Kunst

“Kunst ist nicht Reinheit, sie ist Reinigung. Kunst ist nicht Freiheit, sie ist Befreiung (…) sie ist nicht Unschuld, sondern Unschuldigwerden. Vielleicht sind deshalb Ausstellungen von Kinderzeichnungen, so schön sie sein mögen, nicht eigentlich Kunstausstellungen. Und deshalb wäre es, wenn die Kinder malen wie Picasso, vielleicht gerechter, Picasso zu preisen als die Kinder. Das Kind ist unschuldig, Picasso ist unschuldig geworden.“

(Clarice Lispector)

Lee Miller – Die Nachkriegszeit

Beinahe zehn Jahre lang wurde Miller vom MI 5 überwacht. Der Britische Geheimdienst wurde zunächst wegen Roland Penrose, Millers zweiten Ehemann, auf sie aufmerksam. Penrose wurde verdächtigt mit dem stalinistischen Regime Russlands zu sympathisieren. Auch die Freundschaft Millers zu Wilfred McCartney, einem ehemaligen Mitglied der KPD, der wegen Spionage für Russland jahrelang inhaftiert war, machte Miller dem MI 5 verdächtig. In den Berichten des Geheimdienstes wird Miller als „violently anti-Nazi“ beschrieben.

Chris Andrew, Geschichtswissenschaftler beim MI 5 schreibt über Lee Miller: „What is not sufficiently realises is that her career was absolutely unique in British History. There had never been anybody like her before, there’s no reason to think there will be anyone like her again.“

Während Miller die Zeit als Kriegsberichterstatterin scheinbar schadlos überstand, begann das Leiden in den Friedenszeiten. Nach Ende des Krieges reiste sie noch eine Weile durch Europa, um die Folgen des Krieges zu dokumentieren.

Die Trennung von Sherman, ihrem Partner während der Kriegsreportagezeit, verstärkte ihre Lethargie. Erst als Sherman ihr telegrafiert, „Go home“, kehrt sie endlich zurück zu Penrose.

1947 wurde sie schwanger und heiratete Penrose. Im September 1947 wird ihr Sohn Antony geboren. Im April schreibt sie einen Artikel über die Geburt für die Vogue. Gelgentlich macht sie noch Modeaufnahmen. Sie beginnt über Kunst zu schreiben und macht Porträtaufnahmen, überweigend von Künstlern. Eine wirkliche Neuorientierung gelang ihr jedoch nicht.

Lee Miller und ihr Sohn Anthony

Ihr Arzt diagnostizierte [in offener Verkennung des posttraumatischen Zustandes, unter dem Miller mit ziemlicher Sicherheit litt]: „Ihnen fehlt nichts. Aber wir können die Welt nicht permanent im Kriegszustand halten, damit Ihr Leben aufregend bleibt.“

Miller leidet unter Depressionen, vermutlich aufgrund der nicht erkannten posttraumatischen Belastungsstörungen, die sie mit Alkohol „behandelt“. Die Arbeit fällt ihr schwerer, es wird immer unmöglicher, Termine einzuhalten, so dass Penrose Whiters schließlich überredet, Lee keine Aufträge mehr zukommen zu lassen.

Millers Depression verstärkt sich, als Penrose sich ernsthaft in eine andere Frau verliebt. Erst ein längerer Aufenthalt Lees in Amerika bringt Entspannung. Während der Arbeit von Roland Penrose an einer Picasso Biografie, begleitet Miller ihren Mann bei der Recherche und bei Besuchen bei Picasso, dabei entstehen eindrucksvolle Fotos. Dennoch ist ihre Foto-Karriere weitesgehend Vergangenheit. Nach und nach gelingt es ihr,  den Alkohol in den Griff zu bekommen. Die fehlenden Fotoaufträge kompensiert sie durch eine neue Leidenschaft, das Kochen surrealistisch inspirierter Speisen.

1977 stirbt Lee Miller auf Farley Farm an Magenkrebs.

Dora Maar

Theodora Markovitch am am 22. November 1907 in Paris zur Welt, zog aber drei Jahre später nach Buenos Aires und kehrte erst 1926 wieder nach Paris zurück. Dort legte sie sich ihren Künstlernamen Dora Maar zu und betrieb mit Pierre Kéfer ein gemeinsames Studio. Man Ray hatte sie zunächst als Assistentin abgelehnt. Das Doppelporträt mit Huteffekt, von 1930, zeigt schon Maars Lust am Experimentieren, ihre Freude Negative zu zerschneiden und neu zu kopieren.

Bereits in dieser Zeit engagierte sie sich stark für die politische Linke, 1934 unterzeichnete sie den Aufruf zum Generalstrei  gegen den Vormarsch des Faschismus. Ihre Reisebilder aus Barcelona oder London sind von ihrem sozialen Engagement gekennzeichnet.

1934 eröffnete Dora Maar ein eigenes Studio in der Rue d’Astorg 29. 1935 schliesst sich Maar für kurze Zeit der Contre-Attaque Bewegung an, zu deren Begründern auch Claude Cahun und Paul Eluard gehören. 1936 gehört Dora Maar bereits zum festen Kreis der Surrealisten. Ihr Bildnis von Ubu avancierte zur berühmten Ikone des Surrealismus.

 

1936 lernte Dora Maar Picasso kennen und wurde seine Geliebte. Aus der eigenständigen Künsterlin wurde eine Muse. Zwar war sie ihrem Geliebten Picasso auf dem Gebiet der Fotografie überlegen, aber nach Fertigstellung einer Fotoserie von der Entstehung der Guernica, drängte Picasso Maar, die Fotografie aufzugeben und zu malen.

 

Dora Maar wurde von der Begegnung mit Picasso regelrecht absorbiert. So schrieb der Kunstsammler Heinz Berggruen: „So wie ich sie kannte – und ich kannte sie recht gut seit den frühen fünfziger Jahren […] – war sie in allen Höhen und tiefen ihres von Tragik getränkten Lebens ein Teil des Planeten Picasso.“

Als Dora Maar am 16. Juli 1997 stirbt, ist ihr eigenes Talent endgültig hinter dem „Planeten Picasso“ verschwunden.