Lebens- statt Lesetagebuch

Kaum habe ich Erleichterung gespürt, weil ich einen Text endlich zu meiner Zufriedenheit abgeschlossen habe, türmt sich ein Berg neuer Arbeit vor mir auf. Und mir gelingt es nicht, so gerne ich es auch möchte, die Herausforderung freudig zu begrüßen, ohne gleichzeitig von einem lähmenden Gefühl der Überforderung heimgesucht zu werden. Dabei tue ich alles, wirklich jede einzelne Aufgabe, von der Lohnarbeit über die Familienarbeit bis zur kreativen Arbeit des Besprechens ausgesprochen gerne. Dennoch fühlt es sich immer wieder wie ein einziger nie endender Kampf an. Kaum ist eine Aufgabe erledigt, wachsen zwei neue nach.

Manchmal lungere ich dann einfach einen Tag lang herum. Leider nicht ohne schlechtes Gewissen. Ich wünsche mir immerzu, es möge wieder einmal so fließen, wie ich es aus der Vergangenheit zu erinnern meine (früher ist ja immer alles besser und leichter und schöner gewesen. Ich traue mir daher nur halb, Nur unter Vorbehalt). Wenn ich ehrlich bin, muss ich aber zugeben, dass ich genau das nicht zulasse. Dass ich den Worten schon auf dem Weg in den Kopf misstraue, Zweifel streue, Belege suche, um die Zweifel erneut zu zerstreuen, und dann zu erschöpft bin, (entmutigt, ernüchtert), um den Stift überhaupt in die Hand zu nehmen.

Ich verwechsle die Reihenfolgen nicht nur, ich vermische sie so, dass eigentlich nur noch Kritik bleibt. Zweifel, Zensur. Und es stimmt schon, was kann mir alles Lob von anderen nutzen, wenn ich mich beharrlich weigere, an mich selbst zu glauben?

Aber auch dazu ist Monika Rincks Lesebuch eine Ermutigung. Deshalb geht es weiter.

10. Februar

Ich bin mir abhanden gekommen, sagt die Frau, und lächelt in verständnislose Gesichter. Eine Zeitlang verstummen die Gespräche, werden nicht wieder aufgenommen.

Sie sieht sie an. Die freundlichen, ansehnlichen Gesichter. Gesichter, die eine gewisse Überforderung spiegeln.

Als die Gespräche zögerlich und leise wieder aufgenommen werden, erhebt sie sich, grüßt zum Abschied.

Und geht.

Der Punkt ist, dass ich tagelang darüber nachdenke, ob ich das ins Netz stelle, oder nicht. Das ist genau das Loch, in dem ich mich immer wieder um mich selbst drehe, weder ganz aufhören zu wollen, zu bloggen, noch einfach einzustellen, was mir eben so aus den Fingern fließt.

Überfluss

Heute vor fünf Jahren, erinnert mich WordPress, habe ich diesen Blog begonnen. Damals, erinnere ich mich, war Bloggen noch aufregend. Immer wenn ich einen Artikel freigab, war ich ein kleines bisschen aufgeregt, freute mich auf Reaktionen und Kommentare, war neugierig darauf, was anderswo in den Blogs passierte. Obwohl WordPress viel viel größer und unübersichtlicher war als twoday, wo ich zuvor meinen Blog hatte, hatte ich nicht das Gefühl der Überforderung oder Überschwemmung. Es war eine Fülle aus der ich schöpfen konnte. Wann und vor allem warum daraus eine Flut wurde, die mich unter sich begrub, und meine Neugier wegschwemmte, bis da nur noch ein riesiger Überdruss war, weiß ich nicht. Ich glaube es hat sehr viel weniger mit der Plattform, der Vielzahl von Blogs oder gar deren Inhalt zu tun, als mit mir selbst.

Und ich erzähle das alles hier auch nur, weil ich merke, dass sich langsam wieder etwas ändert, ich bin wieder neugierig, ich habe wieder Lust, selbst etwas zu erzählen und beizutragen. Es gibt sogar ganz konkret eine neue Idee, an der ich langsam aber beständig arbeite, und die ich hoffentlich bald hier präsentieren kann. Vielleicht hat dann die eine oder der andere von euch Lust an diesem Projekt mitzuwirken. Wir werden sehen.