Mutterbilder

Mutterbilder

Der im Sommer entstandene Tausend Mutterbilder Blog stagniert. Das liegt an mir und an der fehlenden Resonanz.

Was nicht heißen soll, dass ich nicht sehr sehr dankbar und erfreut bin über all die wundervollen Beiträge, die bisher eingegangen sind. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle, die Bilder, Gedanken, Gedichte und Geschichten beigesteuert haben!

Nichts desto trotz hatte ich mir das alles anders vorgestellt. Weniger arbeitsintensiv. Und mit einer größeren Beteiligung. Seit Wochen schon habe ich keine Beiträge mehr bekommen. Vielleicht lege ich jetzt eine Pause ein und warte ein, zwei Monate ab, wie sich alles entwickelt. Meine Motivation und die Bereitschaft von Töchtern und Söhnen, Vätern und Müttern, über dieses Thema zu reden, zu zeichnen, zu singen…

Das erste Mutterbild

wird am Montag auf dem Blog Tausend Mutterbilder erscheinen, gestiftet hat es Elisabeth Masé.

Das Bild spricht für sich, so dass es sich erübrigt, viele Worte dazu zu verlieren. Auch von Elisabeth Masé, die gerade ein sehr schönes Projekt „das Kleid“ in Berlin erfolgreich und mit großer Resonanz beendet hat, schreibe ich nicht viel. Sie hat eine sehr schöne, informative und übersichtliche Homepage, auf der sich die geneigte Leserin, einen Überblick verschaffen kann.

Ich möchte nur ganz kurz erwähnen, dass einige der im den nächsten Tagen hier präsentierten Aquarelle in ihrem vor zwei Jahren bei Kleinheinrich erschienen Bilderbuch vertreten sind. Ein Buch, in dem ich eines der Themen angedacht finde, die auch für das Mutterthema zentral sind. Der rote Faden, den Masé in viele ihrer Bilder stickt, handelt nicht zuletzt von diesem Faden, der uns zu Anfang unseres Lebens genährt hat, und der dann durchtrennt wird, werden muss. Die Nabelschnur als Verbindung aus Verletzung und Heilung, Verbundenheit und notwendiger Trennung. Ausdruck unserer Doppelnatur, unserer Verlorenheit zwischen zwei Polen. Die Notwendigkeit von Schmerz für die persönliche Entwicklung.

Insofern ist alles bereits am Anfang des Lebens angelegt; Trennung, Narbe, Entwicklung. Und, wie Elisabeth Masé es in einem ihrer Bilder auf den Punkt bringt: „Mama, die Nacht hat zwei Enden“.

 

Tausend Mutterbilder

Dass ich so viel, zumal positive, Resonanz erhalten würde, auf dieses Projekt über Mütter zu reden, über Mutterschaft und Mutterrolle und all die Bilder, die wir selbst und die Gesellschaft uns über Mütter machen, damit hatte ich nicht gerechnet. Das freut mich ungeheuer. Die ersten Texte sind bereits eingetroffen, Hinweise und Ideen und viele Äußerungen der Bereitschaft. Gleichzeitig hat sich beim privaten Lesen eine kleine vorläufige Struktur herausgebildet, und ich habe mich jetzt entschieden, dass ich einen eigenen Blog zu diesem Thema erstelle: Tausend Mutterbilder. Dort sollen nach und nach tausend Beiträge enstehen, die das Mutterbild ergänzen, einander widersprechen, neue Perspektiven eröffnen und es ermöglichen von möglichst vielen Seiten auf dieses sehr emotionale und vielschichtige Thema zu blicken. Es ist ganz ausdrücklich ein Work in progress, so dass auch in zwölf Monaten oder zwei Jahren noch Beiträge willkommen sein werden, die Struktur des Blogs wird sich vermutlich von Zeit zu Zeit ändern, weil ich nur die grobe Richtung kenne, im übrigen bestimmt ihr, wo es lang geht. In diesem Sinne freue ich mich, euch auf Tausend Mutterbilder begrüßen zu dürfen.

Mutterbilder

Im Grunde ist das Thema nicht neu. Vor zwei Jahren habe ich mich in Form der „Mutterbilder“ damit beschäftigt, und hervorgegangen war diese Auseinandersetzung aus der wiederum ein Jahr zuvor stattgefundenen Diskussion um Kompromisslosigkeit in der Kunst.

Nicht neu und nie veraltet, ist das Mutterthema eines der unerschöpflichen Themen der Menschheit. Obwohl wir seit Jahrhunderten darüber reden, was eine Mutter ist, obwohl wir alle Mütter haben, bzw. gerade deshalb, ist dieses Thema nie beendet, ist in diesem Bereich niemals alles gesagt. Und wie zutreffend es ist, dass auch immer noch nicht alles gesagt werden darf in diesem Bereich, beweist die sehr emotional geführte Debatte unter dem Stichwort „regretting motherhood“, die letztes Jahr durch das Buch der israelischen Soziologin Orna Donath angestoßen wurde.

