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Ein verletzliches Werk. Und der Schatten der Unvernunft, der das wieder sichtbar macht, was zuvor im grellen Licht verdampfte. Kondensate. Auf dem Weg Eiskristalle zu werden. Wir verlaufen uns in den Irrwegen, den bestrickenden Mustern, die unser Hirn webt, damit wir das Netz der Vernunft nicht verlassen.

 

Möglichst wenig Spuren hinterlassen, schreibt Ilse Aichinger. Langsam beginne ich zu begreifen, wie richtig das ist.

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Positionen

In einer bestimmten Position, sehe ich aus dem Fenster lediglich ein Stück Himmel. Mal blau, mal grau, mit Schäfchenwolken geschmückt, oder nackt. Aber eben nur diesen Himmel. Der überall sein könnte. Keine Bäume, keine Häuser, die ihn lokalisierbar machen, ihn geografisch festschreiben.
Vielleicht geht es mir so mit meinen Schreiben. Vielleicht ist das Bild eine Erklärung für meine momentanen Schwierigkeiten. Ich will von Anfang an nur diesen Ausschnitt, der so allgemein ist, dass man mich dahinter nicht erkennen kann. Als wäre Schreiben möglich, ohne sich erkennen zu geben. Als wäre es wirklich möglich, mit dem Schreiben die Spuren zu verwischen. Die Spuren eines wenig geglückten Lebens verwischen mit Sätzen, die von einer Erhabenheit sind, die mich weit zurücklässt.

Erster Tag

Es fängt beinahe unheimlich an. Ich habe einige unzusammenhängende Zeilen geschrieben, die dann doch ihr Thema fanden: Spuren. Später dann lese ich die ersten Seiten der Erfindung der Einsamkeit und stoße auf der zweiten Seite auf diesen Satz: „Was mich beunruhigte, war etwas anderes, etwas, das mit dem Tod oder meiner Reaktion darauf nichts zu tun hatte: die Erkenntnis, daß mein Vater keine Spuren hinterlassen hatte.“

Gleichzeitig kommt mir das Gedicht Die Liebe von Hilde Domin in den Sinn.

Was sind Spuren? Was bedeuten uns Spuren? Etwas, das zurückbleibt? Etwas, dem wir folgen können? Eine Hinterlassenschaft, oder ein Wegweiser, eine Orientierung, um sich nicht vollkommen in sich selbst zu verlieren, also so etwas wie eine Hand, die man dem anderen reicht, als Bitte um Hilfe, oder als freundliches Winken? Hat mein Vater Spuren hinterlassen? Spuren, die nach so vielen Jahrzehnten noch sichtbar sind?

Spuren, wie nah dieses Wort am Spüren liegt.

 

[übrigens: bei dem Link auf das Gedicht müsst ihr weiterblättern, es besteht aus mehreren Strophen, die jeweils auf einer eigenen Seite stehen]