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„Den Tag ins Bett legen“ – ein Druckfehler, der voller Poesie ist, einen Raum voller Möglichkeiten öffnet.

Der Raum wird warm, weitet sich, während die Erwartungen abkühlen, sich zurückziehen.

Wie die Dunkelheit uns verschwinden lässt, um der Vorstellung von etwas anderem, davon, wie wir sein könnten, Raum zu schaffen.

12. Januar

Die Lichter der Stadt. Der Raum der Nähe. Wie das eine verblasst, während das andere verschwindet, und was bleibt, ist der Raum der Literatur, der scheinbar unbegrenzte Möglichkeiten bietet, weil er sich sogar dann noch verändert, wenn etwas festgeschrieben steht.

Zukunft

Ich weiß nicht, was für ein Wort das ist: Zukunft. Eine Zunft, eine Kunde. Etwas, das funkelt. Störsignale sendet, die die Gegenwart verzerren. Etwas, in dem man Zuflucht sucht, während man sehr still am Abgrund eines wunderbaren Gebirges steht. Einen Stein muss man anheben, aber welchen? Und weil man nicht spürt, welche Entscheidung die richtige ist, steht man still, wächst zitternd in den Boden bis die Lawine einen überrollt. Begräbt. Und keine Raum mehr. Nirgends. Nur fremdbestimmte Mitte. In der man feststeckt. Rundherum.

27. Januar

Der kleine Raum und in diesem Raum die grenzenlose Einsamkeit. All die erzählten und unerzählten Geschichten, die in dieser Einsamkeit liegen, wie Samen, geborgen von den Buchstaben, die versuchen, sie auszudrücken und wie tröstend das sein kann, wenn es gelingt.

 

Nach Knausgard jetzt endlich die Odysee lesen. Schließlich irre ich herum in meinem eigenen Leben, laufe vor mir weg, hole mich immer wieder ein, ohne jemals wirklich anzukommen. Als hätte ich mir schon sehr früh beigebracht, mich hinter den Worten zu verstecken, statt zu lernen, durch die Buchstaben hindurch etwas zu erkennen, was sich nur deshalb vor mir versteckt, weil ich es so lange schon übersehe.

 

 

Form

In Anthropologie des Wasser betrachtet Carson Buße als Form.

Was ist eine Form?

„Aber Tatsachen“, schreibt sie, „nach denen wir auf Fotos oder in historischen Berichten fahnden, formen sich mal so, mal so.“

 

Ich weiß nicht, ob man wirklich abschließen kann mit den Dingen, sie so hinter sich lassen, dass sie eine Teil von einem selbst werden, so selbstverständlich wie die Lungen, die sich mit Atem voll saugen und ihn wieder ausstoßen.

Abschließen beschwört ja das Bild einer Tür hervor, die sorgsam verschlossen wurde. Aber hinter dieser Tür ist ein Raum voll mit dem, was ausgeschlossen wurde.

Gedankenräume

Was ist das? Wie kann man sich weiterbewegen, einfach weitermachen, ohne den Raum? Ich spreche nicht von Platz. Ich spreche nicht davon jeden Morgen zusammengepfercht mit vielen anderen fremden Leibern in der Straßenbahn zu stehen und das Leben draußen zu lassen. Ich spreche nicht davon an der nächsten Haltestelle (wenn du Glück hast, ist es die richtige Haltestelle) mit einem großen Teil dieser Menschenmasse ausgespuckt zu werden.

Ich rede von den Gedankenräumen. Davon, wie es ist, wenn man sich nicht mehr vorstellen kann, wie alles auch ganz anders sein könnte als es ist.

 

Wärme

Es wird sein wie immer, sagte sie sich.

 

Einer wird reden, die anderen werden schweigen.

 

Das Verständnis bleibt draußen vor der Tür.

 

Die Zeit verstreicht,

 

in den nüchternen Momenten vergeht sie einfach nur.

 

Diejenigen, die noch Träume haben,

 

tun gut daran, sie für sich zu behalten.

 

Die Wärme hält sich im Raum, bis jemand die Tür öffnet.

 

 

Bis Z

Die Vögel, die wieder in den Süden zurückgeflogen sind, weil es hier zu kalt ist.

Ihre zuckersüße Stimme.

Ein Mann, der sich vornimmt, so lange mit der Angebeteten spazieren zu gehen bis sie ihn liebt. Eis und Arbeit, Vergnügen und Mühe. Und ein Vogel, aber kein Zwitschern. Die Zeit und ihr Verlauf. Gegensatzpaare oder Ergänzungen. Oder nur Aneinanderreihungen.

Ein Zimmer, das immer kleiner wird, um Raum zu schaffen. Wofür?

Für das Unsichtbare. Unsagbare. Das worum es wirklich geht.

Kinderbilder an der Wand und verblassende Erinnerungen. Schriftverkehr und falsche Vermutungen.

Der Verlust eines Körpers. Fehlleistungen und Geheimschriften.

Zwecklosigkeit.

Von A wie Affe, Anfang, Abraham, Abtreibung.

Angst als Motor von allem.

Siebter Tag

Wie der Schädel den Körper einschließt, alles eingrenzt, oder die Grenzen aufhebt, die Macht der Vorstellung, die Freiheit, Leichtigkeit der Intention. „Erinnerung als ein Zimmer, als ein Körper, als ein Schädel, als ein Schädel, der das Zimmer umschließt, in dem der Körper sitzt.“

Wie die Erinnerung einschränkt und beschränkt. Einen Raum schafft. Aber auch die Tür verschließt.

Noch ein Zitat:

„Die Kraft des Gedächtnisses ist wunderbar“, bemerkte der heilige Augustinus: “ Es ist ein gewaltiges, unermeßliches Heiligtum. Er kann seine Tiefen ermessen? Und doch ist es eine Fähigkeit meiner Seele. Gewiß ist es ein Teil meines Wesens, doch vermag ich mich nicht zur Gänze zu verstehen. Somit ist also der Verstand zu enge, sich selbst vollständig zu enthalten. Wo aber befindet sich jener Teil von ihm, den er nicht in sich selbst umschließt? Ist er irgendwo außerhalb seiner selbst und nicht in sich selbst? Wie kann er dann ein Teil davon sein, wenn er nicht darin enthalten ist?“