06. Februar

Weder das eine noch das andere gelingt mir. Ich kann nichts wirklich bedeutsames formulieren, aber ebenso wenig gelingt es mir, zu schweigen.

Aus Schweigen

Hier und da ist einer, der traut sich was. Ich aber, schweige mich aus. Als wäre das ein altes Hausmittel gegen Grippe. Als würde man so eine Krankheit los, und gewänne Gesundheit zurück.

Zu viel

Es sind hauptsächlich zwei Dinge, die mich derzeit diesen Blog hier in Frage stellen lassen: zum einen gibt es so viel, viel zu viel von allem. Zu viele Blogs, zu viele Bücher, zu viele Kritiken und zu viele Diskussionen darüber. Ich finde mich nicht mehr zurecht, mir wird das alles zu viel. Und ich habe das Gefühl, ich sollte besser schweigen als dem Vielen ein noch mehr hinzuzufügen.

Was zum zweiten Punkt führt: ich glaube nicht, dass ich etwas zu sagen habe. Nichts wirklich relevantes. Mein Schreiben hier ist seit einiger Zeit ein um mich selbst kreisen. Kann sein, dass das notwendig ist. Dennoch langweilt es mich. Und ich denke nicht, dass ich diese Langeweile auch noch teilen sollte.

Vielleicht werde ich von Zeit zu Zeit auf Entdeckungen hinweisen, die ich gemacht habe. Vielleicht bleibt es hier aber auch so lange still, bis ich das Gefühl habe, wieder etwas zu sagen zu haben, dass sich für andere zu lesen lohnt.

Stimmen

Ich höre ihre Stimmen. Stimmen auf der Schwelle zwischen Kindheit und Erwachsen Werden. Und ich bin froh, dass das, was sie rufen oder tun, keine Erinnerungen hervorruft, keine Vergleiche, oder das Gefühl, zu wissen, was in ihnen vorgeht. Nur eine große Fremdheit und Einsamkeit.

Ich weiß nicht, wie ich warten soll, wenn meine Zeit doch so begrenzt ist. Sie wissen nichts von diesen Grenzen, sie sind so sehr verankert in der Gegenwart, dass sie tatsächlich unsterblich sind. Diese Trennung ist so vollkommen und absolut, dass eine große Beruhigung darin liegt. Eine gewisse Unerschütterlichkeit. Genährt von hartnäckigem Schweigen.

 

(1)

Es gibt, glaube ich, diesen Unterschied ob man einfach schreibt, oder ob man beim Schreiben immer implizit über Literatur, über Sprache nachdenkt. Oder, um es mit Ilse Aichinger auszudrücken; ob beim Schreiben das Schweigen dominiert, oder eben nicht.

 

Tanderadei

Die aussterbenden Sterne einer untergegangen Stadt. Reisen in die Rückwärtigkeit. Die einen schweigen, die anderen vertiefen sich in das Sprachlose. Während der Mond. Tanderadei.

I

Nur noch aussprechen, was wirklich notwendig ist, und im übrigen schweigen. Wie Ilse Aichinger für ein Jahr nur einen Satz notieren, oder ganz unter Ausschluss der Öffentlichkeit schreiben, wie Salinger all seine letzten Jahre, Jahrzehnte.

 

06. Februar

Immer noch nicht begonnen, die Odysee zu lesen. Bzw. schon begonnen, mehrmals bereits, aber ohne in irgend eine Art von Lesefluss zu kommen, so lange tauchen nur ständig neue Namen auf, es geschieht nichts.

Seit zwei Tagen blauer Himmel und strahlender Sonnenschein. Gestern morgen beim Frühstück mit P. beobachtet, wie der Mond immer wieder durch die Wolkendecke brach und dabei bizarre Muster zeichnete.

 

Als wenn man vom Glück reden könnte. Als wenn man von etwas reden könnte, das feststeht, um es so in Bewegung zu bringen. Als wenn die Worte wüssten, wohin sie gehören, und nur wir sind es, die sich ihnen immer wieder in den Weg stellen. Und nennen das Zeit. Und Geschmack. Stolz und Gewinn.

Ohne Worte über das Schweigen nachdenken. Was ist Schweigen? Und wie dumm bin ich, wenn ich behaupte, das Schweigen ernst zu nehmen, es aber nicht verstehe? So ein kleines Ego, das das Leben verschweigt.

Es war einmal ein Glück. D.h. es war einmal ein Blick zurück. Und dieser Blick hat nichts zu tun mit dem, was man vorfindet, wenn man irrtümlicherweise wirklich zurückkehrt nach Hause. Zum Ursprung. Der Kerl mit dem Strick und der Kuh. Mag sein, dass wir alle etwas suchen. Um so besser, wenn es das nicht gibt. Was sind erfüllte Wünsche gegen die Sehnsucht?

Hauptsache wir bleiben in Bewegung. Hauptsache, die Schritte, die sich in sieben Jahren ansammeln können, sind lang und im Bett liegt Dornröschen (schon wieder) und sucht nach der Erbse, mit der sie ihre Existenzberechtigung beweisen kann.

13. Dezember

Schweigen, das ist ja etwas grundsätzlich anderes als Verstummen.

Du hörst Stimmen, die etwas anderes verwenden als Sprache.

 

Ein Blog, daran versuche ich mich immer wieder zu erinnern, wobei Sichten und Ordnen und natürlich fortlaufend sehr gute Verstärker sind, ist ein Ort, an dem man sich langsam über etwas klar werden kann, ein Platz an dem Fehler gemacht werden dürfen, an dem gescheitert und geirrt werden darf.

 

Aber auch ein Ort, an dem ich über Dinge reden kann, für die ich sonst vielleicht keine Zuhörer finde.