(24)

Was wir getan haben, und was wir zu tun versäumt haben.

Nebel senkte sich wie ein Trauerflor über das Gebäude, als wir gingen.

30. Dezember

Der Nebel, der Schnee. Und in den Träumen, die Sehnsucht.

Die Frau mit dem regenbogenbunten Kragen an der Kaputze, und daneben eine junge Schönheit. Wie Frida Kahlo ohne Schmerzen.

(22)

Ein Teil von mir ist längst schon tot. Ein anderer lebt weiter. Kein Rhythmus gibt es her diesen toten Teil wieder auferstehen zu lassen. Wir suchen die Bedeutungen in der Form, stoßen uns wund an unseren Gedanken. Schrankenwärter der Vernunft.

Eines Tages erwachte E. mit einem Todesgedanken, mit den Resten einer längst verfaulten Haut.

Die Form verändert uns. Oder verändern wir uns nur auf die schrecklichste Weise, weil wir an der Form festhalten, die wir für uns selbst halten und die doch vergehen muss, verschwinden, immer weniger werden, sich auflösen in wohlwollend durchsichtigen Nebel, damit etwas frei gesetzt wird, entweichen und heimkehren kann, das wir nicht mehr ich nennen, das uns im wahrsten Sinne des Wortes ausmacht?

Die Schüchternheit der Novembersonne

Die Wiederholungen am Telefon

Die vorgebliche Begriffsstutzigkeit

Ein inwendiges Verschwinden

Verstreichen

Am Ende des Korridors wird eine Tür zugeschlagen

 

Der Regen spült die Ränder rund

Der Regen spült den Mond vom Himmel

Der Regen spült dem Himmel die Flausen aus dem Kopf

Der Regen

 

Er betritt das Gasthaus

Sein inwendiges Verschwinden

Bei Regenwetter am Telefon

Die nasskalten Häuser

Die regennassen Straßen

Die Einkehr zur Umkehr

Der einzige Gast

Das Telefon grün mit Wählscheibe

Der Kupferbart des Wirtes

Die Geräusche aus der Küche

Die Kellnerin mit der Heuschrecke in der Hand

Das Fahrtwasser das Regenwasser

Die nächtlichen Wolken

Abhandlungen über den Mond

 

Die Kellnerin am Telefon

Er kommt nicht

Ihr Kopfschütteln

Er kommt nicht

Ein inwendiges Verschwinden

Ein Regentag

Die Nacht die die Worte sorgfältig zerlegt

Bevor sie sie verschluckt

November

Der König erhebt sich und springt

In den November Nebel

In dem ich sitze und nach Erinnerungen suche

Sachen wie Tautropfen auf Spinnenweben

Und blanke Äste die aus dem Nebel plötzlich

Nach mir greifen. Statt dessen der Kalender

Mit den Jahrestagen und wie die

Feuchtigkeit die Schrift verwischt.

Wir kommen aus dem Wasser

Sagt der König

Er ist freundlich

Er verbeugt sich

Bevor er untertaucht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rom

In Rom wuchs mir einmal Nebel aus dem Zeigefinger, weil ich nie dort war. Weil dort ein Unort war und ich auf der Suche, das heißt abseits des Weges. Und blind für Zeichen, aber froh über die Botschaften, die ich nicht verstand. Wer braucht schon meinen Verstand, dachte ich. Ich wollte die Gedanken so gerne in Nebel verwandeln, dann hätte mein Zeigefinger mir Rom vernebelt.