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Die Unsicherheit bei uns allen, wenn jemand in der Bahn sitzt, der offensichtlich den Verstand verloren hat. Meine Hemmungen, darüber zu schreiben. Wie er an jeder Haltestelle aufsteht und zur Tür geht. Sobald die Bahn anfährt, setzt er sich wieder und singt bis zur nächsten Haltestelle. Wie er wohl vorher gewesen ist. Und was passiert ist, dass er verrückt geworden ist. Vielleicht hat er sich nicht erlaubt, Fehler zu machen und hat sich für jeden einzelnen Fehler, der ihm trotzdem unterlaufen ist, dermaßen verurteilt, dass es irgendwann nicht mehr auszuhalten war.

Und wir anderen, damit wir weiter funktionieren können, packen unser Leben handlich ein, in Träume und Angst. Eine stille, schüchterne Flucht. Vor dem Leben. Aber mehr noch vor sich selbst.

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Unsere Spiele und Lächerlichkeiten. Und meine alles zerstörende Unsicherheit.

Man müsste sich Fragen stellen, ohne den Antworten hinterher zu laufen. Vielmehr warten bis sie sich von selbst einfinden. Ihnen den Weg bereiten, ohne sie zu drängen. Es aushalten, dass es keine einfachen Lösungen gibt, keine Patentrezepte, dass es eine Zeit dauert und unbequem ist, schwierig und man dennoch weitermachen muss. Beharrlich und mit Geduld.

 

Grenzen

Seit wann habe ich eigentlich Angst vor Herausforderungen? Waren das diese Fälle bei fixpoetry und Signaturen, wo ich gescheitert bin? Habe ich mich davon nie richtig erholt? Einerseits ist es gut, dass ich kein Muster, kein erlerntes Schema habe, mit dem ich an die Kritiken herangehe, das ermöglicht mir eine gewisse Offenheit, und damit die Chance, im besten Fall andere, zusätzlich erhellende, Perspektiven anzulegen. Andererseits fehlt mir immer wieder der Halt, den das Handwerk mir verleihen könnte. Eine gewisse professionelle Sicherheit, die mich davon bewahren könnte, naive Fehler zu machen. Bedeutsames schlicht nicht zu erkennen.

Die Lösung kann wohl immer wieder nur sein, die eigenen Grenzen zu kennen und trotzdem an sich zu glauben, sich jedenfalls ernst zu nehmen in dieser Beschränktheit. Und dann den Mut zu haben, es zu zeigen. Wohlwissend, das wird nicht allen gefallen. Aber vielleicht gibt es einige wenige, denen es etwas bedeutet, die es vielleicht sogar ermutigt.

Zweifel

Es gibt ja einen Unterschied zwischen Zweifel und Unsicherheit. Dieser Unterschied ist durchaus bedeutend.

Verantwortung übernehmen bedeutet, den Zweifel zuzulassen, sich ihm zu stellen, zu begreifen, wenn ich mein Bestes tue, heißt das nicht automatisch, dass ich Recht habe, aber ich kann zu meinen Sätzen stehen, und sie revidieren, ohne mein Gesicht zu verlieren.

„Alles hat seine Zeit“ – Karl Ove Knausgård

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Was Knausgard da schreibt, über die Gefangenschaft im eigenen Körper, in den eigenen Zweifeln und Unsicherheiten, dieses scheinbar ausweglose Leiden an sich selbst, ist schlicht großartig.

 

Das Denken und Abwägen spielt sich zwischen diesen Polen ab: Wenn andere so großartige Sachen wie „Alles hat seine Zeit“, „Der Liebhaber“ und „Unendlicher Spaß“ geschrieben haben, wer braucht dann mein bestenfalls ambitioniertes Gekritzel? Und der Ermahnung (von mir an mich), dass es nicht meine Aufgabe ist, zu beurteilen, was die Welt braucht. Meine Aufgabe besteht allein darin, das Beste aus meinen Möglichkeiten herauszuholen.