Parallelgeschichten (2)

Und wieder der Körper, sein Altern, sein Geruch, Krankheiten.

Aber auch die Schönheit eines fremden Körpers, die beruhigt.

Ganz massiv dann die Körper in der Saunaszene, drei Männerkörper. Textkörper und menschliche Körper und wo es trotz allem Verbindungen gibt zwischen beiden. Jedenfalls für Schriftsteller wie Nádas, die Bilder, Szenen, Architekturen für das Sprachlose finden.

Alle Geschichten hängen miteinander zusammen, auch dort, wo sie sich nicht direkt zu berühren scheinen, eher wie Parallelen nebeneinander herlaufen. Nádas spannt ein unglaublich detailliertes feinmaschiges und dennoch weites Netz, in dem jeder einzelne Faden die gleich Berechtigung und Notwendigkeit hat. Auf diese Weise, und das ist unter Umständen auch eine immanente Kritik an langen, schmerzhaften Phasen in der die ungarische Politik sich auf die eine und andere Weise von der Demokratie entfernt hatte, schreibt Nádas einen zutiefst demokratischen Roman. Länderübergreifend, zeitübergreifend, geschlechterübergreifend.

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19. März

Das erste Projekt ist jetzt tatsächlich fast abgeschlossen. Wenige Seiten fehlen noch und dann beginnt die ganz andere Arbeit, die eigentlich schon fast nichts mehr damit zu tun hat.

Die Bibel, dieses Erstlingswerk [was für ein Begriff] von Péter Nádas, das er vor zwei (oder sind es schon drei?) Jahren nicht lesen wollte und stattdessen aus einem bereits übersetzten Teil der Parallelgeschichten gelesen hat, in einen Zug ausgelesen. Solch eine Klarheit und rücksichtslose Schönheit. Schon damals als junger Mann.

Das werde ich nie erreichen denken und meinen: niemals hätte ich die Kraft, so hart zu arbeiten.

 

In all den Geschichten, die mich erreichen, die ich unerreichbar gelungen finde, geht es im Grunde um dassselbe. Um diese unüberbrückbare Einsamkeit und die Ohnmacht mit der wir es zulassen müssen, dass wir unerreichbar bleiben füreinander. Vielleicht sogar für uns selbst. Und diese Schönheit, die sich plötzlich ausbreitet, wenn das in so klaren Worten dort steht. Nur das.  Keine Lösung, keine Anklage. Nur die Klarheit einer Beschreibung. Nur das Schweigen geht darüber hinaus. Und vielleicht ist es das, was die schmerzliche Schönheit an diesen Geschichten ausmacht, das zwischen den so klar und leuchtend formulierten Sätzen das Wissen um die Notwendigkeit des Schweigens liegt. Und seine Unmöglichkeit.