22. September

Vielleicht liegt es auch daran, dass ich nicht gerne halb ausgegorene Gedanken niederschreibe, bzw. schon niederschreibe, aber nicht gerne öffentlich mache. Zum Beispiel die Frage, die jetzt immer wieder aufkommt, ob die große Hilfe der Freiwilligen für die Flüchtlinge nicht letztendlich den Politikern ermöglicht, weiterhin untätig zu bleiben, dabei bin ich davon überzeugt, dass andererseits gerade das große öffentliche Engagement dazu geführt hat, dass die Politik endlich begonnen hat, sich konstruktiv mit der Flüchtlingsproblematik auseinander zu setzen. Ebenso wahr ist, dass die Verantwortung nicht allein bei der Bevölkerung liegen darf, dass nicht politische Aufgaben delegiert werden dürfen an Freiwillige.

In der Zeit vom 10. September schreibt Slavoj Zizek, dass das Elend der Menschen, die aus „gescheiterten Staaten“ nach Europa fliehen, eine direkte Folge des ökonomischen Kapitalismus ist, den die Großmächte ausüben.

Er bietet die Forderung an: „Respektiert die anderen nicht einfach nur, bietet ihnen einen gemeinsamen Kampf an, da unsere Probleme heute gemeinsame Probleme sind.“ Nämlich die Auswirkungen eines global herrschenden Kapitalismus, der dingend transformiert werden muss.

Und vielleicht ist es ebenso wichtig, sich Gedanken um all diese Forderungen und Zusammenhänge zu machen, wie tatkräftig zuzupacken und zu helfen, wo man kann.