Gleichberechtigung

Mich berührt es, wenn ich von Männern höre und lese für die Emanzipation so fraglos zu sein scheint, so selbstverständlich, wie z.B. dieser Seemann, der erzählt, wie er darunter leidet, dass sein Kind monatelang ohne ihn aufwächst, während er auf See das Geld verdienen muss, der sagt, eigentlich wäre ich gerne Hausmann. Oder der Rapper, den ich neulich im Radio gehört habe, der daran verzweifelt, wie er seiner Tochter diese Ungerechtigkeit des „kleinen Unterschieds“ erklären soll. Wohingegen mich diese Schreibweise „Teilnehmer*innen“ nervt.

Narben und Verantwortung

Narbe heißt Schnitt. Und was das mit der Balance zu tun hat, die ständig und überall notwendig zu sein scheint.

Der Zettelkasten. Die Kunst des Fragens. Vom Unterschied zwischen Wertung und Gleichmacherei. Wie mir die Fragen am Kopf vorbei gehen. Ein kleiner abgelegener Freimut. Verwandlungslos eindeutig. Beschäftigung. Und diese Sucht, wahrgenommen zu werden und in Ruhe gelassen. Gleichzeitig. Das Gute im Schlechten entdecken. Argumentieren und sich angreifbar machen, ohne gleich die Fassung zu verlieren.

In unserem narbenreichen Körper vermischt sind wir, schreibt Rosemarie Waldrop. (von überall her kommt jetzt die Wiederholung und holt mich ein, eilt mir voraus, behauptet jeder einzelne Gedanke sei unwirksam. Das Wispern eines ahnungslosen Mannes, und dass man das heute gar nicht mehr so schreiben kann.) Die Verantwortung unserer Zeit.  Und wie man damit umgehen muss. Aller Unmöglichkeit zum Trotz.

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Es gibt einen Unterschied zwischen verschlossenem, verstocktem Verhalten und der Unlust über Überflüssiges zu reden. Dieser Unterschied ist ebenso groß und bedeutsam wie der zwischen Traurigkeit und Melancholie, oder eben zwischen Geschriebenem und Literatur.

Unterbrechung

 

Ich habe ja schon berichtet von diesem Buch, das mich erreicht hat, das Buch, das Unterbrechungen zum Thema hat. Ich habe weder danach gesucht, noch es mir gewünscht und trotzdem ist es absolut folgerichtig und notwendig, dass dieses Buch gerade mich gefunden hat. Als hätte das Buch besser als ich selbst gewusst, dass das eines meiner großen Themen ist, derzeit. Die Unterbrechungen.

 

Was, wenn es gar keine Unterbrechungen gibt? Interruptions, interrumpir. Das sehr gewalttätige in diesem Begriff, der Bruch. Als würde etwas endgültig zerstört, gebrochen, zerbrochen. Aber unterhalb. Unbewusst? Unter der Oberfläche, also noch tiefer gehend als z.B. eine Entscheidung, die die Wege (die Möglichkeiten) scheidet, einen zurücklässt. Ungenutzt, aufgegeben, aber intakt.

 

 

Mit der Sonne brechen auch die Stimmen auf. Was falsch ist, falsch ausgedrückt und formuliert, aber richtig empfunden, wie der schräge Blick auf ein anmutiges Paar, auf das Leben und die Liebe, aus dem Blickwinkel des Neids, der Angst, der Unvollständigkeit. (Unvollständigkeit ist Bewegung, und Geschwindigkeit lässt die Konturen verschwimmen, sogar untergehen, eine Alternative zur Vereinigung. Was gleich aussieht, aber unterschiedliches bedeutet, weil es keine Geschichten erzählt, nur Trennlinien sichtbar macht.

 

Unterschiede

Unterschiede - Isla volante
Unterschiede – Isla volante

Wir vertrieben die Zeit mit hochmütigen Gedanken, hielten uns unsere Unzulänglichkeiten vor wie Spiegel.

Die Möwen bedauerten uns. Keine Spur von Hohn in den Schreien, mit denen sie uns zurechtwiesen.

Meine Hand, geballt zu einer Faust, versuchte etwas festzuhalten, während sie frei und ungeschützt über allem ihre Kreise zogen.

Vielleicht, dachte ich, ist das der Unterschied, der allem zugrunde liegt: ob man das Meer von oben betrachtet, oder es ständig als Horizont vor sich hat. Ob man darüber redet, oder es schweigend genießt.

Fünfundzwanzigster Mai

Die Seiten bleiben leer. Scheinbar. Tatsächlich füllen sie sich mit Leere.

Was ist eine Tatsache und was unterscheidet den Schwindel von der Lüge? Der unterlegene Unterschied. Darunter liegt der Abgrund. Die Unzweifelhaftigkeit endlos verzweigter Wege. El camino.

Ich übersetze ein Gedicht. Ich setze etwas über das Gedicht. Meine Sprache über die Sprache des Originals.

Wenn nichts mehr voran geht, kommt die Aggression. Kleine Gereiztheiten, die zu größeren Verletzungen führen.

Der Himmel wolkenlos.

Merkwürdige Sparmaßnahmen, als käme nach dem Leben noch ein Leben. Nach dem Aushalten, das was uns Halt gibt.