08. Februar

Es ist jetzt an der Zeit sich zu besinnen, wie persönlich Politik ist, schreiben kluge Menschen in Zeitungen und anderen Medien. Dass es nicht genügt Haltungsnoten an die Politiker zu vergeben, wenn man sich nicht selbst die Mühe macht, eine Haltung zu entwickeln und bestenfalls zu verteidigen. Natürlich bezieht sich das in erster Linie auf Trump und Bannon, auf all diese noch vor kurzem unvorstellbaren Dinge, die jetzt in Amerika geschehen, die das Land tief spalten in Beschämte und Unverschämte. Man sollte dazu den Beitrag vom 05. Februar von André Spiegel  auf seinem Blog fortlaufend lesen.

Aber das alles geht natürlich weiter. Da ist die anstehende Wahl in Frankreich und damit verbunden die Gefahr, dass Europa nicht nur in noch größere Schwierigkeiten gerät, sondern sich gänzlich auflöst, da ist überall so viel Bedrohung und Angst und geschürte Ressentiments, dass eine Meldung wie die, dass in Rumänien die massiven Demonstrationen der Bevölkerung tatsächlich etwas bewirkt haben, schlicht untergeht.

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22. September

Vielleicht liegt es auch daran, dass ich nicht gerne halb ausgegorene Gedanken niederschreibe, bzw. schon niederschreibe, aber nicht gerne öffentlich mache. Zum Beispiel die Frage, die jetzt immer wieder aufkommt, ob die große Hilfe der Freiwilligen für die Flüchtlinge nicht letztendlich den Politikern ermöglicht, weiterhin untätig zu bleiben, dabei bin ich davon überzeugt, dass andererseits gerade das große öffentliche Engagement dazu geführt hat, dass die Politik endlich begonnen hat, sich konstruktiv mit der Flüchtlingsproblematik auseinander zu setzen. Ebenso wahr ist, dass die Verantwortung nicht allein bei der Bevölkerung liegen darf, dass nicht politische Aufgaben delegiert werden dürfen an Freiwillige.

In der Zeit vom 10. September schreibt Slavoj Zizek, dass das Elend der Menschen, die aus „gescheiterten Staaten“ nach Europa fliehen, eine direkte Folge des ökonomischen Kapitalismus ist, den die Großmächte ausüben.

Er bietet die Forderung an: „Respektiert die anderen nicht einfach nur, bietet ihnen einen gemeinsamen Kampf an, da unsere Probleme heute gemeinsame Probleme sind.“ Nämlich die Auswirkungen eines global herrschenden Kapitalismus, der dingend transformiert werden muss.

Und vielleicht ist es ebenso wichtig, sich Gedanken um all diese Forderungen und Zusammenhänge zu machen, wie tatkräftig zuzupacken und zu helfen, wo man kann.

 

Ausreden

Ein Satz, der sofort als ich ihn gelesen habe, getroffen hat. Und der mich seither nicht loslässt.

Maruša, Du warst so politisch, dass ich Angst davor hatte, mit Dir über Politik zu reden (weil ich dachte, ich verstünde nichts. Dabei ist das nur eine Ausrede. Jeder versteht).  Du hast es zuwege gebracht, diese zwei Dinge zu vereinen, die sich für mich ausschließen: Menschlichkeit und eben Politik.

Der Satz ist von Andrea Stifter und steht in einem Nachruf auf die slowenische Dichterin Maruša Krese und gefunden habe ich ihn in der Lyrikzeitung.