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Das Alter. Die Melancholie. Die Wiederholungen.

Und letztendlich geht es doch nur immer wieder darum, die Angst zu überwinden, und den eigenen Weg zu finden. Den Weg, und den Mut, ihn zu gehen. Immer wieder.

All die Zeit, die ich nicht habe, solange sie mich hat. Bedeutungslos: entweder die Zeit oder ich. Oder letztendlich – wir beide?

 

I

Woher kommt dieser Hang, diese Zuwendung, fast schon Suche nach Melancholie? All die schwermütigen Schriftsteller, die ich so gerne lese. Der wunderbare Espedal. Und jetzt Merethe Lindstrom. Aber schon lange davor Dostojewski, Les Murrays Schwarze Hunde. Die Anatomie der Melancholie von Burton liegt seit der Lesung, die unter diesem Motto stattfand (wann ist das gewesen? 2015 oder sogar schon davor, 2014?) ungelesen zwar, aber ständig griffbereit, auf dem Schreibtisch.

Die Dunkelheit, die immer wieder alles verschlingt. Sprichwörtlich. Oder wortwörtlich? In den Schatten stellt. Ich kenne das nicht, und kenne es doch. Es ist nie wirklich schlimm. Und nie wirklich weg. Selbst wenn ich glücklich bin, hat die Traurigkeit, die Dunkelheit, die Melancholie ihren Platz in mir. In meiner Anatomie wird die Traurigkeit erst sterben, wenn auch alles andere tot ist. Aber das ist nicht bedauernswert. Es ist eine Grundlage für die Empfänglichkeit von Schönheit, die ich nicht missen möchte.

 

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Es gibt einen Unterschied zwischen verschlossenem, verstocktem Verhalten und der Unlust über Überflüssiges zu reden. Dieser Unterschied ist ebenso groß und bedeutsam wie der zwischen Traurigkeit und Melancholie, oder eben zwischen Geschriebenem und Literatur.

Scham

Es gibt diese Lakonie der Endlichkeit gegenüber, dem Alter, dem Tod, der Unumkehrbarkeit dieses Weges, der sich unweigerlich mit Verlusten füllt, die Melancholie, die schmerzhaft schön, oder pathetisch süß daherkommt.

Aber wie beschreibt man Scham? Wie kann man Worte finden für die Dinge, für die man sich dermaßen schämt, dass man sie am liebsten verdrängt, immer tiefer, immer weiter?