Zeit

Ich fürchte die Zeit. Ihren Stempel aus unumkehrbar und unwiederbringlich verloren, zu spät, nie wieder. Aber dann denke ich an das siebte Geißlein, das sich in der Standuhr versteckt, und so sein Leben gerettet hat. Ich verstehe, sogar die Zeit hat zwei Seiten. Ist verbunden mit allem, ist grenzenlos und begrenzt. Auch die Zeit ist Bewegung. Während mein Denken noch immer vom Stillstand ausgeht.

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Stillstand

Das ist alles falsch. Es sind die falschen Gedanken, die zu den falschen Bildern und immer wieder zu fehlgeleiteten, nicht nur fehlerhaften Sätzen führen. Sätze, die in die Irre führen. Statt eine Richtung zu weisen.

Sätze, die mit all ihrer Fehlerhaftigkeit, Fehlbarkeit, feststehen, die zum Stillstand verführen. Dabei muss es doch weitergehen.

Es ist nicht so, als hätte man sich lediglich verschrieben, das könnte man ausstreichen, darüber könnte man hinweggehen. Hier jedoch liegt der Fall anders. Im wahrsten Sinne des Wortes: Hier liegt nichts mehr brach, worauf man aufbauen könnte. Hier liegt alles still. Still und lahm. Das nennt man Stillstand. Und wenn man daran zu glauben beginnt, ist es für alles zu spät.

06. Dezember 2014

Ich beobachte gerade eine Welle der Auseinandersetzung mit Tagebüchern im Netz.

Während ich selbst aus Mangel an Texten, die ich veröffentlichen kann und möchte und aus gleichzeitiger Unfähigkeit, einfach mal ein paar Tage still und unsichtbar zu bleiben, in den Archiven meines eigenen Blogs nachlese, was ich in den Dezembermonaten der letzten Jahre geschrieben habe, und dann feststelle, dass ich scheinbar keinen Schritt weitergekommen bin: die selben Fragen, die selben fadenscheinigen Antworten. Stillstand oder Beharrlichkeit?

Alter und Zeit

Realistisch müsste man schreiben. Von der Textur dieser Decke, und wie es ihr gelingt makellos auszusehen, und gleichzeitig so, als wäre sie schon mehrere Jahrzehnte alt. Als hätte sie in den 70er Jahren das Licht der Welt erblickt, und vielleicht sogar für einen Moment geglaubt, die Welt besteht aus Licht. Aber nicht als Versprechen, das sich niemals einlösen sollte, eher als etwas Beängstigendes, und dann wurde doch nichts gut.

Flecken und eine Art Verstörung, wenn die Blätter fielen.

Realistisch erzählen und doch so, als wäre es eine Geschichte. Eine Geschichte vom Stillstand, wie der Stillstand sich bewegt, und mitten im Stillstand ein vorzeitig gealtertes Kind (keine Zeit, erwachsen zu werden). Ein Muster aus Langeweile und Fraglosigkeit. Fein gewebt zunächst, und später entgleist.

Man nennt es Alter und Zeit.

Novembernebel

Sie schluckt diese Tabletten und der Nebel kommt. Wohltuend weicher Nebel. Fast zärtlich. Die Feststellungen verlieren das Feste, ohne ins Wanken zu geraten. Alles wird diesig und dunstig, weich und fließend wie ein Aquarell.

Sie verschwimmt und vergisst, dass sie zurück fließen muss. Sie ist der Novembernebel für den es keine Jahreswechsel gibt.

 

Wie wäre das, wenn alles gleich bliebe, nur sie würde sich verändern? Oder andersherum: alles veränderte sich, außer ihr? Wäre das Stillstand? Gibt es das überhaupt; Stillstand? Ist nicht immerzu alles in Bewegung in das Nichts hinein, aus dem Nebel hinaus.

Nebel. Als wäre das ein Ziel.

 

Wie viel Gewicht der eigene Körper bekommt, wenn er verlassen wird. Erleichtert um das Versprechen des Gemeinsamen.