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Wie vorsichtig wir miteinander umgehen, und je rücksichtsvoller wir sind, um so tiefer geraten die Risse, wenn wir doch einmal stolpern, ein Wort, eine Bemerkung aus dem Rahmen fällt.

Ich habe davon geträumt, zu schreiben, und alle Welt will es lesen, um vollkommen hingerissen zu sein. Heute verkaufe ich Karten in einem Keller und gestehe mir das Scheitern ein. Es ist spät. Und vielleicht bringt die Nähe zum Tod ein wenig mehr Freiheit. Weil man in der Nacht die Grenzen und Konturen nicht mehr erkennen kann.

Vorbei

Sie ging hin und her, auf und ab, sie stolperte, sie strauchelte, je häufiger, umso mehr sie sich bemühte, alles richtig zu machen. Ihre Schritte waren nicht gut genug, und stehen bleiben durfte sie nicht. Es wird vorbei gehen, redete sie sich ein. Aber es ging nicht vorbei, es stolperte, stockte und fiel vorbei. Es wand sich vorbei, und die Scham hatte ohnehin kein Ende.

 

Stolpern

Gänseblümchen © Mützenfalterin

Die Tage mit ihrem merkwürdigen Geschmack.

Ich bin eine kleine Hausfrau, die sich nicht vorstellen kann, dass in anderen Häusern andere Köpfe wohnen. Die Zeit fließt. Ich aber komme erneut ins Stocken. Stöcke, die mir die Zeit vor die Füße wirft. Mein Stolpern, dass ich der Zeit ins weit geöffnete Maul werfe. Die es gleichmütig verschluckt.