Ameisenstraßen in Form eines Fragezeichens

Es ging mir gut im Schatten eurer Weisheit. Die meiste Zeit hielt mich mein Unverständnis warm. Ich durfte nur nicht zu genau hinsehen und eifrig weghören, wenn man mich fragte, wer ich bin. Früher lautete die Frage: was willst du einmal werden und ich konnte antworten: irgendetwas zwischen einem Aprikosenbaum und einer Ameise. Heute soll ich angeben, wo genau ich auf der Strecke zwischen den beiden bin. Das ist ebenso ermüdend wie unmöglich. Also halte ich mich hin. Präsentiere eine sorgfältig polierte Oberfläche und hoffe, dass erneut ein Schatten auf mich fällt.

Glaube

Das Licht malte Kreuze in die Zimmer, wie in den minimalistischen japanischen Kirchen. Es gab die Augen der Kinder. Und niemanden mehr, der sie ansah. Es gab die Trauer. Und keine Möglichkeit, sie zu teilen.

Keine Augenblicke, keine Wut, nur diesen tauben Schmerz und das Versprechen, er werde ewig bleiben.

Alte Schattenbilder, neue Schattenbilder.

Das Beste, was du erreichen kannst, ist eine gewisse Ähnlichkeit.

Und dann der Moment. Das Messer.

Wenn keiner dir glaubt.

 

Dieser Tag

Die Entfernung einer vertrauten Betrachtung
Da fließt die Hoffnung
(so ein bedächtiger Fluss)
die trägen einsilbigen Worte
der wiederholte Versuch
eigenmächtig die Sonne zu blenden
damit der Moment die Schatten verschluckt
das Fortdauern der Verständnislosigkeit
der leise Verrat der Begriffe
die Bedenkenlosigkeit eines traumlosen Glücks
die Oberfläche die sich auf die Bedeutung legt
so gerissen belanglos
wie dieser Tag

(52)

Sebastião Salgado: „Schwarz-weiß ist eine Abstraktion, es erlaubt mir die Konzentration auf das, was ich Würde nenne, auf das Essenzielle.“

 

Ein Satz, den ich nur halb verstehe. Ästhetisch leuchtet mir das völlig ein, Abstraktion, keine Ablenkung durch Farben, nur Formen, Licht und Schatten. Aber wenn es um Würde geht, um das Essenzielle (was ist das Essenzielle?), sind da nicht gerade die Grautöne wichtig? Macht da eine reine Abstraktion nicht alles kaputt?

 

Schatten

Schatten - Isla volante
Schatten – Isla volante

Was sie niemals hinnehmen wollte, war die Unfähigkeit des Meeres, Schatten zu spenden.

Licht brechen, Licht schlucken, sich anziehen und abstoßen lassen vom Mond. Aber kein Schatten aus Wasser.

Um Schatten zu spenden, musst du Wurzeln haben, hatte ihre Mutter gesagt. Sie hatte ihre Asche im Meer versenkt. Ihre Worte wurde sie nicht los.

 

Ein Mann

 

Es gibt einen Mann. Er hasst mich.

 

Wir spielten uns unsere Schatten zu

 

wir trafen uns mit unseren Schatten.

 

Wir warfen unsere Schatten auf das Licht

 

das die Bäume vor der Tür in die Landschaft legten.

 

Dann traten wir aus dem Schatten

 

wie aus einem Haus.

 

 

Wir versuchten es anders zu machen.

 

Du wirfst Deinen Schatten voraus

 

und ich komme nach

 

sagte ich.

 

Aber der Mann der mich hasst

 

traute mir nicht.

 

Er dachte ich könnte schneller laufen als er

 

(ich kann schneller laufen als er)

 

und ihm seinen Schatten wegnehmen.

 

Dann hätte ich seinen Schatten in der Hand

 

und würde vor ihm herlaufen.

 

 

Du hast ja einen Schatten

 

würde er sagen.

 

Nein zwei würde ich entgegnen

 

und Du?

 

Ich hasse Dich würde er antworten

 

Und einen Schatten nach mir werfen.

 

Weiß der Himmel woher er den schon wieder hat.