Strindberg und ich – Olof Lagercrantz

Drei Ehen, fünf Kinder, ein Dutzend Berufe, über dreißig Stücke, Romane, Erzählungen, Lyrik und Essays, ein Leben auf der Überholspur, so könnte die Kurzbiografie August Strindbergs lauten, oder wie sein Biograph Olof Lagercrantz es ausdrückt: „Gefühlsmäßig und intellektuell bewältigte er jeden Monat das, wofür normale Leute ein Jahr brauchen. Die Biografie eines solchen Mannes zu schreiben, heißt über eine Person zu schreiben, die nicht dreiundsechzig Jahre alt wurde, sondern dreihundertsechzig Jahre gelebt hat.“

Fotografien des Unbewussten

„Es ist ja eine andere Natur, welche zur Kamera als welche zum Auge spricht, anders vor allem so, daß an die Stelle eines Menschen mit Bewußtsein durchwirkten Raums ein unbewußt durchwirkter Raum tritt. Ist es schon üblich, daß einer, beispielsweise, vom Gang der Leute, sei es auch nur im groben, sich Rechenschaft gibt, so weiß er bestimmt nichts mehr von ihrer Haltung im Sekundenbruchteil des Ausschreitens.

Die Photographie mit ihren Hilfsmitteln: Zeitlupen, Vergrößerungen erschließt sie ihm. Von diesem Optisch-Unbewußten erfährt er erst durch sie, wie von dem Triebhaft-Unbewußtem durch die Psychoanalyse.“ (Walter Benjamin: Kleine Geschichte der Photographie (1931). )

August Strindberg, Photogram, 1892-1896, Kristallisation einer Eisblume, courtesy Strindbergsmuseet Stockholm