Entfernungen, Zöpfe

Ich sei im Moment nicht anwesend in mir, sagte meine Mutter dem Besucher an der Tür. Der seine Jugend unter die kussbereite Zunge legte, und ging. Seines Wegs, oder dahin. Vielleicht geriet er auf Abwegen zum Ziel. Während meine Haare wuchsen, obwohl ich in keinem Turm lebte. Höchstens vielleicht in einem Turm aus Selbstmitleid. Helfen in diesem Fall auch Haare? Lang und zu einem Zopf geflochten?

Ich bin immer so weit entfernt vom Verständnis, wie das Meer von mir. Das Unverständnis überschwemmt mich wie die Flut. Und lässt mich dann auf dem Trockenen zurück.

Erinnerung

 

Manchmal hat sie das Gefühl, verrückt zu werden. Sie wirft Rettungsanker ans Ufer, die niemand aufzufangen bereit ist. Und so muss sie ertrinken im Meer ihrer Erinnerungen, die keiner mit ihr teilt. Die sie verschlingen.

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Ich verliere mich in zweideutigen Beschreibungen vom Meer. Verstecke mich hinter Vorbildern, hinter: so will ich sein. So lange, so routiniert, dass ich mich längst nicht mehr erkennen kann.

 

Widerstand

Widerstand - Isla volante
Widerstand – Isla volante

Ich weiß nicht, ob sich das Meer konzentrieren kann, ob es manchmal verzweifelt versucht, seinen eigenen Willen durchzusetzen, ob es seit Urzeiten darüber nachdenkt, warum es immer wieder der Anziehung und Abstoßung durch den Mond folgen muss, aber es gefällt mir, zu glauben, das Meer übe sich lebenslang im Widerstand.

 

Salzige Sardellen

Salzige Sardellen - Isla volante
Salzige Sardellen – Isla volante

Ich habe ihn am Meer kennen gelernt. An keinem anderen Ort hätten seine dunklen Augen so leuchten können für mich. Nirgendwo sonst hätte er darüber gelacht, wie ich caballos sagte, während ich auf friedlich grasende Pferde zeigte. Auf dem Weg zu einer kleinen Bar, in der wir salzige Sardellen aßen und Kaffee dazu tranken.

Und als ich wenige Tage später im Bus saß, mich mit jedem Kilometer vom Meer entfernte, wusste ich, wie er hieß, wo er studierte und wie er sein Geld verdiente. Ich wusste auch, dass ich ihn nie wiedersehen würde. Das ich ihn nicht vergessen würde, wusste ich damals noch nicht.

 

 

Die Quelle

Die Quelle - Isla volante
Die Quelle – Isla volante

Unsere Befangenheit in Vorstellungen. Bis ein Satz, ein Wort, sie auflöst. Ich habe dir von den Wellen geschrieben. Mein Stranden im offenen Meer. Und kein Wal, der mich aufnahm, kein Kapitän Ahab, der mir mit seiner Wut den Weg wies. Nur die Erinnerung an die singende Quelle, von der Marguerite Duras geschrieben hat. Ihre Worte wie Psalme. Mein neues Testament.

 

Hände

Hände - Isla volante
Hände – Isla volante

Als Kind war ich zu Hause in der Landschaft des Meeres, in der Wüste, die ja auch nichts anderes war als ein Ozean aus Sand und in den steinigen Gebirgen. Alles lag in meiner Hand, solange meine Hand in der meines Vaters lag.

Traum vom Meer

Traum vom Meer - Isla volante

Traum vom Meer – Isla volante

Mit jeder Welle näherte ich mich der Ferne, dem Horizont, dem: es-gibt-kein-zurück. Die Möwen über mir spendeten mir Schatten, umkreisten mich ratlos und drehten ab. Ich ließ mich treiben, ich ruderte, ich verlor langsam das Ufer aus der Sicht. Noch ein paar Züge, dann versank ich so tief in meinem Traum vom Meer, dass nichts mehr in mein Bewusstsein drang.

Pause

Pause - Isla volante
Pause – Isla volante

Wir schwimmen im kleinkarierten Bedauern unserer Ahnungslosigkeit. Unser Horizont ist nicht weit, aber immer begleitet vom Rauschen ungebetener Gedanken. Einmal im Jahr fahren wir ans Meer, um sie zu ertränken. Essen Fisch und bespötteln unsere Sparsamkeit. Und wenn wir langsam anfangen, uns daran zu gewöhnen, dass etwas uns trägt, fahren wir wieder nach Hause.