles von Anfang an auf Vergänglichkeit ausgerichtet.

Die Suche nach einem Horizont

Die Sommerröcke, die ihr nicht stehen. Die langen Nächte, mit denen sie nichts mehr anzufangen weiß. Die Zeit frisst sie auf mit ihrer Einfallslosigkeit, ihrer Anreihung von Verlusten.

 

Vergänglichkeit, die fließt wie ihr Blut. Das einzige, denkt sie manchmal, das noch in Bewegung ist. Strömt und kreist und sich für unsterblich hält. Mehr noch: es nicht einmal nötig hat, sich für unsterblich zu halten, weil es nichts von der Sterblichkeit weiß. Nichts weiß, was über seine Bestimmung hinausgeht.