Warten

Du musst die Träume von den Bäumen pflücken, sagte ihr Vater. Aber du darfst sie nicht anschauen. Lege sie in einen gläsernen Sarg und begrabe sie unter dem Laub des Lebens.
Dann musst du warten, sagte er. Ein ganzes Leben lang haben wir dir beigebracht, wie Warten geht. Das Warten ist der einzige Weg, den jeder betreten kann.
Deine Mutter, sagte ihr Vater, die glaubt an Flügel, an Engel, an den Wind. Aber das sind nur andere Namen für das Warten, glaub mir.
Es ist wichtig, dass eine glaubt, wenn sie wartet. Dann verlieren die Träume die Farbe und ergeben ein Bild.

Sieben

Ich werde nie darüber hinweg kommen. Ich bin mir selbst die sieben Berge, hinter denen ich mich verstecke. Aber die Erinnerung findet mich, um mir in ständig wechselnden Verkleidungen aufzulauern, und mich zu vergiften. Bleibt die Frage, wer die sieben Zwerge sind, die mich immerhin ein paar Mal retten und ins Leben zurückholen. Bleibt die Frage, wann mir der Apfelschnitz im Halse stecken bleibt, oder ob ich schon im gläsernen Sarg liege. Bleibt die Frage, ob ich den Prinz, der mich retten und heiraten will, nicht sofort vor den Kopf stoße. Bleibt die Frage, wie man das aushält, ein Leben ohne klar erkennbaren Sinn.