Verteidigung

Wenn sie sich verteidigen wollte, sagte sie: ich schlief krumm. Die Gedanken haben sich noch nicht gelegt.

Ich bin ein Grenzgebiet, das niemand betritt. Und an meine Träume kann ich mich nicht erinnern.

Ich fraß ihr finster verzweifelt aus der Hand.

(21)

Die Unsicherheit bei uns allen, wenn jemand in der Bahn sitzt, der offensichtlich den Verstand verloren hat. Meine Hemmungen, darüber zu schreiben. Wie er an jeder Haltestelle aufsteht und zur Tür geht. Sobald die Bahn anfährt, setzt er sich wieder und singt bis zur nächsten Haltestelle. Wie er wohl vorher gewesen ist. Und was passiert ist, dass er verrückt geworden ist. Vielleicht hat er sich nicht erlaubt, Fehler zu machen und hat sich für jeden einzelnen Fehler, der ihm trotzdem unterlaufen ist, dermaßen verurteilt, dass es irgendwann nicht mehr auszuhalten war.

Und wir anderen, damit wir weiter funktionieren können, packen unser Leben handlich ein, in Träume und Angst. Eine stille, schüchterne Flucht. Vor dem Leben. Aber mehr noch vor sich selbst.

(1)

Ich verbrannte meine Ahnungen auf dem Scheiterhaufen der Vernunft. Die Träume ragen reglos in den Tag. Dieser Tag, an dem ich mich weder auflöse, noch verschwinde.

Noch über mich hinauswachse.

Warten

Du musst die Träume von den Bäumen pflücken, sagte ihr Vater. Aber du darfst sie nicht anschauen. Lege sie in einen gläsernen Sarg und begrabe sie unter dem Laub des Lebens.
Dann musst du warten, sagte er. Ein ganzes Leben lang haben wir dir beigebracht, wie Warten geht. Das Warten ist der einzige Weg, den jeder betreten kann.
Deine Mutter, sagte ihr Vater, die glaubt an Flügel, an Engel, an den Wind. Aber das sind nur andere Namen für das Warten, glaub mir.
Es ist wichtig, dass eine glaubt, wenn sie wartet. Dann verlieren die Träume die Farbe und ergeben ein Bild.

Zehn

Bei Zehn anfangen und dann rückwärts zählen. Die Träume vergessen bei Eins und die Tränen bei Null. Springen, ohne zu wissen, wo man aufkommen wird. In welcher Weise das Leben aufkommen wird für mich. Ein Auskommen und Aufkommen. Und natürlich frage ich mich, was ich hier will und mache Pläne für das nächste Jahr, weil es immer einfacher ist, sich die Zukunft vorzustellen, bevorstehende Niederlagen in die Zukunft zu verlegen, statt die Niederlagen der Gegenwart auszukosten. Die Balance zu finden, zwischen der notwendigen Niedergeschlagenheit und der ebenso notwendigen Hoffnung, alles könnte noch einmal gut werden.

Zum ersten Mal

Zum ersten Mal - Isla volante
Zum ersten Mal – Isla volante

Eines Tages bemerkt sie, wie ihr Bauch anschwillt, wie sie etwas vollkommen anderes sein will, als sie ist.
Nachts schleicht sie sich aus dem Haus. noch wagt sie nicht, die Bars zu betreten, noch glaubt sie, dass es möglich sein muss, jedem zu gefallen. Sie schläft kaum noch. Sie fürchtet die Träume. Die Fehler, die sie unwillkürlich in den Träumen begeht. Sie blutet. Sie hat Schmerzen. Der Bauch bleibt geschwollen. Sie spricht mit niemandem darüber. Sie sucht keinen Arzt auf.
Dann, ohne es geplant zu haben, packt sie einen Koffer. nimmt ein wenig Geld und verlässt das Haus.
Die Nacht ist warm, Wolken bedecken den Mond. sie geht zum Hafen. aber sie hält sich abseits. Sie beobachtet. Es gibt nichts zu sehen. Ein Schiff liegt ruhig und verlassen am Steg. Die Möwen schlafen. Sie wartet. Sie weiß nicht worauf sie wartet, aber sie spürt, dass sie das richtige tut.
Vielleicht zum ersten mal. Sie lächelt.