Die kleine Frau verändert sich

Sie schenkten ihr Farben. Mit denen sollte sie ihr Leben ausmalen. Sie schenkten ihr Zeit, durch die sollte sie hindurch gehen. Sie schenkten ihr Geschichten, die sollte sie auseinandernehmen.

Erst muss man die Geschichten hören, dann kann man sie anzweifeln. Erst muss einer dir Zeit schenken, dann kannst du sie verlieren.

Wie geht das mit der Veränderung, fragt die kleine Frau ihren Spiegel. Erst musst du aushalten, dass für dich alles gleich bleibt, dann musst du zurecht kommen mit dem Blick der anderen.

Die kleine Frau dreht sich um. Die kleine Frau wendet sich ab. Das heißt einer neuen Erfahrung zu.

 

[Wortschau Nr. 22: Der fröhliche Wortberg]

Das erste Mal, dass die kleine Frau gedruckt wurde. Nicht, dass sie jemals daran gezweifelt hätte, aber lange gedauert hat es schon.

 

Das Kind

Ich habe Angst, sagt sie. Vor den Veränderungen. Dass es sie nicht gibt.

 

Nur die Lügen auf dem Weg von der Geburt zum Tod.

 

Das Kind mag ihre Stimme. Es ist ihm gleichgültig, was sie sagt. Es genießt den Klang und lächelt. Es stellt keine Fragen. Das ist der Grund, warum sie alles aussprechen kann. Vielleicht zum ersten Mal. Ohne Gewissheit.

 

Voller Angst.

 

Radieren

Um nicht sich selbst ändern zu müssen, ändert sie alles um sich herum. Ihre Sätze werden kürzer, ihr Atem immer länger. Sie verschreibt sich, weil sie es genießt, zu radieren.
Die Zeit schreitet voran. Sie geht darüber hinweg.
Die einundfünfzigjährige Haut in der dreißigjährigen Lederjacke.

ich kannte mal einen

ich kannte mal einen. er fuhr motorrad. er sagte: richtig schön ist es nur mit dir. er meinte das motorradfahren. ich sagte: ruf mich an. aber er rief mich nicht an. irgendwann traf ich ihn. seine augen leuchteten. sein mund hüpfte aufgeregt um seine finger. er war ganz außer sich vor freude, weil er mich wiedersah. warum hast du nicht angerufen? fragte ich. und er sagte: das telefon verändert die seele des menschen, so wie ein rock die beine einer frau.