Muster

Wir ziehen uns zurück. Wir nehmen auf und teilen aus. Das Strickmuster des Netzes und die Wolle mit der gestrickt wird.
Ich bin ein Traum, dem die Augen zufallen.
Zwei gleiche Enden, die gegeneinander arbeiten. Einer strickt, ein anderer trennt auf. Beides bin ich.

Ich lebe in einem Rahmen mit verblassender Farbe und dennoch spinne ich täglich Stroh zu Gold. Ich stellte mich blind für ihre tauben Ohren, dann schritt ich aus.

Familie

„Darum beneide ich sie“, hatte Linda eines Abends vor nicht allzu langer Zeit gesagt, als wir in einer der Ecken des enormen Parks zu Abend gegessen hatten und mit den Kindern auf dem Heimweg waren.“ […]

Es geht um eine große Menschenansammlung, mehrere Generationen umfassend, die in diesem Park grillen und reden und lachen. Knausgard und Linda unterhalten sich über das Phänomen Großfamilie und Linda sagt: […] alles konzentriert sich so auf uns, auf mich, dich und die Kinder. Stell dir vor, wir hätten etwas, worin wir verschwinden könnten!“

Ich glaube, ich verstehe, was sie meint. Das Prinzip Familie, das Phänomen Großfamilie. Das Muster das an die Stelle der Konzentration auf die einzelnen Fäden, tritt. Ein großes „wir“ statt ich, du, Kind A., Kind B., mit allen seinen Eigenarten, der Versuch, jedem, aber auch sich selbst, gerecht zu werden, oder das Ganze im Blick zu haben, das Gleichgewicht weniger als das Gewicht, das in so einer Aussagen liegen kann: Wir sind eine Familie. Und das sind wir eben tatsächlich nicht, keine Großfamilie, nur die jeweils kleinen Einheiten, die sich eher gegeneinander behaupten, als sich im großen Gesamtzusammenhang aufzulösen.

Aber natürlich hat auch das seinen Preis.

Ich glaube ein großes, vermutlich grundlegendes, Problem unserer Gesellschaft, ist die Tatsache, dass wir nicht anerkennen wollen und können, dass auch die Freiheit ihre Schattenseiten hat, ihren Preis fordert, ebenso wie der Fortschritt. Dass es vermutlich absolut nichts gibt, das nur gut ist.

05. November

Die Fäden wieder aufnehmen, bestimmte Motive, die sich durchziehen, das Muster ausmachen. Natürlich ist das auch so mit dem Leben. Die Einzigartigkeit der Muster und die Unfähigkeit, die Fäden zu entwirren. Bei sich selbst.

Geduld. Und dass das vielleicht in erster Linie bedeutet, dass man dulden soll, demütig hinnehmen, dass die Dinge sind, wie sie sind. Dass man selbst ist, wie man ist. Verworrene Fäden. Die dennoch zu einem Ziel führen. Hingabe und Entscheidung. Und wie das Verhältnis der beiden zueinander das Muster bedingt. Die Bereitschaft hinzusehen.

Statt sich blenden zu lassen.

Bereitschaft und Beschränkung.

Und wie das wiederum zusammenhängt.

II

Man versäumt sich, reißt die Ränder auf und vernäht die losen Flächen erneut. Andere sind vorsichtiger, behutsamer; lösen nur einzelne Fäden, weben sorgsam, darauf wartend, dass ein Muster entsteht.

Die Muster der Wirklichkeit

Einer sagt etwas und ein anderer denkt es zu Ende. In der Mitte häuft sich Luft auf Tapeten. Tapeten, die gehen können. Füße, Hände, Stoffballen. Nur die Knöpfe als Augen haben sie vergessen. Ich war auf diese Art blind, d.h. dass mich zutiefst langweilte, was ich schrieb.
Die Dinge drehen sich im Kreis, ohne einander zu begegnen. Die einen glauben an Kunst, die andern machen sie, weil sie am Leben verzweifeln mit diesen Regeln von Kreisen, die sich drehen ohne sich jemals zu schließen. Spirale, nicht Kreis. Trotzdem rund, und wenn man anfängt Antworten zu suchen, sollte man vielleicht aufhören Fragen zu stellen. An sich! Und sie nur noch an die Welt richten. Das ist einen Standpunkt beziehen, von dem man wissen kann, der Ausblick ist begrenzt, aber klar und deutlich, statt ständig den Kopf zu wenden und alles verschwimmt. Was ist Wahrheit und was sind Gedanken? Und das sind die Muster aus denen man Wirklichkeit webt.

All die Schlösser der Sprache

Der Blinde schaut aus dem Fenster und spürt die Musik. Die Gebildeten modellieren die Leere zur formvollendeten Gestalt.

Der Schnee fällt aus allen Wolken. Die Wolken steigen dem lieben Gott zu Kopf. Er hat Knopfäuglein und einen langen Bart. Nicht für Kinder unter drei Jahren geeignet. Kleinteile können verschluckt werden.

Die Zeit hat Schluckauf. Das Gestern bekommt uns nicht, das Morgen haben wir über. Im Heute kennen wir uns nicht aus. Wie Schneewittchens böse Stiefmutter fragen wir unablässig den Spiegel, wer der Klügste im Land ist, der Schönste, oder der mit der besten Stimme. (wer am besten lügt, behalten wir für uns, unter Vorbehalt. Umtausch ausgeschlossen).

Als Kind fühlte ich mich oft ausgeschlossen (ich war nicht besonders aufgeschlossen). All die Schlösser der Sprache und niemand, der sie öffnet, nein schließt.

Penelope wartet noch immer (ohne das jemand merkt, dass es längst das Warten ist, das ihr ans Herz gewachsen ist. Ein unmerkliches Muster, das sich beim nächtlichen Auflösen der Stoffe, tief in ihre Finger gegraben hat).

Den Unglücklichen und Ahnungslosen gehört das Reich der verlorenen Fäden.

Die Nachrichten, die alles im Nachhinein richten. Und alles Wichtige steht ohnehin in dem, was man ausläßt.

Begraben wir die flüchtigen Erfinder mit unserer Dankbarkeit.