Saša Stanišić

Sasa Stanisic möchte auf einer Pegida Demo Hölderlin, Tucholsky und Karl May vorlesen. Allein diese Formulierung „versorgte Bürger“ ist so großartig, dass ich mich verneige. Aber was ich wirklich liebe, ist dieser Glaube, diese nicht kaputt zu machende Hoffnung, dass Literatur die Kraft hat, Dinge zu verändern, indem sie Menschen verändern könnte, wenn die bloß lesen und zuhören würden.

Advertisements

21. Oktober

Gestern habe ich geschrieben, dass es vielleicht die Aufgabe unserer Kinder, der nächsten Generation ist, einen Boden zu bereiten, auf dem wir uns gerade mit dem Fremden, konstruktiv auseinander setzen können. Was natürlich Blödsinn ist, denn das „Problem“ ist jetzt da. Die Menschen, die noch immer zu Tausenden nach Europa und speziell nach Deutschland flüchten, unerträgliche Sätze, die auf Pegida Demonstrationen gesprochen werden und dazwischen ganz viele zutiefst verunsicherte Menschen, die nicht wissen, wie das alles weitergehen soll. Dazu finde ich einen Artikel, den ich gerade gelesen habe, sehr empfehlenswert. Die Verfasserin spricht sich dafür aus, offen zu bleiben für die Ängste und Fragen, statt weiter im Schwarz-weiß Denken zu verharren; hier die Guten, die helfen und Refugees wellcome Schilder hochhalten und dort die Bösen, die Pegida hinterherlaufen und die Grenzen am liebsten schnell wieder schließen wollen.

wenn wir wollen, dass integration funktioniert müssen wir damit innerhalb unserer gesellschaft anfangen und auch die teile der gesellschaft mitnehmen, die uns fern sind und deren fragen wir uns gerne entziehen, vielleicht weil wir selbst die antwort nicht wirklich kennen. oder weil uns die frage am schopf unserer politischen korrektness und verklemmtheit packt. oder weil wir uns ertappt fühlen, weil uns selbst diese frage umtreibt wir uns aber nicht trauen sie zu stellen aus angst als tendenziell rechts dazustehen.

schreibt die Autorin und noch ganz viele weitere kluge, nachdenkenswerte Dinge.

20. Oktober

Zum Frühstück Nachrichten von der Pegida Demonstration und Gegendemonstration gestern gelesen. Von den Ausschreitungen. Abscheu und Angst. Die Frage, warum sich alles radikalisiert, warum es nicht gelingt, Gespräche zu führen, sich friedlich und konstruktiv auseinander zu setzen.

Vielleicht ist das der nächste Entwicklungsschritt, der den unsere Kinder bewältigen müssen, und wir haben immerhin erreicht, dass sich frühzeitig massiv Widerstand formiert.

Und zum Trost noch dieses Gedicht, das heute Text des Tages auf Fixpoetry ist.

(7)

Pegida, und jetzt der Anschlag auf Charlie Hebdot in Paris. Hass und Gewalt. Als wäre das alles sehr lange unterdrückt worden (aber nie überwunden) und bricht jetzt aus.

Dazu dieser wütende, aber leider in viel zu vielen Punkten sehr wahre Beitrag.

Oder Anousch, die fragt, wann endlich das postreligiöse Zeitalter beginnt.