 

Es gibt so viele Aspekte des Mutterthemas. Und alle interessieren mich.

Der gesellschaftliche Druck, die Orientierungslosigkeit, weil alles zu einer individuellen Entscheidung geworden ist, ob man Mutter werden will und wann, ob man das Kind allein bekommt, oder von Anfang an gleichberechtigt mit dem Vater aufziehen will. Darüber habe ich im Zusammenhang mit einem der Mutterbilder geschrieben, die mir Susanne Haun damals freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Neben diesem gesellschaftlichen Aspekt, aber davon natürlich nicht unbeeinflusst, existiert die sehr wichtige und weitreichende Frage, wie sich das Verhältnis, aber auch das Verständnis und die Vorstellung von der eigenen Mutter ändert, sobald man selbst Mutter wird.

Wie viel Macht hat eine Mutter, wie prägt sie ihr Kind, wie hat unsere Mutter uns geprägt?

All das interessiert mich sehr.

Und daher wünsche ich mir Geschichten von euch, über eure Mütter, über euer eigenes Muttersein, über eure Entscheidung Mutter zu sein, oder eben nicht Mutter zu werden, fiktive Geschichten oder Tatsachenberichte. Gesellschaftspolitische Überlegungen. Zeichnungen, Collagen und Bilder. Briefe und Lieder. Alles ist willkommen.

Währenddessen lese ich den Stapel Bücher durch, den ich mir zu diesem Anlass ausgeliehen und angeschafft habe, vielleicht wird ein roter Faden sichtbar, mehrere Fäden, die Muster ergeben, so dass ich gruppenweise eure Beiträge präsentieren und anhand meiner eigenen Überlegungen kommentieren kann.

Ich freue mich über jeden einzelnen Beitrag unter: muetzenfalterin@web.de.

Schon im voraus herzlichen Dank für euer Interesse und für die, hoffentlich zahlreiche und vielfältige, Beteiligung.

Ich sollte vielleicht noch ergänzen, dass nichts hier im Blog ohne nochmalige Rücksprache erfolgt, und dass die Beiträge gerne auch anonym sein dürfen. Und weitersagen ist ausdrücklich erwünscht.

Mutterbilder

Mutter und Kind Version II - Zeichnung von Susanne Haun
Mutter und Kind Version II – Zeichnung von Susanne Haun

Mutterbilder. Welches Bild sich die Gesellschaft von Müttern macht, wie wir selbst unsere Mütter sehen und später dann uns selbst als Mütter. Oder eben nicht. Wie unsere Kinder uns sehen und was das alles auch mit den Vätern zu tun hat. Das ist ein schier unerschöpfliches Thema.

Wo soll eine da anfangen?

Unvergesslich das Bild, dass Marguerite Duras sich immer wieder von ihrer Mutter erschreibt, in immer neuen Anläufen, Ansätzen, Versuche, in die sie alles hineinschreibt, was sie vermisst hat. Wie sie ihr Leiden nicht verschweigt und trotzdem Erklärungen sucht für das Verhalten der Mutter, sie verteidigt und anklagt. Am Ergreifendsten ist das für mich in ihrem Buch „Der Liebhaber“ gelungen. Dem Buch, mit dem sie endlich den Prix Goncourt gewonnen hat, von dem sie glaubte, er hätte ihr für „Heiße Küste“ zugestanden, das Buch, das sie selbst ablehnte, das sie nie wirklich gemocht hat.

Vor einiger Zeit ging es hier in diesem Blog um Mutterbilder, angestoßen durch Marina Abramovic, einer Frau, die sich bewusst gegen Kinder entschieden hat. Keine Kompromisse.

Im Rahmen der daraus entstandenen, sehr fruchtbaren Diskussion, schickte mir Susanne Haun freundlicherweise einige ihrer zu diesem Thema entstandenen Zeichnungen. In loser Reihe möchte ich nun diese Zeichnungen, angereichert durch dadurch angestoßene Ideen, veröffentlichen.

Einer der Sätze, die möglicherweise die gesamte Diskussion in sich vereinigen und auf den Punkt bringen, stammt von Louise Bourgeois. Dieses Zitat soll deshalb mit Susannes Zeichnung den Auftakt der Serie machen.

Du brauchst eine Mutter. Das weiß ich, aber ich weigere mich, deine Mutter zu sein, weil ich selbst eine Mutter brauche.“